Nachruf

Segelgigant Lowell North ist tot

Der Gründer der größten Segelmacherei der Welt und einer der erfolgreichsten Starbootsegler aller Zeiten ist in Kalifornien im Alter von 89 Jahren verstorben

Fridtjof Gunkel am 04.06.2019
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siehe Vermerk

Lowell North auf seinem Starboot

North war einer der ganz Großen des Sports. Seine steile Karriere begann mit 14 Jahren und einem letzten Platz in einer regionalen Starbootregatta. Das Ergebnis spornte ihn zu Verbesserungen an, er verpasste dem Großsegel seines Stars einen Recut und segelte daraufhin erfolgreich. Im Jahr darauf fragte ihn der ebenfalls begnadete Jungsegler Malin Burnham, ob er nicht bei ihm als Vorschoter mitsegeln mochte. Sie gewannen die Weltmeisterschaft – mit den von North überarbeiteten Segeln als die jüngsten Weltmeister aller Zeiten mit 17 und 15 Jahren.

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Lowell North im Ruhestand in Point Loma/Kalifornien, wo seine Karriere begann

Das olympische Starboot wurde sein großes Thema. Vier Weltmeisterschaften gewann er an der Pinne, dazu fünf Vizeweltmeistertitel und eine olympische Goldmedaille. Hinzu kamen eine Bronzemedaille im Drachen und unzählige weitere Titel. 

Der experimentier- und risikofreudige North wuchs in einer Zeit auf, als Dacron Baumwolle ablöste und in der das Design von Segeln Kunst, nicht Wissenschaft war. Als studierter Ingenieur änderte er dies. Eine Anekdote berichtet von den ersten Windkanalversuchen mit Segeln: Auf dem Weg per Auto von Kalifornien zu einem weiteren Loft nahm North Tuchproben mit und spannte diese an der Antenne seines Wagens auf, um das Alterung des Tuchs im Fahrtwind zu testen.1958 eröffnete er seinen ersten Loft, in San Diego. Ein Erfolgsrezept war, andere Spitzensegler an sich zu binden, sei es als Designer, Verkäufer oder Servicetechniker – ein Firmencredo, das North Sails bis heute zum Erfolg verhilft. 

Volvo Ocean Race 2014 - Team SCA

Volvo Ocean Racer 65: North Sails steht für Spitzensport und Hochtechnologie

1984 verkaufte North seine weltweit agierende Gruppe an den Geschäftsmann Terry Kohler, der dann neben einem wissenschaftlichen einen industriellen Ansatz verfolgte und mit dem 3D-Verfahren die Segelfertigung revolutionierte; sie führte zur heute weit verbreiteten Membran-Technik. Seit 2014 liegt North Sails in den Händen des Investmentfonds Oakley Capital in England. Der Segelmacherverbund gehört zur North Technology Group, dem Southern und Halls Spars, Magic Marine, North-Sails-Bekleidung, North-Segeltuch und North-Kiteboarding und mit North Thin Ply auch eine branchenferne Hochtechnologie zur Herstellung von leichten ultrafesten Teilen für Rennsport und Raumfahrt angehören.

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Mit 3Di Nordac bedient die Gruppe auch Fahrtensegler

Lowell North selbst zog sich zurück und segelte weiterhin Regatten, entdeckte aber auch das Fahrtensegeln, nachdem er seine "Sleeper" vom One Ton Cup in der Bretagne eigenhändig in die Staaten überführte, wobei er seine eigentliche Passion nicht verbergen konnte. Mitten auf dem flauen Atlantik juckte es ihn, schneller und besser zu segeln: Er wechselte kurzerhand das Überführungsgroßsegel aus schwerem Dacron gegen die kostspieligen Regattasegel aus Kevlar. 

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Fridtjof Gunkel am 04.06.2019

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