Rekordversuch

Sedlacek auf dem Weg zur Nordwestpassage

Der 56-jährige Österreicher ist mit seinem aus Vulkanfaser selbstgebauten Open 60 zur Weltumsegelung um Amerika und Antarktis gestartet.

Johannes Erdmann am 30.07.2018
"Innovation Yachts" beim Start zur Weltumsegelung.
Ant Arctic Lab

"Innovation Yachts" beim Start zur Weltumsegelung

Pünktlich wie die Wiener Straßenbahn legte der österreichische Extremsegler (und Ex-Tramfahrer …) Norbert Sedlacek Koch gestern Vormittag in Les Sables d'Olonne ab – um genau dorthin wieder zurückzusegeln. Allerdings mit einer 34.000 Seemeilen langen Schleife rund um den amerikanischen Kontinent und die Antarktis. 

Norbert Sedlacek Koch bei der Verabschiedung in Les Sables d'Olonne

Norbert Sedlacek Koch bei der Verabschiedung in Les Sables d'Olonne

Warum? – "einfach, weil es noch keiner gemacht hat", gab Sedlacek beim Besuch der YACHT im vergangenen Monat zur Antwort. Die Route ist ungewöhnlich – wie das Boot auch: Sedlacek segelt mit einem von seiner Frau Marion konstruierten und von ihm und seinem Team selbstgebauten Open 60 aus Vulkanfaser. Das Material, gewonnen aus erstarrter und wieder geschmolzener Magma, hat es ihm angetan: Verklebt mit einem speziellen, gesundheitsunschädlichen, biologisch abbaubaren und damit recycelbarem Exoxidharz lässt sich das 18,30 Meter lange und 5,80 Meter breite Schiff im Gegensatz zu den anderen Open 60s zu gegebener Zeit schreddern und zu Ausbauplatten weiterverarbeiten.

Sedlaceks geplante Route um die Welt

Sedlaceks geplante Route um die Welt

Obwohl gleichlang und optisch ähnlich gezeichnet, ist das nach der eigens gegründeten Werft "Innovation Yachts" benannte Schiff jedoch kein "richtiger", in die Imoca-Klasse hinein gezeichneter Open 60, der an einer Vendée Globe teilnehmen könnte; viele Detaillösungen sind aus Kostengründen vereinfacht worden. Aber dennoch ist es beeindruckend, was der Tausendsassa Sedlacek mit seinem Team da auf die Beine gestellt hat. Ein ausführliches Porträt des Schiffs lesen Sie übrigens in der aktuellen YACHT 16/2018 – erhältlich an jedem Kiosk oder online auf www.delius-klasing.de.

Nach dem geglückten Start in Frankreich nimmt Sedlacek nun Kurs auf Grönland und die Baffin Bay; dort erst wird sich zeigen, ob die Eissituation eine Passage zulässt oder ob der Skipper auf eine Lücke warten muss. Nach Durchfahren der Nordwestpassage plant Sedlacek dann, an der Westküste des amerikanischen Kontinents hinunter nach Kap Hoorn zu segeln und dort Kurs Ost anzulegen, um die Antarktis zu umrunden – so, wie es ihm im Jahr 2000/01 mit dem Projekt "Icelimit" und 2008/09 im Rahmen der Vendée Globe bereits zweimal gelungen ist. Nach dem zweiten Passieren von Kap Hoorn wird Sedlacek dann Kurs Nord zurück nach Frankreich segeln. 

Tracker der "Innovation Yachts"

Tracker der "Innovation Yachts"

Die "Innovation Yachts" kann auf einem Yellow-Brick-Tracker verfolgt werden. Die Position wird alle sechs Stunden aktualisiert. Laut letzter Positionsmeldung dürfte sich Norbert Sedlacek angesichts des auf ihn zurauschenden Tiefdruckgebiets wohl auch demnächst auf die erste Bewährungsprobe seines Schiffs einstellen.

Weitere Infos zum Projekt auf www.ant-arctic-lab.com.

Johannes Erdmann am 30.07.2018

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