ARC-Blog

Sparmaßnahmen

Strom und Wasser sind auf Langfahrtyachten meist knapp, Selbstdisziplin ist gefragt. Doch mit der allein ist es auch nicht getan. Der Blog von Bord der "Moana"

Pascal Schürmann am 12.12.2019
Wasserhahn Pumpe an Bord Wasserdruck 2014 JML_3JML3204
YACHT / J.-M. Liot

ARC-Blog Nr. 10

Wie auf allen Blauwasseryachten zählen auch bei uns das Energiemanagement und der Wasserhaushalt zu den wichtigsten Themen. In der ersten Woche hatten wir tatsächlich ein Energieproblem. Momentan ist es eher ein Wasserproblem. Aber von Anfang an:

Beim Refit von "Mona" habe ich unter anderem ein neues Ladegerät, einen neuen Inverter (Umwandler), teilweise neue Batterien und eine neue Solaranlage installiert. Die Lichtmaschinen sind mit 120 Ampere pro Motor großzügig dimensioniert. Und normalerweise können die Solarzellen die Entnahme ganz gut wieder auffüllen.

Eine Wissenschaft für sich

Nun war es allerdings in den ersten Tagen recht bedeckt, und ich habe etwas zu spät die Lichtmaschinen zur Energiegewinnung dazugenommen. Außerdem hat der sonst wenig genutzte Freezer viel Strom gebraucht. Dadurch waren die Batterien nach zwei Tagen schon etwas beansprucht. 

Trotz meiner mittelmäßigen Elektrikkenntnisse weiß ich aber auch, dass Ladespannung und vor allem -anzeige eine Wissenschaft für sich sind und das dass, was die Anzeige ausspuckt, nicht unbedingt ausschlaggebend ist. War doch die anliegende Spannung immer im grünen Bereich.

Mit der Lichtmaschine das Versäumte wieder aufzuholen ist nicht so einfach, denn die Ladekurve geht teils rasant nach unten. Um also wieder auf ein stabiles Batterielevel zu gelangen, muss lange geladen werden. Wird aber der Diesel ausreichen, um die erforderlichen Ladezeiten zu gewährleisten?

Aufessen hilft Stromsparen

Also haben wir keine Mühe gescheut, um den Freezer leerzufuttern und endlich auszuschalten. Ein Gewinn von fast 7 Ampere! Dazu noch eine längere Sonnenperiode, und nun strahlen die Batterien wieder. Jetzt komme ich mit etwa einer Stunde pro Tag Nachladen per Lichtmaschine wieder hin.

Dafür sind mittlerweile die Wassertanks leer. Auch das war absehbar – 900 Liter Wasser halten nicht ewig. Anfangs waren alle sehr diszipliniert, und der Verbrauch lag bei 50 bis 70 Liter am Tag. Vor allem das Abwaschen von Geschirr und Töpfen verbraucht viel und wurde wassersparend trainiert. Aber dann musste doch mal geduscht werden, das eine oder andere T-Shirt wollte gewaschen werden, und die Idee, dass 900 Liter viel sind, setzte sich fest. Bis sie weg waren.

Dann kam die Sternstunde des neu installierten Wassermachers, eine Entsalzungsanlage, die 60 Liter Süßwasser pro Stunde produziert, aber dabei natürlich auch einiges an Energie verschlingt. Nun also läuft das Maschinchen mindestens eine Stunde pro Tag, um uns zu versorgen. Trotzdem bin ich gestern vom Dauerlauf der Wasserpumpe aufgewacht und habe erneut einen leeren Tank vorgefunden. Also Pumpe ausschalten und Wasser produzieren. Nach einer Stunde die Wasserpumpe wieder anschalten, und sofort rauscht das Wasser wieder durch.

Wo bleibt das ganze Wasser?

Duscht hier gerade einer? Nein, alle lagen gemütlich an Deck oder im Cockpit. Keiner entnahm Wasser. Was ist da los? Wasserpumpe wieder aus, Bilgen kontrollieren nach Lecks im System. Nichts… Grübeln… Wasserzähler in Frage stellen, errechnen, wie viel theoretisch noch da sein müsste. Eigentlich 150 Liter!

Bis einer aus der Crew vorsichtig fragt, ob es eventuell mit der Heckdusche zusammenhängen kann. Na klar! Die war vor ein paar Stunden zum Abspülen der im Atlantik gekühlten Füße verwendet worden. Nach einer kurzen Kontrolle am Heck ist klar: Sie ist nicht richtig ausgeschaltet worden. Das kostbare Nass lief in Strömen. Ein klassischer Killer. Allerdings tritt diese Panne eher auf Badetörns auf, und ich hatte sie daher nicht auf dem Schirm.

Nun läuft wieder alles normal, aber die Lernkurve der Crew ist positiv, denn ein leerer Tank und das Leben nur noch aus Notrations-Flaschen zeigt schnell, wie wichtig es ist, weiter sparsam zu sein.

Die Skipperin

Moana auf ARC-Kurs

Mareike Guhr auf Kurs Karibik

Mareike Guhr, Segelsportjournalistin, Buchautorin und Weltumseglerin, ist zu ihrer nächsten großen Reise gestartet. In diesem Sommer hat sie mit ihrem Katamaran "Moana" das Mittelmeer durchquert und sich auf den Weg zu den Kanaren gemacht. Von Las Palmas di Gran Canaria aus segelt die Hamburgerin derzeit mit Gästen an Bord im Rahmen der Atlantic Rally for Cruisers (ARC) über ihren "Hausozean", wie sie den Atlantik nennt.

Und das nicht nur zum Vergnügen, sondern auch, um sich um ihr Hilfsprojekt zu kümmern. Mit ihrem Verein "Island Child Care" versorgt Guhr Kinder auf Inseln in Drittweltländern, die am besten mit dem Schiff erreichbar sind.

Mehr Infos zum Törn und zum Boot finden sich auf Guhrs Website.

Pascal Schürmann am 12.12.2019

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