Sportförderung

Streit um Kurs des Segel-Nationalteams

Kurz vor Unterzeichnung des bisher größten Sponsorvertrages gibt es an der Spitze des Fördervereins Unstimmigkeiten

Jochen Rieker am 07.06.2010

Wollte Mittel konzentrieren: Gunter Persiehl, der heute vom Aufsichtsratsvorsitz zurücktrat

Das Ziel ist klar: die Bildung und Entwicklung einer Segel-Nationalmannschaft. Nicht aber der Kurs. Heute trat der Aufsichtsrats-Vorsitzende des Sailing Team Germany, Gunter Persiehl, mit sofortiger Wirkung zurück.

Der Grund sind nach Informationen der YACHT offenbar unterschiedliche Auffassungen über das strategische Konzept. Mit überraschend deutlichen Worten distanzierte sich der Kommodore des Norddeutschen Regatta Vereins (NRV) von den Plänen, mit denen in den kommenden Jahren die Förderung des Segelnachwuchses in Deutschland verbessert werden soll.

Er könne "in keinster Weise" die Politik und Strategie des Sailing Team Germany mitverantworten, so begründete Persiehl in einem Schreiben an den Aufsichtsrat seine Entscheidung.

Zum einen moniert der Unternehmer und engagierte Segelsport-Förderer buchhalterische Mängel in der Geschäftsführung der erst vor einem Jahr gegründeten Initiative. So seien ihm Bilanzen nicht rechtzeitig vorgelegt worden.

Im Kern geht es jedoch vor allem um die Frage, wie man die finanziell begrenzten Mittel richtig einsetzt und wer in die Nationalmannschaft berufen werden soll.

Persiehl schwebte dabei ein Modell ähnlich dem von ihm begründeten NRV Olympic Team vor: wenige Mitglieder, maximale Betreuung im taktischen, technischen und psychologischen Bereich. "Im ersten Schritt", so der Bundesverdienstkreuzträger, "darf man nicht mehr als 40 oder 50 Sportler berufen." Für mehr reiche das Budget nicht, das bisher noch mehrheitlich aus Mitteln des Deutschen Segler-Verbands gespeist wird und keine großen Sprünge zulässt.

Will breiten Talentpool aubauen: Oliver Schwall, Mitinitiator des Sailing Team Germany

Oliver Schwall, Mitinitiator des Sailing Team Germany und ehemaliger Tornado-Weltmeister, favorisiert freilich ein anderes Konzept. "Wir haben von Beginn an eine langfristige Perspektive verfolgt," sagt der 41-Jährige. "Unser Ziel sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio. Und dafür brauchen wir auch eine Jugend- und Jüngsten-Förderung." Sein Plan ist, weit mehr als 100 Mitglieder zu berufen, um so "möglichst viele potenzielle Talente möglichst früh zu unterstützen". Dies sei so auch stets vom Aufsichtsrat mitgetragen worden.

Von einem Bruch der Beziehungen zu Gunter Persiehl mochte Schwall nicht sprechen. "Ich respektiere seine Entscheidung und freue mich, dass er der Initiative als Kommodore des STG-Fördervereins erhalten bleibt", so der erfahrene Werbefachmann und Marketing-Berater.

Auch Persiehl selbst ist nach wie vor überzeugt von der Idee einer Segel-Nationalmannschaft: "Im Prinzip ist das 100-prozentig richtig." Er fürchte aber, dass die hohen Erwartungen auf dem derzeit eingeschlagenen Kurs nicht erfüllbar sein werden. "Dafür sind wir im Moment viel zu weit weg von der internationalen Spitze."

Sein Rücktritt kommt in jedem Fall zur Unzeit.

Bei der Kieler Woche Mitte Juni soll der erste große Sponsor des Sailing Team Germany bekannt gegeben werden — YACHT-Informationen zufolge ein Industrieunternehmen von Weltruf, das sich längerfristig binden will. Es wäre der langersehnte Durchbruch für Oliver Schwalls Projekt, das auch von vielen Vereinen getragen wird und sportlich große Hoffnungen geweckt hat.

Jochen Rieker am 07.06.2010

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