Piraterie

Prozess im Fall „Carré d'As IV”

Erstmals stehen somalische Piraten wegen eines Überfalls auf eine Yacht vor einem französischen Gericht. In Paris begann der Prozess

Uwe Janßen am 16.11.2011
Super Maramu

Super Maramu unter Segeln, hier ein Schwesterschiff der überfallenen „Carré d'As”

Den sechs Angeklagten im Alter zwischen 21 und 35 Jahren drohen wegen bewaffneten Überfalls, Entführung und Freiheitsberaubung Haftstrafen von bis zu 30 Jahren. Es ist der erste Prozess gegen somalische Piraten in Frankreich. 

Skipper Jean-Yves Delanne und seine Frau Bernadette Bignon befanden sich auf Überführungsfahrt von Australien nach Frankreich, als ihre Super Maramu „Carré d‘As IV“ im Golf von Aden am 2. September 2008 gekapert wurde. Das nach Somalia verschleppte Paar wurde 14 Tage später von französischen Spezialeinheiten befreit, ein Pirat kam dabei ums Leben. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy wollte diese Operation als „Warnung“ verstanden wissen: „Frankreich wird nie akzeptieren, dass sich Verbrechen lohnt.“ 

Seinerzeit war das Thema Yachtpiraterie noch nicht sonderlich virulent; dieser Überfall war erst der dritte auf eine Yacht in diesem Gebiet. Im Gegensatz zu den beiden vorigen – darunter die Entführung der deutschen Crew von der „Rockall” –  endete das Verbrechen nicht mit der Zahlung eines Lösegelds. Die Piraten hatten zwei Millionen US-Dollar für die Freilassung der Eheleute verlangt. Außerdem sollten sechs inhaftierte Piraten freigepresst werden.

Das Verfahren in Paris findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor einem Pariser Jugendgericht statt – einer der Angeklagten war zum Zeitpunkt der Tat erst 18 Jahre alt. Das Urteil wird für den 2. Dezember erwartet.

Die Anwältin der Angeklagten führt nach Meldungen des Nachrichtendienstes „Euronews“ zu Gunsten ihrer Mandanten an, sie seien aus Armut „zur Seeräuberei getrieben" oder „auch gezwungen“ worden, sie befänden sich demnach „in einer Zwickmühle aus Gewalt und Moral“.

Derzeit befinden sich nach Angaben der Weltschifffahrtsorganisation elf Schiffe und 194 Geiseln in der Gewalt somalischer Verbrecher. Eine spannende Analyse der derzeitigen Piraterie-Lage am Horn von Afrika und den ergreifenden Report einer Seglerfamilie über ihre 195-tägige Geiselhaft lesen Sie in der aktuellen YACHT. Weiter Informationen dazu bekommen Sie hier.

Uwe Janßen am 16.11.2011

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online