Verband
Rücktritt! DSV-Präsident Andreas Lochbrunner mustert ab

Der Lotse geht von Bord – völlig überraschend legt der Chef des Deutschen Segler-Verbands nach heftigen internen Querelen sein Amt nieder

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 10.03.2017
Sein Heimatrevier: Dr. Andreas Lochbrunner am Yachthafen von Lindau Sein Heimatrevier: Dr. Andreas Lochbrunner am Yachthafen von Lindau Sein Heimatrevier: Dr. Andreas Lochbrunner am Yachthafen von Lindau

YACHT / T. Störkle Sein Heimatrevier: Dr. Andreas Lochbrunner am Yachthafen von Lindau

Die außerordentliche Präsidiumssitzung des Deutschen Segler-Verbands (DSV) am heutigen Freitag endete mit einem Paukenschlag: Völlig unerwartet trat Andreas Lochbrunner, 68, von seinem Chefposten zurück.

In einer persönlichen Erklärung begründet Lochbrunner seine Entscheidung wie folgt: "Nach dem Verlauf und Ergebnis der Arbeit der vergangenen Wochen ist aus meiner Sicht eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Präsidium sowie der Geschäftsführung nicht mehr möglich. Ich bedauere diese Entwicklung sowie den hierdurch unumgänglich gewordenen Rücktritt persönlich sehr, bin jedoch auch nach reiflicher Überlegung davon überzeugt, dass unser gemeinsames Ziel der Professionalisierung und Weiterentwicklung des DSV in der derzeitigen Konstellation nicht mehr umgesetzt werden kann. Ich möchte deshalb von meiner Seite den Weg für einen umfassenden Neubeginn freimachen. Ich bedanke mich ausdrücklich für das mir aus der Seglerschaft entgegengebrachte Vertrauen sowie für die vielfältige Unterstützung und wünsche dem DSV, dem ich eng verbunden bleibe, alles Gute und viel Erfolg. Und ich drücke unseren Seglerinnen und Seglern ganz kräftig die Daumen für die Olympischen Spiele 2020."

Lochbrunner war im November 2013 auf dem Seglertag in Warnemünde zum Nachfolger des scheidenden Präsidenten Rolf Bähr gewählt worden, als erster Bayer in 125 Jahren Verbandshistorie. Er hatte sein Amt mit dem für ihn typischen Elan angetreten. Der Mann vom Bodensee gilt als Macher, Klartext-Redner und Anpacker, was ihm allgemeinen Respekt und den Beinamen "Der Löwe von Lindau" bescherte. In diesem Stil machte er sich an die nötigen und teils überfälligen Reformen im Verband.

Kernpunkte seiner Agenda waren Umstrukturierungen in der Spitzensportförderung und ein personeller Umbau im DSV. So verpflichtete er beispielsweise mit Cheftrainer David Howlett einen Mann von Weltformat. Und in der Organisation löste auf Lochbrunners Bestreben hin Goetz-Ulf Jungmichel, 49, am 1. März 2016 den langjährigen Geschäftsführer Gerhard Philipp Süß ab.

boot Düsseldorf DSV-Generalsekretär Goetz-Ulf Jungmichel

Zunächst fanden alle Beteiligten lobende Worte füreinander. Zu Lochbrunners Amtsantritt sagte Oliver Schwall, Mitbegründer und Geschäftsführer des unter anderem für die Vermarktung der Nationalmannschaft zuständigen Sailing Team Germany (STG): "Um den DSV für die Zukunft auf Kurs zu bringen, braucht es einen Skipper wie Andi." Lochbrunner wiederum gab das Kompliment zurück: "Die Voraussetzungen, die wir dank der Initiative STG im deutschen Hochleistungssegelsport vorfinden, waren noch nie so gut wie heute." Am 30. August 2016 jedoch vermeldete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" die Trennung zum Jahresende: "Die schwierige Ehe von Verband und Vermarkter wird nach siehen Jahren geschieden."

Seit Januar 2017 hat der DSV nunmehr selbst die Finanzierung, Vermarktung und Kommunikation für seine Leistungssportler inne. "Als Spitzensportverband muss der DSV die Federführung haben und kann das nicht an einen Dienstleister delegieren", erklärte Lochbrunner nun. Die "Zeit" beschrieb die Trennungsursachen damals so: "Gleiche Ziele, aber unterschiedliche Herangehensweisen und auch persönliche Differenzen hatten die einst vielversprechende Sport-Partnerschaft zwischen dem Verband und der Förderinitiative immer wieder vor die Zerreißprobe gestellt."

Aber auch im eigenen Hause scheint es heute heftige Querelen über das Thema Nationalmannschaft zu geben. So fehlt nach dem Rückzug von Premiumsponsor Audi derzeit ein potenter Financier.

Der organisatorische Umbau war zunächst ebenfalls mit warmen Worten begleitet worden. Das Engagement von Jungmichel, zuvor Chef der boot in Düsseldorf, kommentierte Lochbrunner so: "Goetz-Ulf Jungmichel prägt seit vielen Jahren die boot, Deutschlands erfolgreichste Wassersportmesse. Wir sind deshalb sehr glücklich, dass wir mit ihm einen ausgewiesenen Experten und eine anerkannte Führungskraft für den Deutschen Segler-Verband gewinnen konnten."

Zuletzt jedoch ist der Ton in der Hamburger Gründgensstraße, dem Sitz des DSV, offenbar rauer geworden. YACHT-Informationen zufolge soll es zu schärferen Auseinandersetzungen über finanzielle Angelegenheiten und die strukturelle Neuausrichtung gekommen sein.

YACHT/Tobias Stoerkle Lochbrunner-Yacht „Elfe II“

Andreas Lochbrunner zog daraus heute seine Konsequenzen. Um 11.05 Uhr erklärte er auf der Präsidiumssitzung in Hamburg seinen Rückzug und verließ die Versammlung. Der Eigner einer Bavaria 42 Match und eines A&R-Klassikers sagte zu YACHT online: "Ich bin in guten Jahren 60 Tage an Bord gewesen, auf meinem Achter und vor allem an der Ostsee auf meiner Bavaria. Zuletzt waren es nur noch 8 Tage. Das wird jetzt wohl wieder mehr werden."


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Themen: Andreas LochbrunnerDeutscher Segler-Verband

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