Blauwasser
Rallye-Zeit auf dem Atlantik

Am Sonntag startet die Atlantic Rally for Cruisers in die Karibik – die ARC+ hat die Kapverden schon erreicht. Noch zwei weitere Flottillen sind im Aufbruch

  • Kristina Müller
 • Publiziert am 17.11.2021
Eng an eng. Die gemeinsame Atlantiküberquerung ist Kerngedanke der Ozeanrallyes Eng an eng. Die gemeinsame Atlantiküberquerung ist Kerngedanke der Ozeanrallyes Eng an eng. Die gemeinsame Atlantiküberquerung ist Kerngedanke der Ozeanrallyes

World Cruising Club Eng an eng. Die gemeinsame Atlantiküberquerung ist Kerngedanke der Ozeanrallyes

Der Hafen von Las Palmas de Gran Canaria ist voll. Noch fünf Tage bis zum Start. Dann werden, am Sonntagmittag um 12.30 Uhr, die ersten Yachten der Atlantic Rally for Cruisers zum gemeinsamen Törn über den Atlantik starten. Seit der Premiere im Jahr 1986 segelt die Flotte des World Cruising Club gemeinsam in die Karibik. Ihr Ziel heißt St. Lucia.

Knapp 150 Yachten sind es in diesem Jahr, darunter neun unter deutscher Flagge. Paare, Chartercrews, Familien – die Zusammensetzung der Segler ist ebenso bunt gemischt wie die Nationalflaggen am Heck der Schiffe. Zwar kommen die meisten aus Großbritannien, Frankreich und Schweden. Doch auch Eigner vom anderen Ende der Welt, aus Neuseeland oder Australien etwa, nutzen die Rally, um gemeinsam statt einsam die Ozeanüberquerung vorzubereiten.

Üblicherweise besteht diese Vorbereitung an den Stegen von Las Palmas aus buntem Treiben und Präsenzseminaren zu Themen wie Sicherheit auf See, Proviantierung, Kommunikation und vielen weiteren Anliegen, die angehenden Langfahrtseglern unter den Nägeln brennen. In diesem Jahr wurde das Gros der Live-Veranstaltungen jedoch aufgrund der Pandemie ins Virtuelle verlegt: Viele Referenten haben ihre Seminare aufgenommen und als Video zur Verfügung gestellt, welche jede Crew für sich am Laptop im Salon anschauen kann.

In zusätzlichen Live-Seminaren wurden Fragen zu diesen Themen beantwortet. Hilfreich ist das besonders für all jene, die vor ihrer ersten Atlantiküberquerung stehen. Die finden sich unter den Teilnehmern ebenso zahlreich wie „Stammcrews“, für die es beinahe schon zum Ritual geworden ist, regelmäßig mit der Truppe die Leinen zu lösen.

Wo die Butter schmilzt

Die ersten sind sogar schon unterwegs. Bereits am 7. November sind von Gran Canaria aus die knapp 80 Yachten der sogenannten ARC+ losgesegelt. Statt auf direkten Kurs Karibik zu gehen, segelt diese Flottille erst nach Süden, bis sprichwörtlich die Butter zu schmelzen beginnt. Durch den Zwischenstopp in Mindelo auf den Kapverden, der die lange Etappe etwas entzerrt, zieht diese Route auch viele Familiencrews an. 40 Kinder sind in diesem Jahr unter den rund 400 Seglern.

Nach einigen Tagen Aufenthalt heißt es für diesen Teil der Rally schon am Freitag, den 19. November, Segel setzen in Richtung Karibik. Ihr Ziel ist in diesem Jahr Grenada.

500 Jahre später

Niemand anders als Jimmy Cornell, der einst die Atlantic Rally for Cruisers ins Leben rief, zeichnet auch für eine weitere derzeit stattfindende Langfahrt mit Flottillencharakter verantwortlich. Im Herbst sind über 30 Yachten zur gemeinsamen Weltumsegelung mit dem sperrigen Namen "Grand Large Yachting World Odyssey 500" aufgebrochen. Die Terminierung soll an den 500. Jahrestag der ersten Weltumrundung von Ferdinand Magellan und Juan Sebastian Elcano erinnern.

Auch hier gibt es zwei Routenoptionen: eine, die entlang der tropischen Breiten mit dem Passat führt und durch den Panamakanal sowie eine südliche Route, die der historischen Reise über Patagonien entspricht. In Tahiti kreuzen sich die Wege. Von dort soll die Flotte den Rest der Rally gemeinsam bestreiten. Insgesamt soll die Tour um die Welt drei Jahre dauern.

Nach Stopps in den ersten Etappenhäfen La Grande Motte und Sevilla liegen die Yachten nun bereit für den großen Sprung über den Atlantik auf den Kanaren. Ebenfalls am Sonntag, den 21. November, soll es auf Teneriffa losgehen.

Minimalistisch auf große Fahrt

Auch von Lanzarote aus konnte man unlängst eine Gruppe wagemutiger Atlantiküberquerer am Horizont verschwinden sehen – wenn auch eine sehr kleine. Fünf Skipper sind am heutigen Mittwoch aus der Marina Rubicon gestartet, um in selbstgebauten Sperrholz-Knickspantern vom Typ Class Globe 5.80 über den Atlantik zu segeln. Es ist eine Premiere: Die Pläne für das Selbstbauboot wurden erst vor gut eineinhalb Jahren veröffentlicht – es ist nur 5,80 Meter lang.

Sehr wahrscheinlich also, dass die großen Yachten die kleinen bald überholen werden, irgendwo draußen auf dem Atlantik. Erwartet werden alle Schiffe noch vor Weihnachten in der Karibik. Die einen schon sehr bald, die anderen erst später.


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