Studie
Stromstöße gegen Seekrankheit

Forscher wollen das Gehirn mit Elektroden gegen Reiseübelkeit wappnen. In wenigen Jahren soll jeder das Gerät in der Apotheke kaufen können

  • Kristina Müller
 • Publiziert am 08.09.2015

Imperial College London Die Testpersonen mussten zehn Minuten auf dem "Schaukelstuhl" verbringen

Eine Forschungsgruppe des britischen Imperial College London ist zuversichtlich, das Rezept gegen Reisekrankheit gefunden zu haben: Milde Stromstöße auf die Kopfhaut sollen die Bereiche im Gehirn, die Bewegungssignale verarbeiten, positiv beeinflussen. Denn die einhellige Meinung zur Ursache des lästigen Übels bei Wind und Welle ist, dass das Gehirn bei widersprüchlichen Informationen von Augen und Gleichgewichtsorgan im Innenohr rebelliert und letztendlich den Brechreiz verursacht. Schon in der YACHT 15/10 wurde über Ergebnisse zur Seekrankheitsbekämpfung des Wissenschaftlers Dr. Michael Gresty berichtet, der am Imperial College London forscht und die aktuellen Erkenntnisse mitverantwortet.

Die neue Therapie soll im Gegensatz zu Medikamenten, die auf Wirkstoffen wie Dimenhydrinat und Scopolamin basieren, nicht die bekannten Nebenwirkungen wie beispielsweise bleierne Müdigkeit hervorrufen. Die Anwendung sei ungefährlich, erklärt Dr. Qadeer Arshad, der die Studie leitete: "Die angewandten Stromstöße sind sehr leicht. Negative Auswirkungen sind durch kurzfristige Anwendung nicht zu erwarten." In den Versuchen der britischen Forscher, die ihre Ergebnisse vor wenigen Tagen im Fachjournal "Neurology" veröffentlichten, wurden Testpersonen in einem rotierenden Stuhl Übelkeit erregenden Bewegungen ausgesetzt und die Reaktion mit und ohne Stromeinwirkung über Elektroden auf der Kopfhaut observiert. Arshad zeigt sich optimistisch, dass in fünf bis zehn Jahren Geräte mit einer derartigen Funktionsweise für jedermann in der Apotheke zu kaufen sein werden.

Das britische Imperial College of London will die ultimative Lösung gegen Seekrankheit entdeckt haben: Leichte Stromimpulse auf die Kopfhaut

Ein Luxemburger Unternehmen berichtet von einer vermeintlich ähnlich revolutionären Methode, bei der auf die Haut geklebte DNA-Chips gegen Seekrankheit helfen sollen. Im Gegensatz zu der Versuchsreihe der Briten gibt es für die Wirksamkeit dieser Anwendung aber keinen Beleg.

Der Artikel aus YACHT 15/2010 zum kostenlosen Download (ca. 8Mb)


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Seekrankheit

Anzeige