Weltumsegelung

Sunderland wird nach Mastbruch abgeborgen

Schweres Wetter setzte der "Wild Eyes" heftig zu – zeitweise galt die 16-jährige Abby bereits als verschollen

Johannes Erdmann am 11.06.2010

Die Position der "Wild Eyes" im Indischen Ozean

Im Gespräch mit ihren Eltern berichtete Sunderland von einigen Knock-Downs, die sie in den vergangenen Tagen bei Wind der Stärke elf erlebt, aber überstanden hat. Dann brach der Kontakt ab, ein Notsignal wurde empfangen.

Das Wetter war besser geworden, der Wind hatte von 60 Knoten (11 Bft) auf 35 Knoten (8 Bft) abgeflaut. Abby meldete sich per Satellitentelefon zu Hause, berichtete von den vergangenen, rauen Tagen und wie es ihr Schiff einige Male flach auf die See gelegt hatte. Offenbar muss bei einem dieser Knock-Downs Wasser aus dem Auspuff zurück in den Motor gelaufen sein. Abby klagte, dass er sich deswegen nicht starten ließe. Damit fehlte ihr trotz der Solarpaneele und der Windgeneratoren ein wichtiger Stromgeber. Die Reparatur gelang, der Motor sprang an — doch dann brach die Satellitenverbindung ab.

Als die Familie auf einen Rückruf wartete, meldete sich stattdessen die amerikanische Seenotleitstelle und erklärte, dass sie soeben ein Notsignal von Abbys Epirb empfangen hatte. Kurz darauf folgte ein zweites. Beim Sichten der Registrierungsunterlagen fand man heraus, dass es sich bei den gesendeten Kennungen um ihre persönliche Epirb und um eine zweite unter Deck handelte. Die dritte Epirb, die beim Untergang des Schiffes per Druckauslöser aktiviert worden wäre, blieb stumm. Es bestand also Hoffnung, dass "Wild Eyes" zumindest noch nicht gesunken war.

Heute morgen gegen 8.30 Uhr unserer Zeit überflog ein von den australischen Seenotrettern gecharterter Airbus A330 die "Wild Eyes", die sich derzeit relativ genau mittig im Indischen Ozean befindet, etwa 2.000 Seemeilen westlich von Australien. Es war möglich, Funkkontakt herzustellen. Allem Anschein nach geht es Abby gut.

Die "Wild Eyes" hat jedoch ihren Mast verloren. Grund genug für den Teenager, die Epirb zu aktivieren und sich von Bord abbergen zu lassen. Ein Fischerschiff befindet sich in diesem Augenblick auf dem Weg zu ihr und soll vermutlich morgen Nachmittag eintreffen, um sie an Bord zu nehmen. Was mit ihrem Open-40 "Wild Eyes" geschehen wird, ist derzeit unklar.

Johannes Erdmann am 11.06.2010

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