Nachruf

Segelpionierin Elga Koch ist gestorben

Eine Weltumseglerin der ersten Stunde ist von uns gegangen. Für Tausende Segler steckte das Ehepaar Koch den Kurs rund um die Welt

Holger Peterson am 03.04.2014
Elga Koch an der Pinne der "Kairos"

Elga Koch an der Pinne der "Kairos"

Nach Rollo Gebhard ist nun auch eine Pionierin der Weltumsegler von uns gegangen. Elga Koch ist tot. Nach einem Brand in ihrem Haus auf der kanarischen Insel La Palma erlag sie am 1. April im Krankenhaus ihren schweren Verbrennungen. Das teilte uns Federico Ulrich mit, Stützpunktleiter von Trans Ocean. Er und seine Frau Rolande gehörten zu den besten Freunden von Elga Koch. Am 28. März verbrachten sie ihren letzten Abend zusammen. Weil der Airport wegen eines Sturms geschlossen war, konnten die Kriminalbeamten von Teneriffa erst am 2. April einfliegen. Die Brandursache ist noch unklar.

YACHT-Autor Holger Peterson führte im November 2012 ein Interview mit der Grande Dame der Fahrtensegler. Herzlich wurde er von ihr begrüßt. Vier Tage verbrachten sie zusammen in Elga Kochs Haus über der Bananenplantage; stets ging ihr Blick weit über den Atlantik gen Westen, wohin sie einst mit ihrem Mann segelte. Obwohl sie so lange im Ausland lebte, hatte sie ihren Hamburger Dialekt noch nicht verloren. Interessiert las sie den Sonderteil der YACHT-Ausgabe über die Alster, wo sie zu Kriegszeiten mit Jollen unterwegs gewesen war. Und wer hätte gedacht, dass sie im TV noch immer das Hamburg-Journal ansah und Anteil am Leben ihrer Heimatstadt nahm?

Das Interview veröffentlichten wir in Ausgabe 19/2013, das Porträt ihres legendären Bootes "Kairos" in Ausgabe 20/2013.

Elga und Ernst-Jürgen Koch waren die Pioniere der deutschen "Weltumseglerpärchen". Mit ihrer Neun-Meter-Stahlslup "Kairos I" waren sie von 1964 bis 1967 auf der Passatroute unterwegs. Allein ihr erstes Buch der Kairos-Trilogie, "Hundeleben in Herrlichkeit", wurde bis zur achten Auflage gedruckt. Es ist eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Segelbücher aller Zeiten. Generationen von Seglern haben erstmals von der Machbarkeit von Langfahrten in kleinen Booten erfahren. Tausende folgten ihrem Kielwasser.

Lange vor den Emanzipationsgedanken der 68er-Bewegung führte dieses Paar ein gleichberechtigtes Seglerleben an der Pinne. Entgegen allen Regeln damaliger Seefahrt hatte "Kairos" einen Kapitän und eine "Kapitänin". Motivation durch Teilen von Verantwortung. Eben darin lag der Schlüssel zum Erfolg.

Während ihrer ersten Weltumsegelung erlebten sie noch die unter Kolonialverwaltung stehenden karibischen Inseln in der Art, wie sie der Schriftsteller Ernest Hemingway nur wenige Jahre zuvor beschrieben hatte. Ihre Berichte über die heute so häufig besegelte Passatroute waren damals neu.

Beweisen wollten sie nichts. Auch keine Umrundung von Kap Hoorn – eher waren es Reisen zu sich selbst. Leicht machten sie es sich nicht. Ihre Boote: stark gebaut, aber spartanisch ausgestattet. Warum verzichteten sie auf eine Selbststeueranlage? Wer macht sich heutzutage eine Vorstellung davon, wie es ist, bei meterhohen Wellen über 20 Minuten Sextantenmessungen mit Logarithmen zu berechnen, weil es noch nicht mal HO-Tafeln gab? Bobby Schenk – ein Freund der Kochs – hatte seinen Navigationscomputer zur Eingabe von Sextantenmessungen noch nicht erfunden. Vage Positionen, Stromdreiecke, Consol-Funkpeilungen per Kofferradio – wie bewältigten sie diese Herausforderungen?

Das Haus der Kochs auf La Palma

Das Haus der Kochs auf La Palma

1978 verließen sie auf der komfortableren 16-Meter-Ketsch "Kairos II" ihre Heimatstadt Hamburg für immer mit dem Ziel, einen Altersruhesitz in ewigem Frühling irgendwo am Meer zu finden. Zwei bemerkenswerte Bücher über Venezuela, die karibischen Inseln, den Intercoastal Waterway und eine USA-Reise per VW-Bus folgten. Auf der Kanareninsel La Palma oberhalb der Marina von Tazacorte ließen sie sich 1985 nieder.

Ernst-Jürgen Koch starb im November 2003 im Alter von 80 Jahren. Elga Koch wurde 85 Jahre alt – eine globale Zeitzeugin und begnadete Navigatorin.

Wie keine anderen fügten die Kochs philosophische Betrachtungen in Reiseberichte ein. Im letzten Buch "Paradies im Stundenglas" verabschiedeten sie sich von der Seglerwelt mit zwei Worten: "Lebt wohl".

An dieser Stelle ein letzter Auszug:
"Der Wind fällt in die Segel. Das Schiff nimmt Fahrt auf. Es zieht mit schäumender Bugwelle in die Ungewissheit der See. Ich möchte zurück in die schützende Bucht. Aber wenn ich bleibe und nicht versuche, meine Träume zu verwirklichen, ich wäre besser in Hamburg geblieben."
 

Holger Peterson am 03.04.2014

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