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Tragischer Unfall vor Sylt

Segler verliert sein Leben, weil er ein anderes retten wollte

  • Mathias Müller
 • Publiziert am 25.07.2006

Höfer shz "Troll"

In der Nacht zum vergangenen Samstag ist vor Sylt der 61 Jahre alte Bernd Johannsen gestorben. Beim Versuch eine im Gezeitenstrom abtreibende Mitseglerin zu retten wurde er selbst ein Opfer der tückischen Nordseeströmungen.

Zusammen mit zwei Männern, einer Frau und einem Hund macht sich Bernd Johannsen an Bord seines Motorseglers "Troll", einer 8,30 Meter langen Centaur der britischen Werft Westerly, um 1.30 Uhr nachts vom Munkmarscher Hafen auf Sylt zu einem gemütlichen Törn auf. Nach rund einer halben Stunde unter Motor lässt die Crew im Pandertief, einem großen Gezeitenstrom im Watt zwischen der Nordseeinsel und dem Festland, den Anker fallen.

"In der warmen Sommernacht tranken die Beteiligten dann einige Wiskey-Cola und Wein", sagt Peter Iden, Chef der Kriminalpolizei auf Sylt. Allerdings seien nach seinen Recherchen die Segler "allenfalls angetrunken, keinesfalls betrunken" gewesen.

Gegen 3 Uhr morgens legen sich die zwei männlichen Gäste von Bernd Johannsen schlafen. Wenig später beschließt die 47 Jahre alte Portugiesin, in den warmen Fluten ein Bad zu nehmen und steigt die Badeleiter der "Troll" hinunter. Als sie die Leiter loslässt, wird sie jedoch sofort abgetrieben.

"Dann muss der Skipper ihr irgendein Rettungsmittel zugeworfen haben", schildert Peter Iden das Geschehen, wie es sich den Befragungen zufolge vermutlich abgespielt hat. Anschließend sei Johannsen selbst ins Wasser gesprungen. "Bei ablaufendem Wasser sind im Pandertief fünf Knoten Strömung", erklärt Jürgen Stöver, Miteigentümer der "Troll" im Gespräch mit der YACHT. Er kann sich nicht erklären, warum sein Bekannter diesen aussichtslosen Rettungsversuch gestartet hat. Seiner Meinung nach muss Johannsen sofort Wasser geschluckt haben. Denn Johannsen habe das Revier wie seine Westentasche gekannt. Und "wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen wäre, hätte er sich einfach mit aller nötigen Ruhe mit dem Strom treiben lassen."

Aber es kommt anders. Bernd Johannsen treibt nur wenige Meter an der Portugiesin vorbei, ruft nun selbst um Hilfe, bevor nach wenigen Momenten seine Stimme erstirbt. Die Frau kämpft drei Stunden lang um ihr Leben – durch einen denkbar großen Zufall soll sie es behalten.

Ein Westerländer Segelpaar, 70 und 61 Jahre alt, geht auf dem Weg von Sylt nach Föhr vor Anker, weil die Navigationsinstrumente ausgefallen sind. Als die 61 Jahre alte Frau während der Notpause mit dem Fernglas nach Seehunden Ausschau hält, entdeckt sie die Hilfesuchende. "Um 6.20 Uhr wurde Maria B. von der Besatzung der Segelyacht aus dem Wasser gerettet – völlig entkräftet und gut zwei Seemeilen entfernt von der "Troll".

Gegen 6,.45 Uhr steigt der Rettungshubschrauber "Minden" auf, um Bernd Johannsen zu suchen. Der Sylter kann um 10.20 Uhr nur noch tot geborgen werden. Die Besatzung der "Troll", die beiden schlafenden Männer, haben von dem Drama unterdessen nichts bemerkt.


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Themen: ertrunkenUnfallUnglück

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