Weltumsegler

Spannendes Verfolgerduell auf dem Atlantik

Van Den Heede oder Slats – wer gewinnt das Golden Globe Race? Zweieinhalb Wochen vor dem Finish holt der Verfolger auf. Außerdem: Wo die anderen Solisten stehen

Pascal Schürmann am 08.01.2019
Van den Heede
C. Favreau/GGR 2018

Jean-Luc Van Den Heede

Der Vorsprung schmilzt. Nur noch knapp 360 Seemeilen trennen den Führenden des Golden Globe Race, den Franzosen Jean-Luc Van Den Heede, von seinem ärgsten Konkurrenten, dem Niederländer Mark Slats. Ein Grund für das aktuell drastische Zusammenschrumpfen des vor Wochen noch komfortablen Vorsprungs: Van Den Heede absolvierte dieser Tage seine 18-stündige Zeitstrafe.

Die hatte er vom Veranstalter aufgebrummt bekommen, weil er in den Tagen, als ihm nach einer Kenterung der Riggverlust drohte, das Satelliten-Telefon für Gespräche mit Externen benutzt hatte. Das Telefon ist laut Reglement aber nur für die Kommunikation zwischen Rennleitung und Skipper vorgesehen.

Außerdem parkt er auf halbem Weg zwischen den Kapverden und den Kanaren gerade in einer Flaute ein, die ihn wohl noch bis morgen festhalten wird. Sein Boots-Speed sank heute Morgen auf 3,2 Knoten. Und auch, wenn er danach wieder mehr Wind bekommt, kann er aufgrund seines geschwächten Riggs nur mit halber Kraft dem Ziel entgegensegeln.  

Slats drückt auf die Tube

Slats hingegen prescht derzeit unverdrossen nordwärts. Er wird in den kommenden Stunden die Kapverden an Steuerbord lassen. Sein aktueller Boots-Spped heute Morgen betrug 5,7 Knoten. Es dürfte also knapp werden zwischen den beiden Einhandseglern, auch wenn auf dem Papier momentan Van Den Heede Les Sables d'Olonne mit etwas mehr als drei Tagen Vorsprung erreicht.

Slats

Mark Slats

Die übrigen Golden-Globe-Teilnehmer haben mit dem Sieg nichts zu tun; sie segeln den Führenden weit abgeschlagen hinterher. Uku Randmaa und Istvan Kopar befinden sich im Südatlantik, Tapio Lehtinen hat noch etliche Meilen bis Kap Hoorn vor dem Bug. Alle anderen sind ausgeschieden beziehungsweise segeln in der sogenannten Chichester-Wertung (Um die Welt mit einem Stopp).

Huglo

Pierre-André Huglo

Als zweiter Teilnehmer der Longue Route, der nicht-kommerziellen und weitestgehend regelfreien Gegenveranstaltung zum Golden Globe Race, hat Pierre-André Huglo das Hoorn gerundet und befindet sich nun im Südatlantik auf Nordkurs. Anders als die deutsche Einhand-Nonstop-Seglerin Susanne Huber-Curphey hat der Franzose augenscheinlich vor, seine Weltumsegelung in der Heimat zu beenden, sprich, an der französischen Atlantikküste.

Huber-Curphey in Moitessiers Kielwasser

Huber-Curphey hatte das Kap Hoorn schon vor einigen Tagen gerundet und dann zur Überraschung aller verkündet, dass sie das Motto der Longue Route ernst nehmen werde und statt nach Norden weiter nach Osten gen Indik und Pazifik segeln werde. Sie hat inzwischen Südafrika passiert.

Trans Ocean Treffen 2011

Susanne Huber-Curphey beim Trans-Ocean-Treffen 2011

Der noch vor dem Rennen tragisch auf See ums Leben gekommene Initiator der Longue Route hatte alle Teilnehmer aufgefordert, im Geiste der großen französischen Legende Bernard Moitessier zu segeln. Der hatte vor 50 Jahren beim ersten Golden Globe in Führung liegend den sicheren Sieg seinem Konkurrenten Robin Knox-Johnston überlassen und sich im Südatlantik entschieden, statt nach Hause in die Südsee zu segeln – um dort sein altes Leben hinter sich zu lassen.

Huber-Curphey tut es ihm nun also nach. Ob auch sie am Ende tatsächlich erst in Tahiti wieder Land betreten wird, darüber schweigt sich die Skipperin allerdings noch aus. Auch, ob ihr Mann Tony Curphey ihr folgt, der ebenfalls mit eigenem Boot an der Longue Route teilnimmt und derzeit einige tausend Meilen hinter seiner Gattin segelt, ist ungewiss.

Soloweltumseglerin

Jeanne Socrates auf ihrer Najad 380 "Nereida"

Ein paar hundert Seemeilen hinter ihr kämpft sich derzeit die Britin Jeanne Socrates durch den Südatlantik. Die mehrmalige Weltumseglerin will ein zweites Mal nonstop um den Globus. Gelingt ihr das, wäre sie der älteste Mensch, dem das bislang gelungen ist.

Socrates jagd den "Ältestenrekord"

Ihre Chancen stehen nicht schlecht. Zumal ihr direkter Alters-Konkurrent Stanley Paris seinen inzwischen vierten Versuch nach ein paar Tagen auf See erneut infolge zahlreicher technischer Probleme auf seiner bei der deutschen Knierim-Werft gebauten "Kiwi Spirit II" abgebrochen hat und zum Starthafen an der Küste Floridas zurückgekehrt ist. 

Stanley Paris

Stanley Paris

Einen fünften Versuch scheint er nun auch nicht zu planen. Vielmehr will er in seine alte Heimat Neuseeland zurückkehren und sich der Restauration eines alten Weinguts widmen. 

Ein paar hundert Meilen vor Susanne Huber-Curphey, etwa auf Höhe der Iles de Crozet, segelt der US-Amerikaner Randall Reeves. Mit Clark Stedes altem Schiff, der "Asma", die Reeves in "Moli" umgetauft hatte, will er nonstop eine Acht um die Antarktis und ganz Amerika absolvieren. Auch für ihn ist es der zweite Versuch.

Reeves am Kap Hoorn

Randall Reeves am Kap Hoorn

Last but not least hat die Polin Asia Pajkowska inzwischen Neuseeland passiert. Nun liegt als Nächstes der Pazifik vor ihr. Auch sie ist mit einem aus deutscher Sicht nicht unbekannten Schiff unterwegs, der "FanFan!". Das ist das Schiff, mit dem Uwe Röttgering vor Jahren bereits die Welt umsegelt hatte. Anders als seinerzeit Röttgering will Pajkowska allerdings nonstop um die Welt. Die beiden kennen sich gut; gemeinsam hatten sie das letzte, von heftigen Stürmen gebeutelte Twostar über den Nordatlantik gemeistert.

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Pascal Schürmann am 08.01.2019

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