Traditionssegler

Sail Training wegen Corona ausgesetzt

Auch die Flotte der Traditionssegler darf aufgrund der Pandemie nicht auslaufen. Das trifft die Betreiber hart

Lasse Johannsen am 07.04.2020
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Klaus Andrews

Vorerst fest: Die "Alexander von Humboldt II" kann zu geplanten Törns nicht auslaufen

Die alten Schiffe prägen nicht nur das Bild von Hafengeburtstagen und Großsegler-Veranstaltungen, sie sind auch unser maritimes Kulturerbe – und ihr Betrieb sichert zudem das Wissen vieler Gewerke, die andernfalls längst in Vergessenheit geraten wären. Darüber hinaus wird auf vielen dieser Schiffe aktive Jugendarbeit betrieben.

Die alten Arbeitsfahrzeuge zu bereedern ist jedoch eine Herkulesaufgabe, der sich meist gemeinnützige Vereine annehmen. Erschwert wurde der Betrieb in den vergangenen Jahren durch die Diskussion um eine neue Traditionsschiffsverordnung. Nun kommen die sich abzeichnenden Folgen der Maßnahmen hinzu, welche aufgrund der Bedrohung durch das Corona-Virus ergriffen wurden.

Veranstaltungen als Einnahmequellen vorerst auf Eis

Die Saison bietet viele Veranstaltungen, auf denen zahlende Gäste Geld in die Kassen der Betreibervereine spülen. Doch wann solche Veranstaltungen wieder stattfinden können, steht in den Sternen. Viele der Törnpläne liegen daher auf Eis. "Das Corona-Virus macht den Freunden von Deutschlands größtem aktiven Segelschiff einen Strich durch den Törnplan", meldet etwa die Deutsche Stiftung Sail Training (DSST), Eigentümerin und Betreiberin der "Alexander von Humboldt II", zu deren Törnplan. Weiter heißt es: "Bis 11. Mai kann keine der geplanten Reisen stattfinden." Das betrifft auch die Tagestörns ab Travemünde und im Rahmen des – wegen Corona bereits abgesagten – Hamburger Hafengeburtstages.

"Wir werden sämtliche behördlichen Vorgaben genau einhalten", erklärt Jürgen Hinrichs von der DSST. "Sicherheit und Gesundheit unserer Mitsegler und unserer ehrenamtlichen Stammcrew sind in dieser außergewöhnlichen Situation das Allerwichtigste." Da die weitere Entwicklung im Kampf gegen das Corona-Virus noch nicht absehbar sei, müsse man abwarten, wie es nach dem 11. Mai weitergehe. Laut Törnplan besucht die "Alex II" im Sommer unter anderem Stockholm, Reykjavik, Edinburgh, Amsterdam und die Sail Bremerhaven.

Die "Alex II" ist seit 2011 im Einsatz. Die DSST verfolgt mit ihr das Ziel, die Kenntnisse und Werte traditioneller Seemannschaft auf hoher See zu vermitteln. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Jugendarbeit. Damit ist sie eines von rund 60 Fahrzeugen, die dieses Ziel verfolgen und sich daher in der Sail Training Association Germany (STAG) zusammengeschlossen haben.

Geteiltes Schicksal

Nun teilt die Flotte auch dieses Schicksal. Von der "Roald Amundsen" etwa wird vermeldet: "Der im Januar veröffentlichte Törnplan ist momentan auf Reede gelegt. Anpassungen und Änderungen werden erarbeitet." Die Verantwortlichen des Vereins Jugendsegeln, dieser betreibt den in Kiel beheimateten Marstalschoner "Zuversicht", schreiben auf der Internetseite des Vereins:  "...Trotzdem sind wir natürlich aktiv und bereiten die kommende Segelsaison und unser hübsches Schiff vor. Drückt alle die Daumen, dass wir uns alle bald wieder gesund und fröhlich an Bord wiedersehen können und dass wir unseren Verein ohne größere finanzielle Schäden durch diese Zeit bringen." Für die "Thor Heyerdahl", die ebenfalls zur STAG-Flotte gehört und als erstes Klassenzimmer unter Segeln bekannt ist, gab es zuletzt einen problematischen Etappenstopp auf der Heimreise aus der Karibik zum Heimathafen Kiel. Auf den Azoren war es wegen der Pandemie schwierig, Proviant zu bunkern. Doch die "Thor" ist seit Donnerstagabend wieder seeklar und mittlerweile auf dem Weg zum Englischen Kanal.

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Lasse Johannsen am 07.04.2020

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