Havarie

Stahlyacht nach Wassereinbruch auf dem Atlantik aufgegeben

Der Vorfall ereignete sich gut 160 Seemeilen vor A Coruña. Ein Helikopter der spanischen Seenotrettung nahm die Crew auf, ein Video zeigt die Aktion

Kristina Müller am 13.10.2020
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privat/M. Hunsdiek

Die Van de Stadt Norman 40 "Milu", die ihr Eigner für Langfahrt ausgerüstet hatte

Mitte September ist gut 160 Seemeilen nordwestlich von A Coruña an der spanischen Atlantikküste die deutsche Yacht "Milu" mit Heimathafen Düsseldorf aufgegeben worden. Die Crew – der Eigner, seine Lebensgefährtin und ein Mitsegler – wurden von einem Helikopter der spanischen Küstenwache abgeborgen, nachdem sie für die Rettung ins Wasser springen sollten. Die Segler hatte nach einer Kollision in der Nacht zuvor einen Wassereinbruch auf der 13,90 Meter langen Van de Stadt Norman 40 aus Stahl nicht stoppen können.

Eigner und Skipper Michael Hunsdiek schildert die Ereignisse:

"Am 14.09. liefen wir, eine dreiköpfige Besatzung, in Portland/UK aus Richtung Azoren/São Miguel. Das Wetter war gut: raumer Wind mit 3 bis 4 Beaufort. Gesetzt waren Genua und Groß, das Groß wurde durch einen Bullenstander gesichert, da es einige Winddreher gab.

Wir liefen in Richtung Festlandsockel zum Übergang in das Tiefwassergebiet. Wir beobachteten das Wetter mit dem Wetterfax von Furuno, das direkt auf dem Plotter abgebildet wird. Dazu benutzten wir das Analyse-Programm von Bonito: MeteoCom 6 mit eigener Kurzwellenantenne. Beobachtet wurden auch der Barograph, Luft- und Wassertemperatur.

Das Video der spanischen Seenotretter zeigt, wie die Segler von Bord ins Wasser springen, um aus dem Wasser von der Helikopter-Besatzung aufgenommen zu werden

Am 16.09. nahm der Wind stetig zu. Die Wetterinformationen zeigten uns ein starkes Sturmtief bei den Azoren an, das sich zu einem Orkan zu verstärken schien, sowie zwei kleine starke Tiefs direkt dahinter. Ich entschied, den Kurs von 242 Grad, der uns direkt Richtung Sturmtief geführt hätte, auf 175 Grad zu ändern, um die nordspanische Stadt A Coruña anzulaufen. Wir nahmen die Genua weg und refften das Groß ins dritte Reff ein. Der Speed betrug danach immer noch 6,5 Knoten.

Die ‚Milu’ arbeitete sich durch die Kreuzwellen, es war eine stockdunkle Neumondnacht. Es gab ein, zwei Geräusche – es waren dumpfe Geräusche, eventuell durch einen treibenden Container oder etwas anderes, die nicht zu den anderen passten. Wir schauten sofort alle Bilgen nach, aber die waren trocken. Die automatischen Bilgenpumpen standen auf grün.

Morgens um 10 Uhr am 17.09. sprangen die Pumpen an. Die Kontrolle ergab: Wasser in der Bilge. Ich ging nach draußen, um beide Handpumpen zusätzlich zu bedienen. Alle Crewmitglieder waren damit beschäftigt, Wasser nach draußen zu befördern.

Es konnte nicht genau geortet werden, wo es herkam. Nur die grobe Richtung: Steuerbord mittschiffs und Steuerbord achtern. Es gelang uns, den Wasserstand zu senken, aber es dauerte nicht lange, und es lief wieder stark nach. Dazu stieg auch noch die erste automatische Pumpe aus. Sie konnte nicht wieder gestartet werden.

Wir installierten eine Ersatzpumpe, die die ganze Zeit arbeitete. Trotz aller Pumpen wurde das Wasser stetig mehr.

Wir waren zirka 160 Seemeilen von A Coruña entfernt.

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Kristina Müller am 13.10.2020

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