Kriminalität
TO-Mann als Schmuggler verurteilt

Der einstige Repräsentant des Hochseesegler-Vereins auf den Kapverden war offenbar in illegale Waffen- und Geldwäsche-Geschäfte verwickelt

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 13.04.2016

YACHT / P. Schuermann Die Bucht von Mindelo auf den Kapverden

Die in Cuxhaven ansässige Hochseesegler-Vereinigung Trans-Ocean (TO) vermeldet ein Gerichtsurteil gegen ihren einstigen Stützpunktleiter auf den Kapverdischen Inseln: "Milan R. ist wegen Waffenschmuggels und Geldwäsche auf den Kapverden zu vier Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden."

Der Mann ist eine recht schillernde Persönlichkeit und vielen Ozeanseglern bekannt, die in Mindelo auf der kapverdischen Insel São Vicente Station machten. In dem Archipel habe er in der Tat den TO-Stützpunkt geleitet, so die Langfahrer-Organsisation, allerdings nur kurzfristig und schon seit einer ganzen Weile nicht mehr. Gleichwohl sei er dort auch später noch als TO-Repräsentant aufgetreten, "wozu er jedoch in den letzten Jahren keinerlei Berechtigung mehr hatte".

Als seine Nachfolgerin, so heißt es in der Verlautbarung weiter, habe er seine Ehefrau vorgeschlagen, TO dieses Verhältnis indes nicht bekanntgemacht. Die Dame eröffnete den Angaben zufolge "Ende 2011 einen neuen Stützpunkt in Mindelo".

Die weiteren Vorgänge schildert Trans-Ocean so: R. "legte immer wieder in Richtung Südamerika ab und kam, so heißt es auf den Inseln, jedes Mal mit einer größeren Yacht wieder zurück. Die alte, kleine Fleumel, mit der er einst auf den Kapverden gelandet war, wuchs stetig. Gerüchte machten die Runde. Im Sommer 2014 wurde er verhaftet. Ein Haftbefehl aus Deutschland tauchte auf, seine Yacht wurde durchsucht, Waffen, Munition und rund 800.000 Euro gefunden."

Die örtliche Zeitung "A Semana" behauptet zudem, es seien auch Drogen im Spiel gewesen, und aus Deutschland liege ein Auslieferungsantrag wegen "30 Betrugsverbrechen" vor. Sein Anwalt bezweifelt die Authentizität des Antrags und die Rechtmäßigkeit der Durchsuchung. Er will gegen das Urteil Berufung einlegen.

YACHT / M. Müller TO-Chef Martin Birkhoff

Der TO-Stützpunkt São Vicente ist derzeit geschlossen, „da Informationen vorlagen, dass im Rahmen des Strafverfahrens auch gegen seine Ehefrau ermittelt wird. Es wird geplant, einen neuen Stützpunkt auf São Vicente zu eröffnen."

Der Vorgang ist auch insofern pikant, da R. als ein Wortführer jener vereinsinternen Opposition in Erscheinung trat, die Ende vorigen Jahres für erheblichen Wirbel sorgte (siehe YACHT 3/16). Am 10. September 2015 hatte er einen Antrag für die Jahreshauptversammlung im November eingereicht, in dem er vehement die Demission des TO-Vorsitzenden Martin Birkhoff forderte: "Aus Cuxhaven kommt nichts, seit Jahren schon nichts.“ Auch in dem Antrag verkaufte sich R. noch "als Stützpunktleiter der TO auf Cabo Verde". Und schrieb: "Wir brauchen einen Skipper, der mit der Crew harmoniert und gut zusammenarbeitet, Ideen entwickelt und aufnimmt und den Verein lebendig gestaltet. Martin Birkhoff kann das nicht."

Der Antrag wurde in Bausch und Bogen abgeschmettert.


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Themen: KapverdenMartin BirkhoffMindeloTrans-Ocean

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