Weltumsegelung

Sunderland lässt Yacht "Wild Eyes" zurück

Nur 44 Stunden nach Aktivierung ihrer Epirb wurde die 16-Jährige von einem Fischereischiff abgeborgen

Johannes Erdmann am 14.06.2010

Die "Wild Eyes" treibend und ohne Rigg

Die "Ile de la Reunion" war von ihrem Einsatzgebiet nahe der Kerguelen zu Hilfe geeilt. Wie der Kapitän berichtet, geht es der jungen Weltumseglerin gut: "Sie ist sicher an Bord und bei bester Gesundheit."

Bereits am vergangenen Donnerstag, gegen 17 Uhr unserer Zeit, war bei der australischen Seenotleitstelle das Notsignal der 16-jährigen Sunderland eingegangen. Kurz darauf wurde auch die zweite, persönliche Epirb aktiviert. Da sich in dem betreffenden Seegebiet, etwa mittig zwischen Südafrika und Perth in Australien gelegen, kein Schiff in unmittelbarer Nähe befand, entschied sich die Seenotleitstelle kurzerhand, einen Airbus A-330 von der australischen Fluggesellschaft Qantas zu chartern und mit einem Team von Beobachtern an Bord zur Unglücksstelle zu senden. Etwa zwölf Stunden später, am Freitagmorgen, startete die Maschine von Perth aus.

Die Crew an Bord der Suchmaschine fand die "Wild Eyes" ohne Rigg treibend, es gelang, Funkkontakt herzustellen. Kurz darauf erschien Sunderland in knallrotem Ölzeug auf dem Achterdeck. "Es war wirklich sehr schwer, sie auszumachen", erklärte Mike Wear, Beamter bei der australischen Wasserschutzpolizei und Beobachter an Bord des Airbus, nach seiner Rückkehr. "Sie war nur ein kleiner Punkt auf einem großen Ozean. Doch am Funk klang sie stark und guter Dinge."

Bereits kurz nach dem Notruf am Donnerstag waren drei Schiffe aufgebrochen, um die junge Seglerin von Bord ihres Open-40 abzubergen. Als Erstes traf am Samstag gegen kurz nach Mittag deutscher Zeit das Fischereischiff "Ile de la Reunion" in der Nähe der "Wild Eyes" ein. Die Abbergung gelang — kurze Zeit später lief das Schiff bereits wieder auf Kurs Süd, zurück zu der subantarktischen Inselgruppe. Dort soll Sunderland in den nächsten Tagen auf das Patrouillenboot "Osiris" umsteigen, das sie 1.800 Seemeilen weit nach Reunion bringen wird, damit die "Ile de la Reunion" weiter ihrer Arbeit nachgehen kann. Durch die Rettungsaktion wird sie wahrscheinlich beim derzeitigen Fang hohe Verluste einfahren.

Von Bord des Fischereischiffes wandte sich Sundland bereits persönlich an die Fans auf ihrer Internetseite. Sie beschreibt, dass es ihr gut gehe, sie sehr herzlich an Bord aufgenommen worden sei, aber die vergangenen Tage sehr "verrückt" finde.

Während sie in der ersten Meldung noch sehr mit der französischen Tastatur zu kämpfen hat, meldet sie in der nächsten bereits, dass sie begonnen hat, ihre Erlebnisse der bisherigen Reise in einem Buch zusammenzufassen.

Genug Zeit dafür wird sie nun sicher haben: Laut Aussagen ihrer Eltern kann es noch mehrere Wochen dauern, bis Abby in Reunion an Land geht und dann weiter nach Kalifornien reisen wird. Zum Verbleib der "Wild Eyes" erklärt Abbys Vater: "Es ist noch nicht sicher, was passiert — aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass das Schiff gerettet wird. Ich habe Abby bereits gesagt, dass sie ohnehin der einzig kostbare Teil der Ausrüstung ist." Der "Spiegel" berichtete in seiner Onlineausgabe gar von einer gezielten Versenkung, damit sie nicht zum Hindernis für andere Schiffe wird.

Nachdem Sunderland während der ersten Tage nach der Rettung für keine Interviews zur Verfügung stand, in dieser Zeit über 12.000 Leserkommentare auf ihrer Website eingingen, beantwortete sie nun erstmals dem TV-Sender ABC ein paar Fragen. Darin sprach sie von einem zweiten Versuch, dass sie gern noch einmal aufbrechen möchte. Wann es jedoch so weit sein wird, ist ungewiss.

Der Seenotfall der 16-Jährigen könnte sich negativ auf den Gerichtsentscheid zum Fall "Laura Dekker" auswirken, der für kommenden Donnerstag geplant ist. Nachdem Jessica Watsons Weltumsegelung — bis auf die Frachterkollision bei der Überstellungsfahrt nach Sydney — so glimpflich verlaufen ist, dürfte Sunderlands Rettung wieder vermehrt Kritik schüren, dass Kindern die Reife zu solch einer Reise nicht zugesprochen werden kann. Sunderlands naive Argumentation für ihren Seenotfall stützt die Argumente: "Es gibt nun mal Stürme im winterlichen Südpolarmeer, und ich hatte damit gerechnet, dass ich in einen gelangen werde. Aber das hat nichts mit meinem Alter zu tun. Seit wann produziert das Alter große Wellen und Stürme?"

Nach Informationen des Spiegels verzichtete die australische Regierung großzügig darauf, die Familie Sunderland für die Kosten der Rettung aufkommen zu lassen. Dennoch wird sich die Familie auf Kritik einstellen müssen. Vor allem, nachdem Vater Laurence Sunderland auf die Frage nach den Gefahren solch einer Reise im US-Fernsehen mit den Worten entgegnete: "Das Leben ist halt gefährlich — wie viele Teenager sterben bei Autounfällen?"

Bemerkenswert bleibt das Zusammenspiel der beteiligten Behörden, die die Rettung vorbildlich durchgeführt haben. Dass eine derart groß angelegte Rettungsaktion in so kurzer Zeit erfolgreich durchgeführt werden konnte, hätte wohl kaum einer für möglich gehalten. Auch Sunderland ist immer noch erstaunt und bedankt sich auf ihrer Website: "Ich hatte gehofft, dass in den nächsten Wochen ein Schiff in meiner Nähe erscheint. Das war wirklich beeindruckend."

Protokoll der Rettung auf der Seite der Australian Maritime Safety Authority

Webblog von Abby Sunderland

Johannes Erdmann am 14.06.2010

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