Solo-Weltumsegler

Schweren Herzens zum Zwischenstopp

Wie Wilfried Erdmann gegen den Wind, solo und nonstop um die Welt. Das war Glenn Wakefields Plan. Doch jetzt muss er an die Boxen

Dieter Loibner am 29.12.2013
Solo-Weltumsegler

Wakefield bem Ablegen am 2. September

Wilfried Erdmann

Inspirator und Motivator Wilfried Erdmann, dessen Reise Wakefield zum Vorbild nahm

Glenn Wakefield, 63, ein Bauunternehmer aus Victoria in der kanadischen Provinz Britisch-Kolumbien, gilt als erfahrener Blauwassersegler. Mit einem 26-Fuß-Boot segelte er einmal quer über den Pazifik von Kanada nach Neuseeland, einen Teil davon mit Familie. Er wollte aber immer schon mal um die Welt. Am besten, so dachte er, allein und nonstop. Aber gegen den Wind, so wie Erdmann dunnemals. Dessen Buch "Allein gegen den Wind” ließ sich Wakefield von einem deutschen Freund übersetzen, zur Inspiration. Es war ihm ernst und ließ sich auch von einem Herzinfarkt nicht bremsen. Im Herbst 2007 legte er ab mit „Kim Chow", einer Choy Lee 40, die er selbst in Form gebracht hatte. 

Er war spät dran, doch es lief gut, und im April 2008 war er den Falklandinseln nahe. Dort wollte er eigentlich nicht hin, doch er wollte neue Herzpillen bunkern, weil er seinen Bestand irrtümlich über Bord gespült hatte. Der Umweg wurde ihm allerdings zum Verhängnis, denn er geriet in einen Sturm, der die „Kim Chow” so schwer beschädigte, dass er sich abbergen lasen musste. Doch er ließ nicht locker und kaufte sich übers Internet wieder ein Schiff: „West Wind II”, eine 13 Meter lange Chris Craft Comanche, ein seltenes Design von Sparkman & Stephens, Baujahr 1969. Wieder renovierte er das Boot in Tausenden Arbeitsstunden eigenhändig, und am 2. September warf er erneut die Leinen los. Ohne Geldsponsoren, aber mit großen Hoffnungen, sich dieses Mal den Lebenstraum zu erfüllen.

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Glenn Wakefield und „West Wind II" beim Start in Victoria

Die Reise verlief planmäßig, und nach 116 Tagen hatte er fast die Hälfte der rund 27.000 Seemeilen langen Strecke hinter sich. Doch Admiral Murphy war wieder mit an Bord. Bei einer Routineuntersuchung des stehenden Guts stellte Wakefield vor wenigen Tagen Schäden an den Steuerbordwanten fest. „Beide Unterwanten hatten gebrochene Litzen unmittelbar über den unteren Walzterminals”, erklärte Wakefield via E-Mail gegenüber YACHT online. „Die Ursache könnte in der Stampfbewegung während der langen Schläge auf Backbordbug liegen”, fügte er noch hinzu. 

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"West Wind II"

Diese Erkenntnis traf ihn wie ein Keulenschlag. „Mir wurde klar, dass (der Schaden) repariert werden musste, bevor ich weitersegeln kann”, schrieb Wakefield, für den damit der Traum von der Nonstop-Passage platzte. Denn er wusste: Weder das Kap der Guten Hoffnung noch Kap Hoorn dulden schwache Boote. Wakefield hatte bisher oft mit flauen Bedingungen bei hohem Seegang zu kämpfen und musste häufig Segel wegnehmen, um das Rigg zu entlasten. Ob Korrosion bei den beschädigten Drähten eine Rolle spielte oder das Alter der Wanten, die vor der Abfahrt nicht getauscht wurden, sind Fragen, die erst an Land nach Prüfung durch einen Fachmann beantwortet werden können. 

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Wakefields Position im südlichen Indik

Land ist noch rund 1.500 Meilen entfernt. Unter stark reduzierter Segelfläche verholt sich Wakefield vorerst nach Süden, um in den Westwindgürtel zu kommen, bevor er Bunbury an der australischen Westküste ansteuert. Wie und ob er weitermachen wird, ist derzeit nicht geklärt, denn er muss die Wettersituation vor Kap Hoorn berücksichtigen, das er noch vor den Winterstürmen runden will. 

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Dieter Loibner am 29.12.2013

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