Abenteuer

Richter zeigen Verständnis für Weltreise

Nach der Flucht in die Karibik drohte ihr zunächst das Jugendheim. Nun gab es eine überraschende Wende

Johannes Erdmann am 06.01.2010

Laura Dekker

Sie wollte mit 13 Jahren einhand um die Welt segeln, doch der Staat verbot es. Verzweifelt und enttäuscht riss sie von zu Hause aus. Nun soll neu über die Reise entschieden, möglicherweise sogar der Start vorverlegt werden.

Bei ihrer Ankunft auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol wurde Dekker sofort abgeführt und noch vor Ort verhört. Immer wieder wurde ihr mit dem Jugendheim gedroht, kaum Hoffnung schien es nach diesem Verstoß gegen die vom Familiengericht Utrecht auferlegten Bedingungen noch für die mittlerweile 14-Jährige zu geben.

Doch nun zeigten sich die Richter, die Dekker noch vor einigen Monaten den Start bis auf weiteres verboten und staatliche Obhut verordnet hatten, überraschend milde. Sie wiesen den Antrag des Jugendamtes, Dekker zeitweilig in einem Heim oder zumindest einer anderen Familie unterzubringen, zurück. Stattdessen darf das "Segelmädchen", wie sie mittlerweile in Holland genannt wird, weiter bei ihrem Vater wohnen bleiben.

Die Großeltern, Dick und Riek Dekker, hatten dem Jugendamt die Schuld für Lauras Flucht gegeben: "Seit es sich einmischt, haben wir zusehen müssen, wie sich ein unternehmungslustiger Teenager in ein Mädchen verwandelt, das sich abschottet und kein Vertrauen mehr zu Erwachsenen hat." Sie verglichen die drohende Einweisung in ein Heim gar mit einer Gefängnisstrafe und kritisierten, dass viele der Anfang November vom Gericht festgesetzten Bedingungen "unerfüllbar" waren. Beispielsweise, dass Laura zunächst mehr Segelerfahrung sammeln sollte — zugleich jedoch verbot man ihr vorerst, mit ihrem Boot allein auszulaufen. "Das ist doch klar, dass solch ein Mädchen dadurch verzweifelt und depressiv wird", erklärte Dick Dekker gegenüber einer holländischen Zeitung.

Nun will das Gericht konkrete und erfüllbare Vorbedingungen für den Rekordversuch formulieren. Ob der Anfang November festgelegte Starttermin am 1. Juli 2010 bestehen bleibt oder möglicherweise sogar früher stattfinden kann, ist derzeit noch unklar.

Die Hurley 800 "Guppy" wurde in der Zwischenzeit von Dekkers Sponsoren gründlich überholt. Insbesondere in die Bordelektronik wurde viel Geld investiert und ein Satellitentracker installiert, da nach aktuellen Informationen geplant ist, die Reise per TV zu übertragen. Der Starthafen ist noch nicht gewiss. Je nach Jahreszeit soll entweder aus Holland oder Portugal gestartet werden.

Wenn Dekker bis Oktober 2010 ausläuft, hat sie weiterhin gute Chancen, den Rekord für die jüngste Weltumseglerin einzuheimsen. Wenn sie erst einmal unterwegs ist, wird sie etwa zwei Jahre benötigen, bevor sie mit ihrer acht Meter langen "Guppy" wieder in holländische Gewässer einläuft.

Abby Sunderland

Doch auch ihre ebenfalls weiblichen Konkurrentinnen sind bemüht, diesen Titel zu erlangen. Die 16-jährige Jessica Watson befindet sich mit ihrer S&S 34 "Ella's Pink Lady" derzeit etwa zwei Wochen westlich von Kap Hoorn. Ebenfalls ernster Anwärter auf den Rekord ist Abby Sunderland, die in den nächsten Wochen, sobald ihre Vorbereitungen abgeschlossen sind, von der Marina del Rey in Kalifornien auslaufen will. Im Oktober ist sie 16 geworden und will für ihre Reise nonstop um die Welt auf ihrem Open 40 "Wild Eyes" nur sechs Monate benötigen. Ihr Bruder Zac Sunderland hat erst im vergangenen Juli nach 13 Monaten auf seiner 36 Fuß langen "Intrepid" den Rekord als jüngster Weltumsegler für sich gewonnen, der ihm jedoch nur gut einen Monat später vom Briten Mike Perham auf seinem Open 40 "Totallymoney.com" wieder abgenommen wurde.

Johannes Erdmann am 06.01.2010

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