Blauwasser

Trans-Ocean-Peise für Meilen, Mut und eine gute Aktion

Der Hochseesegler-Verein hat Törns und Erfolge ausgezeichnet, die unter besonderen Vorzeichen zum Ziel führten. Im Fokus stand erneut eine Ausnahme-Skipperin

Kristina Müller am 05.12.2020
MJAMBO Rücküberführung Helgoland 2020 MJB_D 2020-06-20
M Jambo

Härter als gedacht: Der Verein zur Förderung des Hochseesegelns würdigte die Leistungen von Seglern und Seglerinnen im vergangenen Jahr. Darunter etwa einen Transatlantiktörn von West nach Ost auf weit nördlichem Kurs über den Nordatlantik mit einer Bavaria 34


Vieles ist anders in diesem Jahr. Im Vereinsbereich macht sich die Pandemie derzeit stark mit dem Ausfall traditioneller Veranstaltungen wie der Jahreshauptversammlungen samt Preisverleihungen für außergewöhnliche Törns des vergangenen Jahres bemerkbar. Ende November hätten sich Mitglieder von Trans Ocean e.V. (TO) aus ganz Deutschland zur Jahreshauptversammlung mit anschließendem festlichem Abend in Cuxhaven treffen wollen – natürlich abgesagt.

"Die Preise werden aber auch nach einem solchen Jahr vergeben, denn seglerische Leistungen gibt es trotzdem zu ehren, auch wenn eine Reise früher beendet werden musste als geplant, wenn Ziele nicht angelaufen werden konnten und viele Crews auf ihren Törns von einem Virus ausgebremst wurden", so Egon Lutomsky, stellvertretender Vereinsvorsitzender, der den Verein seit dem Rücktritt von Peter Wiedekamm im September durch die Pandemie-Zeiten und die Suche nach einem neuen Vereinschef steuert. 

Ehrungen im Corona-Modus

Zwei Preise wurden dabei sogar persönlich übergeben – coronabedingt in einem sehr kleinen Kreis ohne Gäste. Susanne Huber-Curphey erhielt an Bord ihrer Aluminiun-Yacht "Nehaj", mit der sie zur Überwinterung in Bremerhaven festgemacht hat, den Trans-Ocean-Preis.

Susanne Huber Curphey Preisvergabe 2020

Astrid Ewe hält die Laudatio auf Susanne Huber-Curphey an Bord der "Nehaj" in Bremerhaven. Da die Ehrung ohne Publikum stattfand, wurde sie aufgezeichnet und wird später als Video veröffentlicht 

Die passionierte Einhandseglerin erhält die Auszeichnung für die seglerisch anspruchsvollste Fahrt der vergangenen zwölf Monate bereits zum dritten Mal. Maßgeblich dafür war in diesem Fall ihre Rückkehr nach Europa im Frühjahr 2020 nach ihrer herausragenden Weltumsegelung, für die sie Anfang des Jahres bereits mit dem Seamanship Award des renommierten britischen Ocean Cruising Club ausgezeichnet wurde.

Allein und nonstop um die Welt – und weiter

Im Rahmen der "Longe Route", einer Nonstop-Weltumsegelung in Gedanken an die Reise von Bernard Moitessier 50 Jahre zuvor, war Susanne Huber-Curphey  2018 an der US-Ostküste gestartet. Sie folgte nach Erreichen des südlichen Atlantiks der Route Moitessiers und segelte wie dieser 1969 nach der Passage von Kap Hoorn nicht zurück nach Europa, sondern immer weiter gen Osten.

Erst nach 33 043 Seemeilen, 251 Tagen auf See und einer eineinhalbfachen Einhand-Nonstop-Weltumsegelung legte sie in Tasmanien wieder an.

Auf der Rückreise in Richtung US-Ostküste dann die fatale Havarie – mit glücklichem Ausgang: "Nehaj" strandete aufgrund eines nicht haltenden Ankers vor Réunion. Das schwer beschädigte Schiff wurde geboren. Nach einer ersten Reparatur vor Ort ging die Reise weiter über Kapstadt und Martinique nach Sneek in den Niederlanden, wo der Törn nach weiteren 12 600 Meilen im April 2020 mit einem Werftstopp endete, bevor die Skipperin das derzeitige Winterquartier ansteuerte.

Die Laudatio bei der heutigen Preisvergabe hielt Astrid Ewe, die mit ihrer Schwester Ulrike bereits zahlreiche anspruchsvolle Törns in hohe Breiten auf der Stahlyacht "Luna" unternommen hat (YACHT 2/2020).

