Seabin

Saubermann im Yachthafen

In Arnis wurde in Reaktion auf die Plastikfunde im März ein schwimmender Müllschlucker installiert – die erste Seabin in einem deutschen Naturschutzgebiet

Lasse Johannsen am 20.09.2018
Seabin
S. Kehrhahn

Der Müllschlucker Seabin in Aktion

Sie hat ein Fassungsvermögen von rund 20 Kilogramm, kann bis zu 0,5 Tonnen Müll pro Jahr sammeln und verbraucht pro Tag rund einen Euro an Energie. Künftig ist eine dieser schwimmenden Mülltonnen im Sportboothafen der WSG Arnis/Grödersby offizell in Betrieb.

"Sauberes Wasser und eine gesunde Umwelt sind das Fundament des Wassersports. Der Umweltgedanke liegt den Wassersportlerinnen und -sportlern also im Blut.". Damit begründet der Vorsitzende der Wassersportgemeinschaft Arnis/Grödersby das Engagement für den Einsatz des Skimmers Seabin, eines Oberflächenabsaugers.

Zukunft für die Meere

Möglich gemacht hat die Installation die finnländische Wärtsilä Cooperation, einer der führenden Hersteller von Schiffsantrieben und Navigationslösungen für die Berufsschifffahrt. lm Rahmen der 100-Jahr-Feier der Unabhängigkeit Finnlands startete Wärtsilä 2017 eine Kooperation mit dem australischen Seabin-Projekt. "Nachhaltige und umweltfreundliche Lösungen für die Berufsschifffahrt stehen bei uns im Fokus. Als Seabin ihren Skimmer vorstellte, haben wir uns entschieden, die Technologie über unser globales Netzwerk bekannt zu machen", berichtete Matthias Becker, General Manager von Wärtsila Deutschland. Unter dem Motto ,,Future of the Seas" finanziert Wärtsila die Ausstattung von Häfen weltweit. Die Seabin für den Wassersportverein im Arnisser Noor ist die erste Anlage in einem Naturschutz- und Brutgebiet.

Wie die schwimmende Mülltonne funktioniert

Effektive Gewässerreinigung

Bereits der Probebetrieb zeigte, wie notwendig eine solche Reinigungseinrichtung ist. Die Seabin saugt vor allem auf dem Wasser schwimmendes Seegras, Vogelfedern und Schaum an. Sie sind Trägersubstanzen für millimeterkleine Plastik- und Styropor-Partikel, die andernfalls auf den Grund der Schlei sinken und dort liegenbleiben würden. "Bei jedem Entleeren liegt auf dem Filter eine Schicht dieser Partikel", berichteten Hafenmeister Achim Jensch, der den Betrieb der Seabin überwacht. Es handelt sich zum Beispiel um Plastikteilchen aus geschredderten Speiseresten, die in die Schlei gelangt sind, aber auch um kleine Styroporkügelchen von Reusen und Fischernetzen.

Die Tonne hängt an einem Ponton im Hafen und ist mit einer Tag-Nacht-Schaltung ausgestattet, um einen unbeaufsichtigten Betrieb zu vermeiden. Bei Ostwindlagen muss die Seabin alle fünf Minuten geleert werden. Daher entwickeln Mitglieder des Wassersportvereins zurzeit eine Windsteuerung, die die Seabin bei Ostwindlagen vom automatischen auf manuellen Betrieb umschaltet.

Ideales Testgebiet Schlei

Die rund 42 Kilometer lange Schlei ist Teil des gleichnamigen Naturparks, sie zählt zu den Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung der Europäischen Union. SIe ist ein europäisches Vogelschutzgebiet mit herausragender Bedeutung als Brut-, Nahrungs-, Rast-, Überwinterungs- und Mauserhabitat für Küsten- und Seevögel. Die Schlei gehört zu den Meeresschutzgebieten der Helcom, der zwischenstaatlichen Kommission der Ostseeanrainerstaaten, die für den Schutz der Meeresumwelt im Ostseeraum arbeitet. Die Bundesrepublik Deutschland hat sie als Ostseeschutzgebiet ausgewiesen.

Aufmerksamkeit der Politiker erregt

Am vergangenen Freitag, den 14.09.2018, wurde im Rahmen einer Feierstunde im Hafen Grödersby die Anlage offiziell übergeben. Helmut Andresen, Bürgermeister der Stadt Grödersby, begrüßte das Engagement der WSG Arnis/Grödersby und der Wärtsila Cooperation. Kommunalpolitiker Ralf Wrobel sagte zu, in Kontakt mit den Fraktionen im Kreistag zu treten, um eine weitere Ausstattung der Schlei mit Seabins zu erreichen.

Lasse Johannsen am 20.09.2018

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