Bootsbranche
Rassy und Co. noch im Eisfieber

Der Schnee schmilzt, aber der Extremwinter macht den skandinavischen Werften nach wie vor zu schaffen

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 18.03.2010

YACHT/Hallberg-Rassy Kran unter: Meterhohe Schneemassen und vereiste Ufersäume behindern die Auslieferung neuer Yachten bei Hallberg-Rassy

Eigner, die ihre neuen Yachten in diesem Frühjahr in Schweden oder Finnland übernehmen wollen, müssen mit Verzögerungen bei der Auslieferung rechnen - auch wenn es seit dieser Woche tagsüber allerorten taut.

"So etwas", sagt Magnus Rassy, "habe ich noch überhaupt nie erlebt". Meterhohe Schneeberge türmen sich rund um seine Werft im westschwedischen Ellös.

Der gleichnamige Fjord, an dem der firmeneigene Hafen liegt, ist an den Ufersäumen nach wie vor von Eis bedeckt. Und wo offenes Wasser im Sonnenlicht glitzert, schwimmen tonnenschwere Growler, die Rumpf und Ruderanlage gefährlich werden können.

"Eigentlich wäre jetzt die Zeit für die ersten Auslieferungen", sagt der Chef von Hallberg Rassy. Und tatsächlich werden im Hafen täglich neue Schiffe gekrant, Riggs gestellt, letzte Tests absolviert. Doch wer jetzt sein Boot übernimmt, wird wohl noch eine Weile vor Ort warten müssen, bevor eine eisfreie Fahrt ins Heimatrevier möglich ist.

YACHT/Nord West Hafen eisfrei, aber drumherum ist noch kein Durchkommen: Luftbild vom HR-Werfgelände in Ellös

Vor zwei Wochen sah es noch bedeutend schlechter aus. Da waren die Wasserwege fast komplett zugefroren; nachts sank das Thermometer auf minus 20 Grad. Vereinzelt brachen Dächer von Winterlagerhallen unter der tonnenschweren Schneelast zusammen. Kein Gedanke an einen auch nur halbwegs normalen Saisonstart.

"Wir haben alle unsere Neukunden angeschrieben, die im März und April auf die Übernahme warten", erzählt Magnus Rassy. "Wir erklärten Ihnen, wie es bei uns aussieht und fragten, ob wir ihre Yachten auf einen Lkw packen und über Land ausliefern sollten, an Land stehen lassen oder ob wir für sie ein Loch ins Eis hacken und das Boot da reinkranen sollen."

YACHT/Hallberg-Rassy Schon zu Wasser: die ersten Boote werden geriggt. Aber noch verhindern Eisschollen die Überführung

Die Eigner blieben so cool wie der Winter und entschieden sich für Abwarten. "Und dann hatte das Wetter ein Einsehen", sagt Rassy. "Vor einer Woche kam die Sonne, und das Eis ging – viel schneller, als wir dachten. Dabei hatten wir allmählich schon begonnen daran zu zweifeln, ob es so etwas wie ein Frühjahr überhaupt noch geben wird."

Es bestehe zwar nach wie vor ein "erhebliches Risiko, dass es bei der Auslieferung zu Verzögerungen kommt", meint der HR-Chef. Aber das betreffe mehr die Überführungen auf eigenem Kiel als die Übernahme im Werfthafen. Der ist schon seit Tagen eisfrei, weil eine Umwälzpumpe wärmeres Wasser vom Grund an die Oberfläche spült.

Najad, nur wenige Seemeilen landeinwärts in Henan gelegen, kämpft ebenfalls mit den Auswirkungen des Extremwinters. Die Marina ist nur teilweise nutzbar, weil der Süßwasseranteil durch Schmelz- und Quellwasser hier höher, die Vereisung daher stärker ist.

"WIr haben zwar schon die ersten Boote gekrant, aber bisher erst vier", sagt Marketing- und Vertriebsleiter Magnus Ridderstad. Er rechnet mit Verzögerungen von zwei bis drei Wochen bei den jetzt anstehenden Auslieferungen.

Da kommt den Werften entgegen, dass die Produktionszahlen geringer sind als noch vor zwei Jahren. "Andernfalls hätten wir mit all diesem Schnee und Eis ein echtes Problem", so Ridderstad.


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Themen: ExtremwinterNajadRassySchwedenSkandinavienWerftWinter

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