Seenot
Traditionssegler sinkt in Spodsbjerg

Im Sturm geriet das Schiff im Großen Belt in Seenot. Führte die missglückte Rettungsaktion der dänischen Marine zum Untergang?

  • Karolina Meyer-Schilf
 • Publiziert am 10.10.2014

Sören Stidsholt Nielsen Der 1880 gebaute Traditionssegler nach der Bergung

Wie dänische Medien berichten, war der 15 Meter lange Traditionssegler "Skibet" in der Nacht zu Dienstag im Sturm querab Fejø in Seenot geraten: Probleme mit einem der beiden Masten verhinderten das Segelsetzen, sodass das Schiff unter Motor lief. Schließlich drang Wasser in den Maschinenraum ein, woraufhin die Besatzung einen Notruf sendete. Die dänische Marine schickte daraufhin das auf Ærø stationierte Patrouillenboot "Freja". Das Marineschiff schleppte den Havaristen nach Spodsbjerg auf Langeland.

Sören Stidsholt Nielsen Die "Skibet" soll nun in einer Werft repariert werden

Nach Aussagen des Skippers Peer Bonnemann Larsen vereinbarte er mit der Besatzung der "Freja", ihn in den geschützten Fischereihafen zu schleppen. Das Marineschiff steuerte jedoch den offenen Fährhafen an, erlitt dort selbst einen Motorschaden und kollidierte samt "Skibet" mit der Pier.

Während sich die "Freja" trotz leichter Beschädigungen selbst aus der Lage befreien konnte, sank die 1880 gebaute "Skibet" nach zehn Minuten im Hafen von Spodsbjerg. Die insgesamt sechsköpfige Besatzung konnte sich vorher an Land retten, verletzt wurde niemand.

Sören Stidsholt Nielsen Ebenfalls geborgene Ausrüstungsgegenstände des Zweimasters müssen erstmal trocknen

Skipper Peer Bonnemann Larsen macht nun im dänischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk DR die Besatzung des Patrouillenbootes für die missglückte Rettung verantwortlich: "Das war richtig schlechte Seemannschaft. Die Besatzung wirkte panisch, hatte keinen Plan. So etwas habe ich in 46 Jahren auf dem Wasser noch nicht erlebt." Der zuständige Presseoffizier aus dem Marinestab, Kapitän Jesper Rasmussen, weist die Kritik zurück und nimmt die Mannschaft der "Freja" in Schutz: "Die Besatzung ist gut und kennt die dänischen Fahrwasser."

Sören Stidsholt Nielsen Ebenfalls geborgen: Die 800 Liter Riesling, die in Kiel zuvor gebunkert worden sind und mit der "Skibet" auf dem Weg nach Kopenhagen waren

Der Traditionssegler, Dänemarks älteste Galeasse, hatte zuvor in Kiel 800 Liter Riesling von der Mosel geladen und war auf dem Weg nach Kopenhagen, um an der dortigen Kulturnacht teilzunehmen. Pikant: Mit dem historischen Weintransport sollte gezeigt werden, wie Waren früher per Hand verladen und auf Segelschiffen transportiert wurden.

Nachdem Schiff und Ladung zwischenzeitlich auf dem Grund des Spodsbjerger Hafens lagen und nur noch die beiden Masten zu sehen waren, ist die "Skibet" inzwischen wieder gehoben und die wertvolle Fracht geborgen worden. Mit Unterstützung des dänischen Schiffserhaltungsfonds und möglichen weiteren Sponsoren soll Dänemarks maritime Kostbarkeit nun in der Werft restauriert werden.

Sören Stidsholt Nielsen Der Wein wird nun ohne den Traditionssegler nach Kopenhagen gebracht

Die gute Nachricht für die Besucher der Kopenhagener Kulturnacht: Die 1200 Flaschen Riesling aus erstklassigen Lagen an der Mosel gelangen nun doch noch nach Kopenhagen.


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