Törnhelfer in der Heimat

Den Wanderpreis Ocean-Award vergibt der Verein der Hochseesegler an die ehrenamtlichen Helfer des sogenannten Trans Ocean Rolling Home Team.

Die Gruppe aus Mitgliedern des TO, des Amateurfunkvereins Intermar e.V. und des Cruising Club Schweiz (CCS) hat im Frühsommer 2020 zahlreiche Crews bei der Rückreise von der Karibik in die Heimat von Land aus kostenlos mit Wetter-, Routen- und Lageinformationen unterstützt (YACHT 16/2020).

TO Preise

Das Support-Team unterstützte die Segler vom Computer aus

Wegen der Pandemie waren diese unverhofft mit ungeahnten Problemen konfrontiert, und die Rückreise in die Heimat war aufgrund der unklaren Lage über Hafenschließungen und Einreiserestriktionen zum Törn mit ganz neuen Herausforderungen geworden. Das "Rolling-Home-Team" kontaktierte wichtige Transithäfen, um den Yachten zumindest eine Grundversorgung und Pausen zu ermöglichen und versorgte sie mit aktuellen Wetterdaten. 

Um die Welt und über den Atlantik

Zwei Einhand-Segler erhalten 2020 den TO-Weltumseglerpreis:

Sebastian Groth hat den Atlantik 2017 noch mit einem Freund überquert, die karibischen Inseln mal allein, mal zu zweit erkundet, doch weite Teile seiner Tour um die Welt mit der Bénéteau First 35 "Frida" im Einhand-Modus zurückgelegt. 33 421 Seemeilen führten ihn westwärts um die Welt, durch den Panama-Kanal, über den Pazifik, unter anderem nach Bali, über den Indischen Ozean, um das Kap der Guten Hoffnung, nach Namibia und im Sommer 2019 nach drei Jahren wieder nach Deutschland.

TO Preise

Einhand-Weltumsegler Sebastian Groth

Auch Andreas Dohmeier hat mit seiner Hanseat Commodore 42 "Kama" von Juni 2012 an die Welt in weiten Teilen solo auf der Barfußroute umsegelt. Nach acht Jahren und 42 667 Seemeilen kehrte er 2020 in die Heimat zurück.

Die TO-Medaille erhält für seine ambitionierte Langfahrt mit guter Reisevorbereitung Martin Daldrup. 2019 brach er mit seiner Bavaria 34 "Jambo" zu seiner ersten Atlantikrunde auf und wurde in der Karibik von den Folgen der Corona-Pandemie und der aufkommenden Hurrikan-Saison erwischt.

MJAMBO Rücküberführung Helgoland 2020 MJB_IMG_6296

Kurs Heimat: Drohnenaufnahme der "M Jambo"

Martin Daldrup

Martin Daldrup, Skipper der "M Jambo"

Im Mai 2020 startete Daldrup seinen Rücktörn nach Europa, der ihn schließlich auf weit nördlicher Route an den britischen Inseln vorbei zurück nach Deutschland führte. 42 Tage und 5130 Seemeile dauerte der beachtliche Solo-Törn (Interview in YACHT 16/2020; Youtube-Kanal "M Jambo").

Shooting-Star im Mini 6.50

Den TO-Becher für herausragende sportliche Leistung auf See erhält Lennart Burke. Nach dem Platzen der TO-Kampagne fürs Mini-Transat 2021 hatte er erfolgreich seine eigene auf die Beine gestellt und in der vergangenen Saison bereits mehrfach die französische Mini-Szene und Beobachter hierzulande beeindruckt.

Etappe 3 Start Mini 943 Burke Sasmorlaix 2020 PR_20200823_SASMORLAIX_2059

Lennart Burke auf seiner Pogo 3 "Vorpommern"

Beim ersten großen Solo-Rennen der Saison – "Les Sables – Les Açores en baie de Morlaix" – wurde Burke mit seiner Pogo 3 "Vorpommern" knapp hinter den beiden führenden Minis Dritter in der Gesamtwertung der Serienboote. Im anschließenden Duo Concarneau eroberte er gemeinsam mit Mini-Routinier Oliver Tesloff nach einem nervenaufreibenden Leichtwind-Krimi den fünften Platz und blieb auch hier in Schlagdistanz zur Spitze.
 

Kristina Müller am 05.12.2020

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