Flüchtlinge

Segler motoren für Flüchtlinge

Die private Initiative Sea Watch, die mit Sponsorengeld Boote zur Rettung von Flüchtlingen finanziert, stellt ihr zweites Schiff in Dienst

Andreas Fritsch am 18.03.2016
Sea Watch

Die "Sea Watch II" bei der Ankunft zur Taufe in Hamburg

Ein 1968 in Großbritannien gebauter Trawler wurde in Hamburg umgebaut, umgetauft und unter niederländische Flagge gestellt. Das Schiff wird im Auftrag des gleichnamigen Vereins Sea Watch e. V. im Seegebiet zwischen Afrika und Italien operieren, wo 2016 wieder mit zahlreichen Schiffbrüchigen zu rechnen ist. Ein kleineres Sea-Watch-Boot ist bereits seit 2015 zusätzlich im türkisch-griechischen Grenzgebiet unterwegs.

"Mit anderen privaten Organisationen versuchen wir, die nicht ausreichende Seenotrettung auszugleichen. Wir suchen aktiv nach Schiffbrüchigen", sagt Mitinitiator Ingo Werth. Schon 2015 hat der Verein mit einem kleineren Schiff über 2000 schiffbrüchigen Flüchtlingen das Leben gerettet, die in nicht hochseetauglichen, inkompetent geführten und gefährlich überladenen Wasserfahrzeugen unterwegs waren. Das SAR-Prinzip überzeugte auch viele Spender, die einen Ausbau des Projektes finanzierten.

Die "Sea Watch II" wird die Flüchtlinge nicht transportieren. Mediziner leisten Erste Hilfe, Nautiker bringen nötigenfalls Rettungsfloße aus und fungieren als Mayday-Relais fürs MRCC Rom. Die wechselnden Besatzungen werden aus Freiwilligen zusammengestellt. Noch im März wird die "Sea-Watch II" über 2800 Seemeilen mit nur einem Stopp nach Malta gebracht. Die Überführungscrew besteht größtenteils aus passionierten Hochseeseglern. Skipper ist der Abenteurer und Philantrop Reinhard Schmitz, 63, der mit Polarexpeditionen auf seiner Yacht "Pagan" bekannt wurde. Damals segelte er entlang der Packeisgrenze. "Grenzen ziehen mich magisch an", so Schmitz. Und: "Das Mittelmeer ist keine Grenze, sondern eine Brücke. Es darf kein Todesstreifen werden."

Die Taufe findet um 12.30 Uhr am Sandtorkai in der Hamburger Hafencity statt, Besucher sind willkommen, anschließend kann das Schiff besichtigt werden.

Andreas Fritsch am 18.03.2016

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