Rekordversuch

Transatlantik für Masochisten

Der Amerikaner Matthew Kent will den Rekord für die Atlantiküberquerung mit dem kleinsten Boot brechen. Seine "Undaunted" ist gerade mal 1,06 Meter lang!

Andreas Fritsch am 27.03.2017
Undaunted
M. Kent

"Undaunted" und sein Skipper

Fast vier Jahre lang hat der erfahrene Segler, der im "normalen Leben" als Crew auf einem Tallship arbeitet, an seinem winzigen Segelboot gebaut. Obwohl "Boot" eigentlich nicht das richtige Wort ist. Versuchten die Erbauer von Gefährten für solche Extremleistungen bislang noch den Anschein einer Schiffs-DNA zu erwecken, setzt Matthew Kent konsequent auf ein Design, bei dem einem spontan eher das Wort "Waschmaschine" durch den Kopf schießt. Seine "Undaunted" ist ein Alu-Bau aus sechs Millimetern unter der Wasserlinie und vier darüber, ausgerüstet mit einem einzigen, sehr rudimentären Segel. Erste Videos von seiner "Undaunted" hat der Amerikaner auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht.

Der Skipper steht oder sitzt halb in seinem Segel-Würfel, der immerhin erstaunliche 1,5 Meter Kiel mit einer 200-Kilo-Bleibombe hat, damit er nicht andauernd kentert. Aber selbst wenn das passieren sollte, ist er sich sicher, dass sich das Boot wieder aufrichtet. Mit 1,06 Meter Länge ist es fast 60 Zentimeter kürzer als der Winzling von Hugo Vihlen, der den Rekord seit 2008 hält. Offiziell sind solche Rekorde allerdings nicht, alle gängigen Institutionen des Segelsportes weigern sich; diese anzuerkennen, da sie zu gefährlich sind. Selbst das "Guinness Book of Records" hat bislang alle Versuche Kents, den Rekordversuch, den er ab Anfang April (...aber nicht am 1. April!) von Gomera starten will, zu dokumentieren. Ziel soll Florida sein, eine über 4000 Seemeilen lange Reise.

Die wird mit dem Gefährt entsprechend zäh: Mit maximal 2,5 Knoten Speed rechnet der Amerikaner, was etwa drei bis vier Monate Reisezeit bedeutet. Und da sind schon 0,5 Knoten Strom im Rücken mit eingerechnet.  Bei über 800 Kilo Bootsgewicht und geschätzten drei  Quadratmeter Segelfläche kein Wunder. Was ihn in der Zeit erwartet, lassen mehr Infos über das Boot erahnen: Er kann im Inneren nur stehen oder halbwegs sitzen. Schlafen ist nur in einer Art Embryonalstellung möglich.

Eines der größsten Probleme bei so kleinen Booten und so langer Reisedauer ist naturgemäß die Unterbringung des Proviants. Nach Angaben von Matthew Kent spielen bei den Dimensionen tatsächlich die Größe von Energie-Riegeln eine mitentscheidende Rolle. Er will sich hauptsächlich von gefriergetrockneter Nahrung ernähren, die er mit Wasser anrührt. Das Boot hat zwei 150-Liter-Wassertanks und zwei Wassermacher, die per Hand betrieben werden. Aussicht nach draußen besteht durch eine Plexiglas-Kuppel, die bei schlechtem Wetter geschlossen werden kann. Die Kabine wird dann über den Mast belüftet, der als Schnorchel dient. 

Für die "Sicherheit" an Bord sollen ein AIS, GPS sowie ein Epirb sorgen, Strom wird über Solarzellen und einen Handgenerator erzeugt. 

Die YACHT hatte schon einmal 2008 über die skurrile Szene der "Mikro-Yachten" berichtet (Heft 25/2008), damals gab es einen kleinen Boom der wunderlichen Fahrzeuge. 

Andreas Fritsch am 27.03.2017

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