Fall Lüchtenborg
"Trans-Ocean" Preis aberkannt

Wegen erheblichen Zweifeln an seinen Reiseschilderungen distanziert sich der Verein von Bernt Lüchtenborg

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 18.01.2010

T. Sassen Bernt Lüchtenborg bei der Preisübergabe 2005

Der Umstand, dass er der Jury nicht nur eine Reisebegleitung unterschlagen hat, sondern offenbar auch niemals einhand in der Antarktis gewesen ist, gaben den Ausschlag, Preis und gewährte Fördergelder zurück zu fordern.

"Mit Beschluss vom 11. 01. 2010 hat der Vorstand, nach Rücksprache mit der Jury, die 2005 über die Vergabe des „Trans-Ocean“ Preises entschieden hatte, soweit die Jurymitglieder noch im Amt sind, entschieden, den 'Trans-Ocean' Preis 2005 Herrn Bernt Lüchtenborg abzuerkennen."
So geht es aus der am Samstag erschienenen "Eilmeldung" auf der Website des Trans-Ocean hervor.

Obwohl es schon während der Preisverleihung 2005 zu einem Eklat gekommen war, weil eine Mitseglerin Lüchtenborgs sich zu Wort meldete und angab, auf 2/3 der Reise mit an Bord gewesen zu sein, wurde die Preisverleihung nicht in Frage gestellt.

Für den Trans-Ocean lag die Rechtfertigung darin, dass er den "letzte(n) Teil der Reise von 2004 bis 2005 von Australien nach Cuxhaven ... den sportlichen Höhepunkt ... Einhand zurückgelegt" hat. Man argumentierte, dass Lüchtenborg auch dann den Preis verliehen bekommen hätte, wenn er seine Mitseglerin nicht verschwiegen hätte. Der Einwand, dass jemand, der seine Reise schön lügt, generell preisunwürdig ist, blieb ungeachtet.

Nun sind jedoch weitere einschlägige Beweise bekannt geworden, die "erhebliche Zweifel an den Logbucheintragungen und den Reiseverlaufschilderungen des Herrn Bernt Lüchtenborg aufkommen lassen. So ist er, entgegen seinen Schilderungen, offenbar niemals in der Antarktis gewesen."

Weiter ist in der Meldung des Trans-Ocean zu lesen:
"Diese und weitere Umstände sind im Rahmen der Aufdeckung der Unwahrheiten bekannt geworden, die Herr Lüchtenborg aus Anlass seiner Reise „Sail2horizons“ verbreitet hat. Deshalb haben nunmehr der Vorstand und die Jury entschieden, Herrn Bernt Lüchtenborg wegen der erheblichen Zweifel an der Richtigkeit seiner Reisedarstellung die seinerzeit erfolgte Vergabe des 'Trans-Ocean' Preises abzuerkennen.

Herr Lüchtenborg ist ferner vom Vorstand aufgefordert worden, die ihm für das Projekt „Sail2horizons“ gewährte Förderung zurück zu zahlen. Hierbei handelte es sich um die von dem Verein übernommenen Kosten für seinen Internetauftritt. Diese Unterstützung war ohnehin nur zugesagt worden, soweit und solange das Unternehmen erfolgreich durchgeführt wird. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein."


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Themen: CuxhavenLüchtenborgPreisTrans Ocean

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