ARC-Blog

Sternenregen über dem Atlantik

In klaren Nächten freuen sich die Atlantiksegler über ein grandioses Schauspiel am Himmel – Gelegenheit für viele Wünsche. Der Blog von Bord der "Moana"

Pascal Schürmann am 11.12.2019
Sternschnuppen_nasa_gov
nasa.gov

Meteorschauer (Symbolbild)

ARC-Blog Nr. 9

Da! Wieder eine! Und noch eine! Basti und ich starren in den Nachthimmel und freuen uns wie die Könige. Es ist unglaublich, wie viele Sternschnuppen hier vom Himmel sausen. Manche jagt quer mit schönem Schweif dahin, andere fallen direkt abwärts. Eine verglüht derart beeindruckend, wie ich es noch nie gesehen habe.

Ich bin mir ganz sicher, dass mein daran geknüpfter Wunsch in Erfüllung gehen wird.

Sternschnuppen – woher kommt das Wort eigentlich? Schnuppe, was heißt das genau? Der übliche Reflex führt zu nix, denn googeln geht nicht. Ich habe zwar ein Satellitentelefon, mit dem kleine Texte wie diese versendet und Wetterdaten empfangen werden können, aber surfen ist nicht drin.

Seit zwei Wochen sind wir daher auch ahnungslos, was draußen in der Welt passiert. Ob Trumps Friseur gefeuert wurde oder Putin vom Pferd gefallen ist, ob die Weltbank die Zinsen reguliert oder welche Partei die andere gerade beschimpft: Es ist uns völlig schnuppe.

Was hier draußen zählt, sind allein Wind und Wetter und dass unser Boot auf Kurs bleibt. Die Online-Abstinenz fällt überhaupt nicht auf, wir leben in einem völlig anderen Kosmos. Nur ob Greta und die "La Vagabonde"-Crew heil und sicher angekommen sind, das würden wir gern wissen.

Keine 1000 Seemeilen mehr

Mittlerweile haben wir die 1000-Meilen-Marke geknackt und freuen uns aufs Ankommen. Die Wetterlage ist unstet: Böen rauf und runter, Schauer und konfuse Wellen. Das Boot rockt, und wir sammeln blaue Flecken und zerbrochene Gläser.

Meist eiern wir im zweiten Reff durch die Gegend, denn die nächste graue Wand mit 35 Knoten Wind kommt schon von achtern angerauscht. Das kleine Tuch bringt nicht immer Geschwindigkeit, aber meistens ist es sicherer so. Nur manchmal liege ich in der Koje und denke, wir heben gleich ab. Wenn das Rauschen an der Bordwand zu einem Brüllen wird, sause ich nach oben und sehe auf dem Speedo wieder zweistellige Zahlen.

Bei 17,3 Knoten liegt unser Rekord mit der vollgepackten "Moana" eine Welle hinab glitschend. Dass wir im Feld der ARC-Flottille trotzdem recht weit hinten liegen und ganz bestimmt keinen Blumentopf gewinnen werden, stört kaum. Ankommen zählt jetzt. Die Wünsche nach einem kühlen Bier werden stärker.

Moana auf ARC-Kurs

Mareike Guhr auf Kurs Karibik

Die Skipperin

Mareike Guhr, Segelsportjournalistin, Buchautorin und Weltumseglerin, ist zu ihrer nächsten großen Reise gestartet. In diesem Sommer hat sie mit ihrem Katamaran "Moana" das Mittelmeer durchquert und sich auf den Weg zu den Kanaren gemacht. Von Las Palmas di Gran Canaria aus segelt die Hamburgerin derzeit mit Gästen an Bord im Rahmen der Atlantic Rally for Cruisers (ARC) über ihren "Hausozean", wie sie den Atlantik nennt.

Und das nicht nur zum Vergnügen, sondern auch, um sich um ihr Hilfsprojekt zu kümmern. Mit ihrem Verein "Island Child Care" versorgt Guhr Kinder auf Inseln in Drittweltländern, die am besten mit dem Schiff erreichbar sind.

Mehr Infos zum Törn und zum Boot finden sich auf Guhrs Website.

Pascal Schürmann am 11.12.2019

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