Blauwasser
Schlange, Bruch und Segelschmelze

Die "Freydis" hat Japan erreicht – nach erneut hakeligem Törnverlauf. Unter anderem löste sich nun das Groß auf: 1400 Meilen unter Trysegel

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 16.04.2014

E. Wilts Nur unter Trysegel und Fock geht es gen Japan – über 1400 Meilen

Die Weltreise von Heide und Erich Wilts verläuft weiterhin nicht optimal. Nach schlimmen Wetterkapriolen und Materialversagen verabschiedete sich nun das Großsegel – das Tuch hat sich quasi aufgelöst. So mussten die letzten 1400 Meilen bis Okinawa mit einer Hilfskonstruktion unter Trysegel absolviert werden. Aber immerhin: Japan ist erreicht, dort soll die „Freydis“ bis zum Herbst bleiben.

E. Wilts Ein meterlanger Riss im Groß: Das Tuch ist wie Papier

Skipper Erich Wilts ist einer der befahrensten Deutschen, aber eine derartige Fülle von Maleschen hat er noch nicht erlebt. So klingt der 71-Jährige gar leicht resigniert, wenn er sagt: „Wir machen auf dieser Reise immer wieder dieselbe Erfahrung: Material, Aggregate, elektronische Geräte – wir haben an nichts gespart, behandeln die Dinge pfleglich und sachgerecht, können aber nicht verhindern, dass sie ständig kaputtgehen, meist kurz nach Garantieablauf.“

„Viele Dutzend Beispiele“ könne er dazu anführen, sagt Wilts: „Routinemäßig haben wir die leckende Impellerpumpe an der Hauptmaschine durch eine neue ausgewechselt – nach 100 Betriebsstunden leckt auch diese wieder. Jetzt fangen wir die Tropfen auf, damit nicht die darunter liegende Lichtmaschine wieder beschädigt wird. Goiotlukenverschlüsse: Einst ein Muster an Zuverlässigkeit, jetzt billige Plastikgriffe, die gar nicht halten können. Von der Elektronik hat sich das UKW längst verabschiedet, der Bildschirm, das Kernstück, arbeitet bis heute nicht einwandfrei trotz des Einsatzes von einem durch den Hersteller in Australien beauftragten Techniker. Und so weiter, und so fort."

E. Wilts Helfer Bob entfernt die Schlange vom Schiff

Vor der Ausreise aus Guam war zunächst ein anderes Thema bestimmend: Eine 1,50 Meter lange Schlange hatte sich an Bord eingenistet. Bob, der Mann für alles beim örtlichen Yachtclub, packte sie im Nacken, sie biss dennoch zu. Glück für den Mann: Es war noch kein ausgewachsenes Exemplar und deshalb nicht so giftig. Bob jedenfalls entsorgte das Tier außenbords, aber es kehrte um und versuchte, über die Badeplattform wieder auf die „Freydis“ zu gelangen. Das war ihr Todesurteil, welches Bob exekutierte.

Nach diesem Abenteuer setzten sich die gewohnten Abenteuer in Sachen Schiffstechnik fort. Mit zwei Mitseglern, 72 und 80 Jahre alt, verließ das Eignerpaar Guam, die US-Insel im pazifischen Marianen-Archipel. Frisch installiert: der neue Motor für den Autopiloten. Bei der Probefahrt im Hafen hatte er noch prächtig funktioniert, aber bald schon „kam ein starkes Knacken aus der Achterkammer“, wie Erich Wilts sagt, „zuerst vereinzelt, dann immer häufiger. Also haben wir die Verschalung abgebaut, um die Ursache festzustellen: Die Schubstange war dabei, den Ruderquadranten auseinanderzunehmen, die Schweißnähte brachen Zentimeter für Zentimeter. Auf der Bauwerft wurde die Schubstange am dafür viel zu schwachen Quadranten befestigt, statt am Ruderschaft einen separaten Hebelarm anzubringen. Fachleute hatten das auf den Probefahrten seinerzeit zwar moniert, daraufhin wurde auch eine Stelle verstärkt, aber – wie sich jetzt herausstellte – völlig unzureichend.“

YACHT/M. Mueller Die „Freydis“ unter Vollzeug

Das bedeutete zunächst: Steuern per Hand, jeder der drei Männer ging zwei Stunden Ruder und hatte dann vier Stunden Freiwache. Heide Wilts übernahm derweil die Versorgung, auch kein Spaß, bei halbem Wind mit 20 bis 40 Knoten. Aber es kam noch schlimmer.

E. Wilts Erich Wilts

Wegen des stürmischen Nordost-Passats steckte die Crew das zweite Reff ins Groß und wollte, beim Herannahen einer dunklen Wand, auf das dritte Reff verkleinern. „Beim Fieren des Falls und Herunterziehen des Segels zog sich plötzlich ein meterlanger Riss durchs Segel“, sagt Erich Wilts, „einfach so“. Das Segel sei nirgends hängengeblieben, versichert der Skipper. Er wollte das Tuch (480 g/qm) nähen, sobald sich die See beruhigt haben würde, aber bei genauerem Hinsehen war das unmöglich: viele weitere Risse und Löcher traten zutage: „Wir konnten das Segel wie Papier zerreißen – reparieren sinnlos!“

Das Material war unter dem Einfluss der UV-Strahlung komplett zersetzt worden, sozusagen unter der Sonne geschmolzen. Das über 4300 Euro teure Tuch war keine zwei Jahre im Einsatz. Die verbliebenen fast 1400 Meilen mussten unter Try und oft gereffter Fock angegangen werden. Was aber vergleichsweise problemlos funktionierte. Noch vor der geplanten Ankunftszeit machten die Wilts in der Marina Ginowan auf der Insel Okinawa Honto fest – zum ersten Mal nach der Ausreise aus dem australischen Bundaberg vor drei Monaten liegt die „Freydis“ nun wieder in einem Yachthafen.

E. Wilts Heide Wilts hat wieder ein Loch im Segel entdeckt

Mit einer in der Theorie vergleichsweise beschaulichen Etappe endet der jetzige Törnzyklus. Ab dem 20. April geht es innerhalb von drei Wochen über 900 Meilen nach Hiroshima. Bleibt abzuwarten, welche Überraschungen das Finale dieser Reise noch parat hält.

Wie es mit der „Freydis“ und ihrer Crew weitergeht, erfahren Sie direkt in ihrem Blog .

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