Bürokratie
Segelsport in der Hauptstadt bedroht

Berliner Vereine benötigen für Steganlagen behördliche Betriebserlaubnisse und wenden sich nun in einer Petition gegen zu strenge Auflagen

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 01.12.2016

Sören Hese Folkeboote auf der Havel. Foto von Sören Hese ( www.sailpower.de )

Der Spandauer Yacht-Club (SpYC) hat den Vorgang unter dem Titel Betriebserlaubnis Steganlage jetzt vollständig ins Netz gestellt. Zu lesen ist dort neben einem Referenzurteil und der Stellungnahme aus der Politik auch der vollständige Schriftwechsel mit der Behörde die dafür zuständig ist, den Betrieb der Steganlage des Segelvereins – sofern diese den amtlichen Auflagen entspricht – zu genehmigen.

Über diese Auflagen schütteln jetzt nicht nur die Mitglieder des SpYC so heftig den Kopf, dass ein Schleudertrauma drohen könnte. In einem Schreiben heißt es: "De facto kommt das Verbot jeglicher Infrastruktur auf den Stegen verbunden mit der Untersagung der Selbstversorgung von Strom auf den Booten (z.B. mittels Solarkollektoren) einem Verbot von Kajütbooten gleich. Angedrohte Ordnungswidrigkeitsverfahren richten sich direkt an den Verein, d.h. an den Vorsitzenden bzw. weitere geschäftsführende Vorstandsmitglieder."

Nun bittet sogar der Berliner Segler-Verband überregional um Mithilfe. In einem Aufruf bittet der Verband um schriftliche Eingaben an das Bezirksamt Spandau:

"Da nunmehr dem SpYC am 28. November 2016 eine Frist bis zum 12.12.2016 für die Anhörung gesetzt worden ist, fordert der Berliner Segler-Verband alle Segler(innen) auf, ihren Unmut, ihre Kritik, Ihre Einwände und Anmerkungen zu dieser in unseren Augen völlig überzogenen und jegliches Augenmaß vermissenden verwaltungswillkürlichen Maßnahme an das

Bezirksamt Spandau von Berlin
Herrn Holger Pipper
Carl-Schurz-Straße 2/6
13597 Berlin
zu schicken

(alternativ 13578 Berlin (Postfach, ohne Str.).

Beziehen Sie sich auf folgendes Aktenzeichen: AZ 6795/07-042-Sch-20

Erfahrungsgemäß sind schriftliche Eingaben wirkungsvoller als E-Mails, eine E-Mail hingegen ist besser als gar keine Äußerung (holger.pipper@ba-spandau.berlin.de ). Bitten Sie um eine Beantwortung Ihres Schreibens! Es wird nicht reichen, wenn sich lediglich die Vereinsvorstände an das Bezirksamt wenden. Hier sind alle Berliner Segler gefordert, denn wenn diese Auflagen zur Regel werden, wird sich die Berliner Segelsportszene dramatisch verändern. Ein Großteil der Segelvereine würde Einschnitte dieser Art in dem seit teilweise über 100 Jahre praktizierten Wassersport in Berlin nicht überleben können.

Der BSV gibt Ihnen keine vorgefertigten Schreiben an die Hand, da eine Verhinderung von wenigen Hausbooten durch eine Untersagung der Infrastruktur für alle ca. 15.000 bis 20.000 Kajütmotor- und Segelboote von derart geringem Sachverstand kündet, dass jeder Seglerin, jedem Segler, zahlreiche eigene Argumente gegen diese Auflagen einfallen werden.

Der Berliner Segler-Verband erhofft und erwartet einen Protest unserer Berliner Segler-Gemeinde, der den der Müggelsee-Anhörung um ein Vielfaches übertrifft. Bedenken Sie die Frist vom 12.12.2016 !!!
Parallel zu den Einwänden und Äußerungen der Berliner Wassersportler wird sich der Berliner Segler-Verband an alle anderen betroffenen Verbände und Vereinigungen sowie die Berliner Presse wenden.

Die Vereinsvorstände bitten wir, diesen Aufruf schnellstmöglich allen Mitgliedern zukommen zu lassen!

Über die weitere Entwicklung halten wir Sie auf dem Laufenden. Vielen Dank für Ihre Mitarbeit!

Reiner Quandt, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit
Berliner Segler-Verband"


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