Mittelmeer

Sturm verwüstet Spaniens Top-Revier – mindestens neun Tote

Ein tagelanges Unwetter stürzt die Balearen und die Festlandsküste ins Chaos. Orkan, Starkregen und Wellen bis zu 14 Meter Höhe sorgen für extreme Verheerungen

Uwe Janßen am 23.01.2020
Mallorca
G. Möller

Wracks am Strand von Pollensa

Mehrere Tage lang hat das Sturmtief Gloria auf den Balearen und an der spanischen Mittelmeerküste mit Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke für chaotische Zustände gesorgt. Das Unwetter türmte Medienberichten zufolge Wellen von bis zu 14 Meter Höhe auf, es kam zu Überschwemmungen und Starkregen. Yachten rissen sich los und strandeten, Häuser stürzten ein. Mindestens neun Menschen kamen am Festland ums Leben, derzeit werden vier weitere auf Mallorca und Ibiza noch vermisst. Es entstand Sachschaden in Millionenhöhe.

Mallorca

Gestrandete Yachten, zerfetzte Segel an Mallorcas Ostküste

Die einhergehende Sturmflut traf zunächst den Küstenabschnitt zwischen Valencia und Alicante. Das Wasser rauschte über Molen und Schutzbauwerke, überflutete mehrere Städte und drang bis weit ins Landesinnere vor, auch in vermeintlich sturmflutsichere Regionen. Im Hinterland kam zu dem heftigen Wind noch Schneefall hinzu. Gaffer, die sich das Spektakel ansehen wollten, wurden in großer Zahl verletzt, einen Fotografen rissen die Fluten mit.

Offiziellen Angaben zufolge handelte es sich um das schwerste Unwetter in der Region seit mehreren Jahren. Das spanische Fernsehen zeigte einen Wirt in seinem zerstörten Lokal, der bestätigte: „Das Meer war so wild wie noch nie.“ Fähren und Flughäfen stellten ihren Betrieb ein, Schulen schlossen, Urlauber wurden evakuiert.

Besonders heftig traf der Sturm Mallorcas Osten. Der Ort San Llorenç, gar nicht direkt an der Küste gelegen, versank in Fluten, nachdem die ungeheuren Regenmengen von keinen Bächen mehr aufgenommen werden konnten. In der nördlich gelegenen Gemeinde Escorca sind während der dreitägigen Unwetter mehr als 330 Liter Wasser pro Quadratmeter gemessen worden, im der schwer gebeutelten Hafenstadt Portocolom wurden 184 Liter pro Quadratmeter registriert. Die Gemeinde Felantix, zu der Portocolom gehört, wurde zum Katastrophengebiet erklärt. Dort haben die Wellen Häuser, Strände und Promenaden zerstört. Die Feuerwehr auf der Insel war pausenlos im Einsatz.

Spaniens Premier kommt ins Katastrophengebiet

Zwar befinden sich viele Yachten derzeit im Winterlager, aber es erwischte dennoch unzählige in den Häfen und an den Murings. Allein in der Bucht von Pollensa, wo Gottfried und Annika Möller die beliebte Schule und Segelstation "Sail & Surf Pollensa" betreiben, sind mehr als 20 Yachten auf den Strand und die Promenade geworfen worden, die meisten Totalschäden. Die in vorderster Reihe gelegene Schule selbst, deren Ausbildungsbetrieb auch den Winter über weiterläuft, ist mit dem Untergang eines Begleitboots dabei relativ glimpflich davongekommen. 

Mallorca

In Pollensa liegen die Havaristen, meist Totalschäden, direkt vor den Häusern

Mittlerweile haben sich die Wetterbedingungen leicht gebessert, die Menschen machen sich an die Aufräumarbeiten. Die Flut hat, neben den angerichteten Schäden, enorme Mengen Unrat hinterlassen. Für den heutigen Donnerstag hat sich Spaniens Premier Pedro Sánchez auf der Insel angekündigt, der sich vor Ort Eindrücke verschaffen und den Betroffenen Unterstützung zusagen will.   

Uwe Janßen am 23.01.2020

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