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Rettung aus höchster Not

Fünf Segler trieben vor England eine Woche in Rettungsinsel

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 21.09.2004

Das Boot nahe den Scilly-Inseln gesunken. In der Rettungsinsel heftigen Stürmen und 30 Fuß hohen Wellen ausgeliefert. Dem Verdursten und Verhungern nahe. Nach sieben langen Tagen nahm eine schier unglaubliche Geschichte ein Happy End.

Fünf Segler hatten in der vorvergangenen Woche mit einer 60-Fuß-Ketsch, der "Inis Mil", von der Kenmare Bay in Südwestirland nach Cherbourg/Frankreich segeln wollen. An Bord waren die französische Eignerin Stephanie Preux (25), der irische Skipper David Faulkner (56) und dessen Sohn Ian (27), der Australier Bjorn Bjorseth (19) sowie der Deutsche Jürgen Hensel (44). Ihm hatte das Schiff zuvor gehört.

Nachdem sie etwa zwei Drittel der Wegstrecke bis zu den Scilly-Inseln zurückgelegt hatten, erlitt die "Inis Mil" bei rauen Bedingungen einen schweren Wassereinbruch. Schlimmer noch: die Bilgenpumpe versagte den Dienst. Schnell nahm der Wasserpegel im Schiff zu, sodass es die Crew schließlich aufgeben und in die Rettungsinsel umsteigen musste. Zuvor noch abgesetzte Panpan- und Mayday-Meldungen verhallten ungehört. Ebenso blieben abgefeuerte Seenotsignale ohne Erfolg. Faulkner entzündete sogar auf dem untergehenden Schiff noch ein Feuer, um auf die Notlage aufmerksam zu machen - auch dies vergebens.

Als die Frau und die vier Männer in die Insel stiegen, herrschte Windstärke 8, und riesige Wellenberge hatten sich aufgetürmt.

Erst als die "Inis Mil" in Frankreich ausblieb, leiteten die Behörden eine Suchaktion ein. Irische, englische und französische Seenotretter beteiligten sich daran. Sie fanden jedoch weder das Schiff, das zu diesem Zeitpunkt längst gesunken war, noch die Schiffbrüchigen.

Ein Fischer, der die Rettungsinsel in nur 400 Meter Abstand passiert und sie unmöglich übersehen haben könne, so erzählte einer der Überlebenden später, hätte sie ignoriert - trotz lautstarker Hilferufe.

Die Rettungskräfte stellten schließlich die Suche ergebnislos ein. Die mitgenommene Nahrung an Bord der Rettungsinsel wurde knapp, nach fünf Tagen ging das Trinkwasser aus. Niemand von den Seglern hätte damit gerechnet, in einer so stark von Schiffen befahrenen Region derart lange unentdeckt zu bleiben.

Dann endlich, am sage und schreibe siebten Tag in der Insel, waren die Schiffbrüchigen nahe genug an die englische Küste bei Cornwall herangetrieben, um mit einem mitgenommenen Handy die Notrufnummer wählen zu können. Ihre größte Sorge sei dabei gewesen, dass die Notrufzentrale ihren Anruf für einen schlechten Scherz hätte halten können. Doch wenig später wurden die fünf Segler von der Küstenwache geborgen. Allen geht es den Umständen entsprechend gut.

Erst vorgestern dann hätte sich beinahe in der Straße von Dover eine ganz ähnliche Geschichte ereignet. Östlich von Ramsgate waren zwei Segler mit ihrem 20-Fuß-Schiff ebenfalls in Seenot geraten. Eine Nacht lang trieben sie hilflos auf der Hauptschifffahrtsroute, ohne entdeckt zu werden. Erst am folgenden Morgen wurden sie vom Rettungshubschrauber geborgen, nachdem Verwandte die Küstenwache informiert hatten, weil sie zuvor das Boot per Funk nicht hatten erreichen können.


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Themen: RettungSeenot

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