Blauwasser
Sponsor fordert Geld zurück

Bernt Lüchtenborg gerät unter Druck. Offener Brief von Mühle-Glashütte

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 15.12.2009

Der Armband- und Schiffsuhrenhersteller wehrt sich öffentlich gegen Behauptungen des gescheiterten Doppel-Nonstop-Weltumseglers und fühlt sich betrogen. Als Konsequenz fordert man die geflossenen Gelder zurück.

Unterzeichner des Schreibens ist Thilo Mühle, Geschäftsführer der Mühle-Glashütte GmbH — nautische Instrumente und Feinmechanik aus Glashütte in Sachsen. Das Unternehmen ist einer von drei Premium-Sponsoren des Projekts "Sail2Horizons".

In dem Brief wird betont, dass man weder eine zu hohe Erwartungshaltung gegenüber Lüchtenborg aufgebaut, geschweige denn, ihn unter Druck gesetzt zu haben. Genau dies hatte Lüchtenborg in einem Entschuldigungsschreiben an seine Sponsoren als Teil seiner Erklärung für sein Versagen angeführt.

Ähnlich hatte sich der Segler schon zuvor in einem Interview gegenüber der YACHT geäußert, dass in der kommenden Ausgabe erscheint (YACHT 1/2010, ab 23. Dezember im Zeitschriftenhandel).

Nachfolgend der offene Brief von Thilo Mühle an Bernt Lüchtenborg im kompletten Wortlaut:

Guten Tag Herr Lüchtenborg,

die letzten Tage haben wir genutzt, Sachverhalte zu recherchieren und eine eigene Meinung zu finden bezüglich der Neuigkeiten, die uns durch vorab zugesandtes Yacht-Interview erreichten. Ohne auf einzelne Aussagen Bezug zu nehmen, möchten wir als einer der Hauptsponsoren wie folgt Stellung beziehen:

1.
Wir bedauern sehr, dass die Nonstop- Weltumseglung bereits auf der ersten Hälfte gescheitert ist. Das technische k.o. ist bei solch einem Unternehmen ein Teil des kalkulierten Risikos und bedarf daher in keiner Form einer Entschuldigung. Wir freuen uns, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist.
2.
Mühle-Glashütte GmbH nautische Instrumente und Feinmechanik hat keinesfalls eine überzogene Erwartungshaltung aufgebaut, die das dargestellte emotionale Scheitern erklären kann. Wir gehen davon aus, dass dies bei allen anderen Sponsoren ebenso der Fall ist. Wir können uns daher nicht erklären, weshalb wir belogen wurden und das Scheitern des Projektes uns vorenthalten werden sollte. Der frühzeitige erste Landgang hätte auch ein Neustart sein können. Zahlreiche Rekorde werden erst nach mehreren Versuchen erreicht. Ihre Entschuldigung hierzu nehmen wir zur Kenntnis.
3.
In unserem Sponsoring-Vertrag erklären wir gegenseitig, dass das Projekt und Mühle-Glashütte Werte wie Vertrauen, Teamwork, Präzision, Kontinuität und Zuverlässigkeit transportieren, weiterhin wird das Projekt Sail2Horizons definiert als „doppelte Weltumseglung nonstop und einhand“. Das Einschiffen Ihrer Bekannten und die gemeinsame Reise unmittelbar nach dem Start von Deutschland bis in die Kanaren sind für uns Betrug an Öffentlichkeit, Sponsoren und nicht zuletzt an „Licht am Horizont e.V.“, den wir uns nicht erklären können.
4.
Wir fühlen uns dem Projekt „Licht am Horizont e.V.“ mehr denn je verpflichtet. Um das gescheiterte Projekt „Sail2Horizons“ und Sie, Herr Lüchtenborg, von jeglicher Betrugsabsicht freizustellen, schlagen wir Ihnen folgendes vor: Wir erwarten von Ihnen die Rückzahlung des bis jetzt von Nautische Instrumente Mühle-Glashütte an Sie überwiesenen Betrages im Rahmen unseres Sponsorings. Wir werden im Anschluss an diese Rückzahlung einen Teil unverzüglich „Licht am Horizont e.V.“, den anderen Teil ähnlichen Projekten in und um Glashütte/Sa. spenden.
Scheitern ist menschlich. Wir wünschen uns von Ihnen, Herr Lüchtenborg, dass Sie die sich Ihnen bietende Chance, reinen Tisch zu machen, nutzen und Ihnen jedermann die Chance geben wird, Fehler zu korrigieren. Ein erster Anfang ist gemacht, jetzt warten wir auf die nächsten Schritte von Ihnen.

Mit besten Grüßen aus Glashütte

Thilo Mühle


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