Verbrechen
Piraten lassen Seglerfamilie frei

Die am 25. Februar vor der somalischen Küste entführten Segler aus Dänemark sind wieder in Freiheit – Spekulationen um Lösegeldzahlung

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 07.09.2011

privat Die entführte dänische Familie Johansen auf ihrer Yacht

Das dänische Ehepaar Jan und Birgit Johansen, seine Söhne Rune und Hjalte, Tochter Naja sowie zwei Mitsegler befanden sich im Rahmen einer zweijährigen Weltumsegelung mit ihrer „Ing“ auf dem Weg von Sri Lanka und den Malediven zum Suez-Kanal, als sie von somalischen Piraten gekidnapped wurden.

Der Fall sorgte auch über die Segelszene hinaus für Aufsehen, als ein gewaltsamer Befreiungsversuch kurz nach der Geiselnahme scheiterte. Unbestätigten Angaben zufolge sollen dabei Soldaten ums Leben gekommen sein.

Wie das dänische Außenministerium mitteilt, gehe es den befreiten Seglern „den Umständen entsprechend gut“, sie würden unverzüglich in die Heimat ausgeflogen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters behauptete ein Pirat, es sei ein Lösegeld in Höhe von drei Millionen US-Dollar gezahlt worden. Piraterie-Experten halten diese Angabe für wenig glaubwürdig, von offizieller Seite gibt es zur Stunde dazu keinen Kommentar.

Die gewählte Route gilt unter Seglern als extrem umstritten. Jüngst wurde sogar der Kurs des Volvo Ocean Race wegen der Piraterie-Gefahr am Horn von Afrika geändert, die Yachten werden um das kritische Revier herum verfrachtet. Und auch die „Ing“-Crew wusste um das Risiko. Am 22. Februar, drei Tage vor der Entführung, war die Ermordung der vier Segler auf der amerikanischen Yacht „Quest“ durch somalische Piraten ein Thema im Blog der Johansens: „Natürlich redeten wir sehr viel darüber. Aber es ist Tausende Kilometer von uns weg, und die Arabische See, wohin wir segeln, ist so groß wie Europa.“ Außerdem stehe man in ständigem Kontakt mit den Anti-Piraterie-Streitkräften.

Dass die Segler, zumal mit Kindern im Alter von 13 bis 17 Jahren, dennoch in das Gebiet einfuhren, stieß in Teilen der Seglerschaft auf großes Unverständnis, die Gefahren waren durch ähnliche Vorfälle hinreichend bekannt. Als Reaktion etwa auf das Schicksal der 2008 für 52 Tage gekidnappten Jürgen Kantner und Sabine Merz von der „Rockall“ (die YACHT berichtete) änderten unter anderem Sönke und Judith Roever mit ihrer „Hippopotamus“ den Kurs und kehrten von ihrer Weltumsegelung 2010 ums Kap der Guten Hoffnung zurück – ein deutlich längerer Weg im Vergleich zum Suez-Kanal, aber wesentlich sicherer.


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Themen: IngJohansenPiratenPiraterie Somalia

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