ARC 2010

Seemannssonntag auf "Schlacker-Shaka"

YACHT-Autor Matthias Beilken berichtet von Bord der "Shaka", einer Swan 46 auf dem Weg in die Karibik

Pascal Schürmann am 03.12.2010

Swan 46 "Shaka"

Der Motor radaddelt. Das ist okay, denn die ARC ist eine Rally, auf der man üblicher- und sinnigerweise durch Flauten motort. Die vergangenen Tage waren nicht einfach und geprägt von holperiger Gangart wegen Gegenwinden und Flauten. Und immer wieder gings im großen Bogen weiter nach Süden. Dies wird wohl die längste ARC der Geschichte.

Mittlerweile haben die meisten Boote die Breite der Kapverden passiert und der eigentliche Trek gen Westen beginnt - für uns nach über zehn Tagen auf See, schlackernd, bei schwachem "Passat". Viele Boote "parken" auf den afrikanischen Inseln.

Skipperin Mareike Guhr sorgt sich um ihre "Schlacker-Shaka" und flitzt
zwischen Cockpit, Navi und Watermaker hin und her. Flaute oder nicht, "ein
Tag ohne Schraubenzieher ist ein verlorener Tag." Und den täglichen Grib
Dateien von Meeno Schraders Wetterwelt in Kiel, dass oben im Norden weiterhin Sauwetter herrscht - unsere kroatischen Fereunde auf der Beneteau 57 "Dora" werden wohl den Sonderpreis für die ruppigste Anreise nach Saint Lucia kassieren.

Aus der Heimat erreichen uns derweil mehr oder weniger stark persönlich
und subjektiv gefärbte Wettermeldungen. Kirstin vermeldet 45 Zentimeter
Schnee aus Leipzig. Außerdem lesen wir von Schneechaos an der Schlei oder
in Hamburg. Schwer zu begreifen, dass zuhause die Zeit der
Weihnachtsmärkte angebrochen ist.

YACHT-Autor Matthias Beilken

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist noch, dass Yvonne aus der Schweiz einen Adventskalender ans Schott gehängt und bereits zwei Türchen geöffnet hat, das hilft der Erinnerung auf die Sprünge. Und weil das ARC eine höchst britische Erfindung ist (Holger drängt auf Einhaltung ordentlicher Tea-Time-Zeiten) schickt Veranstaltungs-Meteorologe Chris Tibbs von World Cruising, der sich mitsamt ARC-Stab nach England zurückgezogen hat, aus Ulk die letzte verstörende Wettermeldung des Tages: Cowes/Isle of Wight Fünf Zentimeter Schnee und minus zwei Grad Lufttemperatur.

Es gibt wenig langweiligeres, als vom Menüplan eines Boots auf See zu
berichten. Nichtsdesdotrotz, weil heute Donnerstag und der traditionsgemäß
Seemanssonntag ist. Einer alten Seglerfreundschaft aus Blue-Race-Zeiten
("Maiden") ist geschuldet, dass uns Freund und damaliger Mitsegler Andreas
Brückner einen ganzen Sack gefriergetrockneter Nahrung spendiert hat,
dessen Inhalt wir jetzt testen - quasi als Versuchskananichen.

Und testen und testen. Heißt essen, essen. Heute waren pulverisierte
Kartoffelpuffer an der Reihe (die auf Hochdeutsch wohl "Reibekuchen"
heißen). Von daher ist Freund Brückner wohl dafür verantwortlich, dass
"Shaka" heute zeitweise zu einer "Pufferzone" wurde.

Lese-Tipp:
YACHT-Redakteure waren schon 1986 bei der allerersten ARC dabei. Damals wurden die bereits über 200 Teilnehmercrews von einem außerordentlich heftigen Passat gebeutelt. Und navigiert wurde noch auf vielen Schiffen mit dem Sextanten. Wir haben die packende Reportage über das Rennen kostenlos als Download bereitgestellt — eine lohnende Lektüre!

Außerdem: Dramen, Tragödien, spektakuläre Rettungsaktionen auf hoher See und Glücksmomente bei der Ankunft in der Karibik aus 25 Jahren ARC jetzt in der aktuellen Ausgabe der YACHT (Heft 24/2010, überall im gut sortierten Zeitschriftenhandel erhältlich).

Pascal Schürmann am 03.12.2010

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