Blauwasser

Rushhour auf dem Atlantik

Zighundert Yachten nehmen dieser Tage Kurs auf die Karibik – viele im Rahmen einer Segelrally. Mal geht es ums Siegen, mal nur ums Ankommen

Pascal Schürmann am 19.11.2014
ARC+ Kanaren Start Kapverden 2014 PR__MG_1867

Start zur ersten Etappe der ARC+ 2014 von Gran Canaria zu den Kapverden

Am heutigen Mittwochmittag wird für die Teilnehmer der ARC+ bereits zum zweiten Mal binnen zweieinhalb Wochen die Startpistole abgefeuert. 50 Schiffe waren am 9. November von Gran Canaria zu den Kapverden gesegelt. Dort sind sie am zurückliegenden Wochenende für einen mehrtägigen Zwischenstopp angekommen. Nun geht es weiter Richtung Karibik, das Ziel ist die Rodney Bay im Norden der Insel Saint Lucia.

Die ARC+ ist ein noch recht junges Zusatzangebot der herkömmlichen ARC (Atlantic Rally for Cruisers), die in diesem Jahr bereits zum 29. Mal stattfindet. Rund ein Fünftel aller ARC-Teilnehmercrews hat es in Anspruch genommen. Die anderen über 200 Boote segeln ab kommendem Sonntag von der Kanarenhauptstadt Las Palmas auf direktem Weg, also ohne planmäßigen Zwischenstopp, nach Saint Lucia.

Hoffen auf den Passat

Wobei das mit dem direkten Weg so eine Sache ist. Denn in der Regel müssen Yachten, die schon Ende Herbst gen Westen über den Atlantik wollen, zunächst ein gutes Stück Kurs Süd segeln, um dort dann vom Nordostpassat zu profitieren. Der aber schwächelt bislang noch ein wenig. Und so wird es nicht verwundern, wenn auch wieder wie schon in den Vorjahren einige Yachten der regulären ARC einen Stopp in der dafür bestens gerüsteten Marina Mindelo auf der Kapverdeninsel São Vicente einlegen werden, um Proviant und insbesondere Diesel nachzubunkern.

Atlantic Odyssey 2014

Start der Atlantic Odyssey 2014 von Lanzarote nach Martinique

Das könnte auch für die Teilnehmer der ebenfalls noch recht neuen Atlantic Odyssey gelten. Die von Langfahrt-Ikone Jimmy Cornell vor zwei Jahren gegründete Konkurrenzveranstaltung zur ARC – die er im Übrigen einst selbst ins Leben gerufen hatte – ist seit Sonntag unterwegs. Die 34 Teilnehmercrews sind von Lanzerote aus gestartet, ihr Ziel ist die Karibikinsel Martinique. Bis dorthin sind es gut und gerne 2700 Seemeilen über den Atlantik.

Gemeinsame Sache

Die Strecke ist bei guten Windbedingungen in 14 bis 20 Tagen zu schaffen. Doch derzeit plagt die Odyssey-Segler  ausgeprägter Schwachwind – viele haben den Motor angeworfen. Das ist wie auch bei der ARC erlaubt. Denn ums Gewinnen geht es bei diesen Segelrallys nur in zweiter Linie. Im Vordergrund steht der Gedanke, das Abenteuer Transatlantik gemeinsam zu meistern und die sich daraus ergebenden Vorteile – allem voran steht der Sicherheitsaspekt, den das Segeln im Pulk mit sich bringt – zu nutzen.

Gänzlich mangelt es indes nicht am Wettkampfgedanken. Daher unterliegen alle Yachten einem Handicapsystem, und sie starten abhängig vom Schiffstyp in unterschiedlichen Wertungsklassen. In den Cruiser-Divisionen darf die Maschine zu Hilfe genommen werden, die Motorstunden fließen dann am Ende in die berechnete Gesamtzeit ein.

Rally oder Regatta?

Lediglich die Schiffe, die bei der ARC für die Racer-Division gemeldet haben, müssen es ausschließlich unter Segeln bis nach Saint Lucia schaffen. Das kann sich ziehen – oder eben auch ganz schnell gehen. Der ARC-Streckenrekord steht bei 10 Tagen, 21 Stunden, 25 Minuten und 10 Sekunden. Aufgestellt wurde er bei der ARC 2013 von Max Klink und seiner Crew auf der Knierim 65 "Caro".

RORC Transatlantic Race "Nomad IV"

Größte Teilnehmeryacht des RORC Transatlantic Race 2014: die "Nomad IV", ein 100 Fuß langer Finot-Conq-Maxi

Schnell unterwegs sein wollen, das ist auch die Absicht der Teilnehmer des erstmals in diesem Jahr vom RORC (Royal Offshore Racing Club) initiierten Transatlantic Race – ausdrücklich ist dies eine Regatta und keine Rally. Zehn Boote haben gemeldet, von der vergleichsweise eher kleinen X-40 oder J 133 über Volvo 60s bis hin zur Southern Wind 94 oder gar einer 100 Fuß großen Maxiyacht vom Typ Finot Conq. Gestartet wird am übernächsten Sonntag, den 29. November, ebenfalls von Lanzarote. Von dort aus geht es dann über rund 2800 Seemeilen bis nach Grenada.

Über eine der Segelrallys, die ARC+, die es erst seit 2013 gibt, wird die YACHT in Heft 1/2015 ausführlich berichten.

Pascal Schürmann am 19.11.2014

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