Transatlantik

Rushhour auf den Kanarischen Inseln

Im Wochenrhythmus knallen in Kürze auf den Kanaren die Startschüsse. Hunderte Crews streben gen Karibik. Los geht’s für die Ersten Sonntag

Pascal Schürmann am 09.11.2013

Jedes Jahr aufs Neue: Massenstart zur ARC vor Las Palmas de Gran Canaria

Von Las Palmas, der Hauptstadt Gran Canarias, aus machen sich am Sonntag 45 Yachten auf den Weg über den Atlantik nach Rodney Bay im Norden der Karibikinsel St. Lucia. Allerdings nicht nonstop, sondern mit einem planmäßigen Zwischenhalt in der 865 Seemeilen entfernten Marina Mindelo auf der Kapverden-Insel São Vincente. Mit dabei sind auch vier Yachten unter deutscher Flagge.

Die Crews nehmen an der neuen Atlantic Rally for Cruisers "plus" teil, kurz ARC+. Der Name macht unmissverständlich klar, dass hinter dem Konzept die Macher der alljährlichen und immens erfolgreichen ARC stehen: das britische Unternehmen Worldcruising Club (WCC).

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Andrew Bishop

Dessen langjähriger Boss Andrew Bishop und seine Mitstreiter haben auf die seit Jahren steigende Nachfrage nach einem ARC-Startplatz reagiert, indem sie zum einen die Zahl der Startplätze für die ARC in diesem Jahr noch einmal erhöht und darüber hinaus mit der ARC+ eine Tochter-Rally ins Leben gerufen haben.

Neuer Anreiz für ARC-Veteranen

Der Stopp auf den Kapverden soll dem langen Schlag über den Atlantik einen zusätzlichen Anreiz verleihen. Das kommt offenbar an, blickt man auf die Meldezahlen. Auf Anhieb 45 Teilnehmer, darauf kann der WCC schon jetzt stolz sein.

Am 20. November erfolgt dann für die Kapverden-Segler der Startschuss zur zweiten Etappe gen Karibik.

Drei Tage früher, am 17. November, wird es auch auf Lanzarote spannend. Dann nämlich nehmen von dort 20 Crews, davon drei deutsche, Kurs auf Martinique. Es sind die Teilnehmer der neuen Atlantic Odyssey I. (Es gibt auch eine II, davon später mehr.) Beide hat niemand Geringerer als Jimmy Cornell ins Leben gerufen.

Cornell, Jimmy

Jimmy Cornell

Logo Atlantic Odyssey

Cornell war es, der 1986 die erste ARC initiierte und in der Folge einige Jahre lang organisierte. Danach verkaufte er die Rechte an der Rally an einen anderen Veranstalter, um sich neuen Segelprojekten widmen zu können. Derzeit macht der weltweit bekannte und anerkannte Langfahrtsegler von sich reden, weil er – ungeachtet seiner inzwischen 73 Jahren – im kommenden Jahr durch die Nordwestpassage segeln will (siehe Interview in der aktuellen YACHT; Heft 23, S. 122). Dazu lässt er sich derzeit eigens ein neues Schiff bauen.

Teil einer Weltrally

Die Atlantic Odyssey ist nämlich nur Teil einer weltumspannenden Blauwasserrally, die Cornell 2014 veranstaltet. Deren Name lautet Blue Planet Odyssey. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, die Erde zwar gemeinsam, aber auf unterschiedlichen zur Auswahl stehenden Routen zu umsegeln. Eine davon führt wie erwähnt durch die Nordwestpassage.

Zurück zum Worldcruising Club und der eigentlichen ARC: Am 24. November ist es so weit. Zum nunmehr 28. Mal. Dann leeren sich binnen weniger Stunden die Stege der diversen Sportboothafenbecken der Marina von Las Palmas. Wo in den Tagen und Wochen zuvor drangvolle Enge herrschte, wird mit einem Mal wieder viel, viel Platz sein. Insgesamt 227 Yachten haben zum diesjährigen Marathon über den Atlantik gemeldet, darunter 33 deutsche Crews.

Wie gewohnt wird wieder nach Klassen unterteilt gestartet. Rennyachten, Katamarane und Fahrtensegler werden gruppenweise auf die Reise nach St. Lucia geschickt. Die Schnellsten werden je nach Wind das Ziel in weniger als zwei Wochen erreichen, die Langsamsten verbringen, wenn es ganz schlecht läuft, Weihnachten auf See.

Weihnachten auf See

Das gehört bei einer weiteren Rally sogar zum Konzept. Die Macher der gleichfalls neuen Christmas Caribbean Rally (CCR) von Lanzarote nach Antigua wollen ihre Startpistole erst am 16. Dezember abfeuern. Dahinter steckt ein eigentlich durchaus arbeitnehmerfreundlicher Gedanke: Dank der Weihnachts- und auch der Silvesterfeiertage muss man sich für den Trip weniger Urlaub nehmen. 

J. Simpson

John Simpson

Logo CCR

Ausgedacht hat sich das der britische Langfahrtsegler John Simpson. Er gründete zu diesem Zweck 2012 die Firma Sailing Rallies Ltd., die neben dem Transatlantik-Törn weitere Flottillentrips organisieren will. Eine davon, analog zur gleichfalls neuen ARC Baltic des Worldcruising Club, 2014 im baltischen Raum.

Die Idee, Weihnachten und den Jahreswechsel auf See zu feiern, scheint allerdings nicht auf viel Begeisterung zu stoßen. Auf der Meldeliste der CCR stehen aktuell gerade mal neun Schiffe, von denen zudem eines definitiv nicht dabei sein wird.

Noch später sind die Teilnehmer von Jimmy Cornells Atlantic Odyssey II dran. Gestartet wird am 12. Januar wieder von Lanzarote, das Ziel ist dann allerdings Grenada. Auch für diese Veranstaltung hält sich das Interesse bislang noch arg in Grenzen. Lediglich sechs Yachten, davon eine deutsche, stehen auf der Liste.

Wer nun den Überblick über all die Rallys, Routen und Termine verloren hat – hier gibt’s noch mal alle Starts in chronologischer Reihenfolge:

10. November 2013: Start der ARC+, 1. Etappe, von Gran Canaria nach São Vincente

17. November 2013: Start der Atlantic Odyssey I, von Lanzarote nach Martinique

20. November 2013: Start der ARC+, 2. Etappe, von São Vincente nach St. Lucia

24. November 2013: Start der ARC, von Gran Canaria nach St. Lucia

16. Dezember 2013: Start der Christmas Caribbean Rally, von Lanzarote nach Antigua

12. Januar 2014: Start der Atlantic Odyssey II, von Lanzarote nach Grenada

Außerdem: Nicht nur von den Kanaren aus machen sich organisierte Flottillen auf den Weg gen Westen. Einen Überblick über weitere Atlantik-Rallys gibt es hier.

Pascal Schürmann am 09.11.2013

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