Bürokratie
Schlei bald Gewässer dritter Klasse?

Am Ostseefjord geht die Furcht vor einer Herabstufung der Bundeswasserstraße um. Es drohen weitreichende Einschränkungen der Befahrbarkeit

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 13.08.2013

Nico Krauss Brücke bei Lindaunis. In der Saison liefern Ausflugsdampfer und Sportboote hier stündlich ein buntes Treiben. Geht es nach den Plänen des Bundesverkehrsministeriums, könnte sich das bald ändern

Im Rahmen einer Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes wurde bereits Mitte vergangenen Jahres die Kategorisierung der Bundeswasserstraßen beschlossen . Das zugrundeliegende Konzept fußt auf dem "5. Bericht zur Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung" des zuständigen Fachreferats unter Leitung von Staatssekretär Scheuerle.

Im Anhang der 43-seitigen Schrift befindet sich die der Reform zugrundeliegende Kategorisierung des See- und Binnenwasserstraßennetzes . Danach sind alle Wasserstraßen des Bundes künftig unterteilt in die Kategorien A (hohes Verkehrsaufkommen, hohe Einnahmen) bis C. Je nach Einstufung sollen diese Bundeswasserstraßen weiterhin vor- oder nachrangig vom Bund verwaltet werden. Damit verbunden ist beispielsweise der kostenintensive Erhalt von Betonnung, Hafenanlagen, Schleusen und Uferbefestigungen.

Wird die Schlei als befahrbares Gewässer erhalten?

Im neuen Wasserstraßen-Konzept des Bundesverkehrsministeriums finden sich bislang keine konkreten Aussagen über die künftige Einstufung der Schlei. Nun aber wurden Bestrebungen bekannt, dem Ostseefjord bei der bevorstehenden Priorisierung der Bundeswasserstraßen nur einen nachrangigen Status einzuräumen. Das berichten norddeutsche Medien unter Berufung auf eine Informationsschrift , die von der Lenkungsgruppe Wassertourismus der Industrie- und Handelskammer Flensburg zusammen mit der Wirtschaftsförderungs- und Regionalentwicklungsgesellschaft Flensburg/Schleswig herausgegeben wurde.

Demnach werde beabsichtigt, den Ostseefjord auf Prioritätsstufe C herabzusetzen, weil es auf der Schlei keinen wirtschaftlich bedeutsamen Güterverkehr mehr gebe. Der Bund würde das Gewässer dann unter anderem bei Ausbaggerungen nachrangig behandeln. Insbesondere die Stexviger Enge vor Schleswig würde ohne ständige Ausbaggerungen jedoch binnen kürzester Zeit versanden, die Stadt könnte dann nicht mehr angelaufen werden.

Postkartenaktion gestartet

Segelvereine, Hafenbetreiber, ­Vercharterer, Werften und Tourismusverbände der Region haben nun verschiedene Aktionen gestartet, um auf die Bedeutung der Schlei aufmerksam zu machen. Segler können sich mit der Teilnahme an einer Postkartenaktion beteiligen. Die Karten liegen in allen Häfen der Region aus.

Mit zweierlei Maß gemessen

Unverständnis ruft vor allem die allein auf den Güterverkehr bezogene Priorisierung der Bundeswasserstraßen hervor: Die wirtschaftliche Bedeutung der Schlei, so die Kritiker, für den Tourismus, die Fahrgastschifffahrt und die maritime Wirtschaft der Region würde dabei nicht berücksichtigt. Allein die jährlichen lokalen Einnahmen aus dem Tourismus werden vom Kieler Institut für Tourismus- und Bäder­forschung auf 40 Millionen Euro geschätzt.


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Themen: BundeswasserstraßenReformScheuerleSchleiWasser- und Schifffahrtsverwaltung

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