Seenot

Rettungseinsätze 2016: Motorprobleme häufigste Ursache

Die deutschen Seenotretter waren vermehrt für Segler im Einsatz. Auch die niederländischen und kroatischen Rettungskräfte hatten mehr zu tun als 2015

Kristina Müller am 25.01.2017
Seenotretter im Einsatz vor Norderney
DGzRS

Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat ihre Jahreseinsatzbilanz für 2016 veröffentlicht: Demnach sind 59 Seenotrettungskreuzer und -boote im vergangenen Jahr insgesamt 2019 Mal auf Nord- und Ostsee im Einsatz gewesen. 819 Rettungsfahrten entfallen auf die deutsche Nordseeküste, 1200 auf die Ostseeküste. 1191 Einsätze, also knapp 60 Prozent, fanden für Wassersportler in Not statt, zu denen Motorbootfahrer, Kiter, Surfer, Paddler, Schwimmer und Segler gezählt werden. Letztere erforderten 764 Mal ein Ausrücken der Retter, wie YACHT online auf Anfrage erfuhr. Damit ist der Anteil der Hilfsaktionen für Segler mit rund 38 Prozent an den Gesamteinsätzen um vier Prozent gegenüber 2015 gestiegen. Zwar liegen die 2015er-Zahlen lediglich bis Ende Oktober 2015 vor, doch kann davon ausgegangen werden, dass im November und Dezember nicht mehr viele Einsätze für Segler in deutschen Gewässern hinzugekommen waren.

Seenotbilanz 2016

Verteilung der Seenotrettungseinsätze zwischen 2012 und 2016 auf Wassersportler im Allgemeinen und Segler im Speziellen
*für 2015 Zahlen bis einschließlich 23. Oktober 2015

Für YACHT online hat die DGzRS die Vorfälle nach Ursachen aufgeschlüsselt. Der häufigste Anlass zum Ausrücken war 2016 Probleme mit dem Motor (438 Mal), gefolgt von Auf-Grund-Laufen (368 Mal) und Abtreiben (81 Mal). Auf Platz vier der "Havarie-Hitliste" rangieren in der Schraube verfangene Netze oder Leinen – mit 60 Einsätzen aus diesem Grund ist der Wert so hoch wie nie zuvor (2015: 39 Einsätze, 2014: 37 Einsätze).

Seenotbilanz 2016

Motorprobleme, Grundberührung und Abtreiben sind die häufigsten Einsatzursachen 2016
*für 2015 Zahlen bis einschließlich 23. Oktober 2015

Nach Angaben der DGzRS haben die Besatzungen mit den 2091 Einsätzen des Vorjahres           

  • 56 Menschen aus Seenot gerettet
  • 621 Menschen aus drohender Gefahr befreit
  • 368 Mal erkrankte oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln oder Halligen zum Festland transportiert
  • 47 Schiffe und Boote vor dem Totalverlust bewahrt
  • 1003 Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge aller Art erbracht
  • 501 Einsatzanläufe und Sicherungsfahrten absolviert

Im Rahmen der Such- und Rettungsaktionen sowie Kontrollfahrten haben allein die 20 Seenotrettungskreuzer im vergangenen Jahr knapp 72.000 Seemeilen in Nord- und Ostsee zurückgelegt. Darüber hinaus war die Seenotleitung Bremen (MRCC) in 231 Seenotfällen international im Interesse der deutschen Schifffahrt unterstützend oder initiativ tätig.

Niederlande

Häufiger als die deutschen Retter mussten ihre niederländischen Kollegen auslaufen: 2349 Mal fuhren die Schiffe der KNRM (Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij) zu Einsätzen und damit erneut öfter als im Vorjahr (2015: 2332 Einsätze, 2014: 2238 Einsätze). 3974 Menschen wurden dabei gerettet oder immerhin aus unglücklichen Situationen befreit. Auf Wassersportler entfielen 1529 Einsätze (2015: 1584), davon auf Yachten und offene Segelboote 878 Einsätze (2015: 903). Hauptursachen für das Auslaufen der Retter waren auch hier überwiegend Motorprobleme (572 Einsätze), gefolgt von Navigationsfehlern (374 Einsätze) und Schäden an Ruder und Schraube (90 Einsätze). Mit 658 Vorfällen ereignete sich der Großteil der Rettungsaktionen auf der Nordsee, doch auch die Reviere IJsselmeer/Markermeer sowie die Wattengewässer forderten die Seenotretter mit jeweils rund 500 Einsätzen. Ein Rückgang konnte bei den Notfällen, die bei über 6 Beaufort eintraten, verzeichnet werden: Sie gingen auf 3,5 Prozent der Einsätze zurück (2015: 6 Prozent, 2014: 9 Prozent).

Kroatien

Auch in Kroatien, dem beliebtesten Charterrevier deutscher Segler, hatten Rettungskräfte auf dem Wasser im vergangenen Jahr viel zu tun – mehr als 2015. Nach Angaben des privaten Hilfsdienstes Sea Help fuhr der kroatische Seenotrettungsdienste SAR (Search and Rescue) allein bis August 2016 mehr Einsätze (281) als im gesamten Vorjahr 2015 (243). 24 Wassersportler mussten tot geborgen werden (2015: 26), 16 schwer verletzt (2015: 32). Auch Sea Help selbst verzeichnete mehr Einsätze als im Vorjahr: Die Zahl stieg von 668 (2015) auf 694 (2016). Unter anderem seien schlechter Treibstoff und technische Probleme an Bord für die steigenden Einsatzzahlen verantwortlich.

Kristina Müller am 25.01.2017

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