Weltseglerverband
Quanhai Li ist der neue World-Sailing-Präsident

Erstmals übernimmt ein Chinese das Ruder im Welt-Seglerverband. Li konnte sich in der zweiten Abstimmungsrunde mit 68:60 Stimmen gegen Kim Andersen durchsetzen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 01.11.2020
Jahrestagung November 2020 Jahrestagung November 2020 Jahrestagung November 2020

World Sailing/Jahrestagung/Screenshots Jahrestagung November 2020

World Sailing Der scheidende Präsident: Kim Andersen

World Sailing/Jahrestagung/Screenshots Der neue Präsident: Quanhai Li

Der bisherige und an diesem Sonntag noch amtierende dänische Welt-Seglerverbands-Präsident Kim Andersen gibt das Ruder an den Chinesen Quanhai Li ab. In der zweiten Abstimmungsrunde haben sich die nationalen Mitgliedsverbände (MNAs) mit 68:60 Stimmen für den neuen Mannn am World-Sailing-Steuer ausgesprochen. Das Ergebnis wurde am Sonntag im Rahmen der World-Sailing-Jahrestagung bei der Online-Live-Übertragung bekanntgegeben. Zuvor hatten der Spanier Gerardo Seeliger und der Amerikaner Scott Perry die erste Abstimmungsrunde nicht überstanden. Diese hatte zunächst den amtierenden Präsidenten Kim Andersen im Kampf um seine Wiederwahl in Führung gehen lassen. Der Däne hatte im ersten Wahlgang 53 Stimmen bekommen, der seit 2013 als Vizepräsident aktive Quanhai Li 39 Stimmen. Seeliger und Perry waren mit 21 und 15 Stimmen ausgeschieden. Im zweiten Durchgang konnte Quanhai Li dann an Andersen vorbeiziehen.

World Sailing/Jahrestagung/Screenshots Die Ergebnisse des zweiten und entscheidenden Wahldurchgangs

World Sailing/Jahrestagung/Screenshots Die Ergebnisse des ersten Wahldurchgangs

Der 58-jährige Quanhai Li gilt als freundlicher und engagierter Segelsportförderer, war zweimal Mitglied der Gruppen, die Chinas Bewerbungen um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2000 und – erfolgreich – 2008 bewarben. Auch war Li stark daran beteiligt, Weltcup-Regatten ins Olympiarevier von Qingdao zu holen. Als internationales Jury-Mitglied bei großen Regatten hat Quanhai Li über 20 Jahre Erfahrung gesammelt. Quanhai Li ist amtierender Vize-Präsident des chinesischen Seglerverbandes und amtierender Präsident des chinesischen Ruderverbandes.

World Sailing/Jahrestagung/Screenshots Die Ergebnisse des zweiten und entscheidenden Wahldurchgangs

Mehrere Medien, darunter die "South China Morning Post", berichteten darüber, dass Li seine neue Rolle mit einem großen Sponsoren-Deal im Gepäck antreten könnte: Er heißt, der Immobilienentwickler Evergrade hätte für den Fall von Lis Wahl ein 10-Millionen-US-Dollar-Engagement in Aussicht gestellt. Auf die Frage nach dem wichtigsten nächsten Schritt für den Welt-Seglerverband hatten alle vier Präsidentschaftskandidaten vor der Wahl in veröffentlichten Interviews geantwortet. Quanhai Li sagte: "Es wäre eine Politik, die mit einem neu entwickelten Operations-Modell die finanzielle Sicherheit von World Sailing stärkt, abdeckt und fördert." Mit Quanhai Li übernimmt erstmals ein Chinese das Präsidentenamt im Weltverband einer olympischen Sommersportart.

World Sailing/Jahrestagung/Screenshots Trat souverän auf und machte den Mitgliedern Mut für die Zukunft: World Sailings britischer CEO David Graham 

World Sailing Die Ergebnisse der Wahl der Vizepräsidenten. Links stehen die sieben Kandidaten, die sich durchsetzen konnten

Am Sonntag wurden auch die sieben Vizepräsidenten gewählt. Während sich DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner nicht um eine zweite Amtszeit beworben hatte und ihren Fokus auf andere Aufgaben richten will, wurden vier Männer und drei Frauen gewählt: Tomasz Chamera (Polen), Sarah Kenny (Australien), Philip Baum (Südafrika), Yann Rocherieux (Frankreich), Duriye Özlem Akdurak (Türkei), Marcus Spillane (Irland) und Cory Sertl (USA). Zu den prominentesten bei dieser Vize-Präsidentenwahl durchgefallenen Kandidaten zählen die Italiener Luca Devoti und Ricardo Simoneschi.

Gerda Schliemann/ KYC Dierk Thomsen

Amme, Michael Otto Schlenzka

Bemerkenswert aus deutscher Sicht war an diesem Wahlsonntag die Verleihung der renommierten Beppe Croce Trophy durch den noch amtierenden Präsidenten Kim Andersen. Mit der Trophäe wird herausragendes ehrenamtliches Engagement von Persönlichkeiten im Segelsport ins Rampenlicht gerückt. Der dänische World-Sailing-Präsident Kim Anderson mühte sich im Angesicht seiner eigenen Wahlniederlage zwar offensichtlich durchs Mammutprogramm des finalen Sonntags der Jahrestagung, erinnerte aber ausführlich wie herzlich an den am 8. Oktober verstorbenen deutschen Preisträger. Thomsens Verdienste um den nationalen und internationalen Segelsport machen den Kieler, der 66 Jahre Mitglied im Kieler Yacht-Club war und aus der "Sailing City" heraus so vieles anschob, organisierte und sein Herzblut für den Segelsport gab, zu einem überaus würdigen Preisträger. Vor Thomsen hatten in der 32-jährigen Geschichte der Beppe-Croce-Trophäe Könige, herausragende Segler und Designer und auch der frühere IOC-Präsident Jacques Rogge die Trophäe erhalten. Yachtkonstrukteur Olin Stephens und Olympia-Star Paul Elvstrøm zählen zu den Geehrten. Als einziger Deutscher vor Thomsen war 1995 sein 2015 verstorbener Vereinskamerad Otto "Ötte" Schlenzka mit dem Preis ausgezeichnet worden.


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Themen: Welt-SeglerverbandWorld Sailing

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