Seenotretter
Suche nach der verlorenen Tochter

Auf dem Seenotrettungskreuzer "Bremen" wurde 1953 das erste Tochterboot erprobt. Die "Bremen" ist heute denkmalgeschützt, die Tochter fehlt

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 30.09.2014

Sammlung Kai Steffen Vor 60 Jahren: Das Tochterboot der "Bremen" im Einsatz auf der Nordsee

Meist eilt die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zu Hilfe, wenn danach gerufen wird. Doch diesmal sind es die Seenotretter, die eine Vermisstenanzeige aufgegeben haben und um Mithilfe bei einer ungewöhnlichen Suche bitten:

"Zu Beginn der 1950er-Jahre wurde bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS, Bremen) die Entwicklung eines damals innovativen Seenotkreuzer-Prototyps mit eigenständig operierendem Tochterboot in Angriff genommen. Diese schiffbauliche Neuerung wurde zunächst kostengünstig auf Basis eines bereits existierenden Rettungsfahrzeuges getestet. Ein 16 Meter langes Motorrettungsboot erhielt eine modifizierte Rumpfform, eine stärkere Antriebsmaschine, einen Turmaufbau, das in einer Heckwanne mitgeführte Tochterboot und schließlich den neuen Namen 'Bremen'.

Vom Seenotretter zum Technischen Denkmal

Die 'Bremen' war auf verschiedenen Rettungsstationen an der Nordseeküste im Einsatz für in Seenot geratene Menschen, bevor sie 1965 außer Dienst gestellt und verkauft wurde. Vor einem Jahr wurde sie aufgrund ihrer hohen schifffahrtsgeschichtlichen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt, nachdem das Bremer Kulturforum Speicher XI den Seenotrettungs-Veteranen angekauft und zurück an seine Entstehungsstätte überführt hatte.

Tochterboot-Suche: Die Spur führt an die Unterelbe

Zeitgleich mit der Ausmusterung der 'Bremen' wurde 1965 auch deren Tochterboot verkauft, das übrigens keinen eigenen Namen hatte. Mündlichen Überlieferungen zufolge soll es als Gartenschmuck in der Hansestadt Stade an der Unterelbe gelegen haben, wo es in den frühen 1980er-Jahren letztmals gesichtet worden und anschließend restauriert worden sein soll. 'Die 'Bremen' wurde kürzlich im Rahmen einer zweimonatigen Werftzeit in den farblichen Originalzustand von 1953 zurückversetzt', erläutert Dr. Kai Steffen, Leiter des maritimen Denkmalprojekts. 'Es wäre wünschenswert, unserer 'Bremen' ihr Tochterboot zurückgeben zu können, um auf diese Weise weiter zur optischen und technischen Vervollkommnung dieses historisch bedeutsamen Schiffes beizutragen.'

Sammlung Kai Steffen Die "Bremen" ist heute Technisches Denkmal und Museumsschiff. Das fehlende Tochterboot war ursprünglich im hinteren Bereich des Decks positioniert

Wer hat Hinweise, Pläne oder Bilder?

Gesucht wird ein Beiboot von 5,08 Metern Länge und 1,80 Metern Breite, das vermutlich viele Jahre lang in einem Stader Garten oder Vorgarten als Blumenkübel diente und heute möglicherweise wieder im Bereich der Unterelbe zwischen Cuxhaven, Hamburg und Brunsbüttel in Fahrt ist. Besonderes Kennzeichen ist die Anzahl von zwei Schiffsschrauben – für ein Boot dieser Größe eher ungewöhnlich. 'Wir möchten dem Eigentümer sein Boot selbstverständlich nicht wegnehmen', stellt Denkmalpfleger Steffen klar. 'Zunächst ist unser Ziel, das Boot zu finden und genau zu vermessen, um einen identischen Nachbau herstellen zu können.' Der Seenotrettungs-Enthusiast ruft alle Wassersportler, Skipper und Spaziergänger dazu auf, am Elbufer und im Binnenbereich der Unterelbe nach einem solchen Boot die Augen offen zu halten. Er vermutet das Boot im Umfeld einer maritim interessierten Person, vielleicht bei einem ehemaligen Seemann oder Werftmitarbeiter bzw. dessen Nachkommen. 'Auch ein Volkswagen-Liebhaber wäre seinerzeit als Besitzer infrage gekommen, denn das Boot wurde von zwei VW-Motoren angetrieben', ergänzt der 'Bremen'-Experte hoffnungsvoll."


Wer Erinnerungen, Hinweise oder aktuelle Fotos zu dem beschriebenen Boot hat oder Angaben zu dessen Verbleib bzw. Weiterverkauf machen kann, wird gebeten, sich an folgende Adresse zu wenden:

Kulturforum Speicher XI / Versuchskreuzer BREMEN Dr. Kai Steffen
Herderstrasse 14 28203 Bremen Telefon: 0421-2348321
E-Mail: Tochterboot@SRK-BREMEN.de


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Themen: Deutsche Gesellschaft zur Rettung SchiffbrüchigerDGzRSSeenotSeenotretterSeenotrettungskreuzer Tochterboot

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