Rekordfahrt

Paris vom Pech verfolgt

Mehrere technische Defekte haben Stanley Paris dazu veranlasst, seinen Einhand- und Nonstop-Weltumsegelungsversuch zu unterbrechen

Pascal Schürmann am 28.11.2017
Porträt Stanley Paris Kiwi Spirit_KA20170426_0869
YACHT/Klaus Andrews

Die "Kiwi Spirit II" von Stanley Paris musste auf Bermuda einen Pitstop einlegen

Beide Autopiloten arbeiten nicht zuverlässig, die Batterien verlieren zu schnell an Leistung, in der Elektrik sind mindestens zwei Kurzschlüsse, der kurz vorm Start eingebaute Kühlschrank überhitzt, und die Ballasttanks sind undicht – angesichts all dieser Mängel hat sich der 79-jährige Stanley Paris nur eine Woche nach seinem Start zur Nonstop-Weltumsegelung entschlossen, auf Bermuda einen Pitstop einzulegen. Dort ist er vor drei Tagen eingetroffen und bemüht sich seither, die Defekte in den Griff zu bekommen.

Am 18. November hatte Paris mit seiner auf der Knierim-Werft gebauten "Kiwi Spirit II" St. Augustine an der Ostküste Floridas verlassen und zunächst Kurs Nordost genommen: Vor seiner Fahrt um die Welt wollte er erst eine Runde um Bermuda drehen, um dort einen neuen Streckenrekord aufzustellen. Diese geplante "Aufwärmübung" kommt ihm nun zugute. Zwar war der Zwischenhalt nicht geplant. Doch sobald er nun alle Reparaturen erledigt hat, kann er von Bermuda einfach erneut zur Einhand-nonstop-Weltumsegelung aufbrechen. 

Sollte es dieses Mal wirklich klappen – Paris ist bereits 2014 und 2015 an ebendiesem Vorhaben gescheitert –, wäre er mit dann 80 Jahren der älteste Mensch, der je die Welt einhand und nonstop umsegelt hat. Seinen Kurs kann man hier mitverfolgen. 

Auch das Starboot mit Startschwierigkeiten

Auch Dario Noseda musste einen außerplanmäßigen Reparaturstopp einlegen. Der Italiener war von den Kanaren aus gestartet, um über den Atlantik in die Karibik zu segeln, und zwar mit einem nur leicht modifizierten Starboot! Da er zunächst ohnehin gen Süden Richtung Kapverden segelte, um in den Nordostpassat zu gelangen, nutzte er die Gelegenheit und lief für einige Tage Mindelo auf São Vicente an. Inzwischen ist Noseda wieder auf dem Wasser und segelt nun Kurs West Richtung Nassau auf den Bahamas.

Komplett aufgegeben hat hingegen der Franzose Alain Maignan sein Vorhaben, quasi im Kielwasser Wilfried Erdmanns die Welt einhand und nonstop gegen den Wind zu umsegeln. Im Südatlantik kollidierte er nach eigenen Angaben vor wenigen Tagen mit einem Wal. Der Zusammenstoß habe gravierende Schäden an seinem Schiff hinterlassen, in mehreren Bereichen hätten sich Risse im Laminat gebildet. Maignan entschied sich daher zur Umkehr und segelt nun mit Kurs Nord zurück nach Frankreich.

Reeves und Kuczinski auf Kurs

Gut voran kommen indes zwei andere Extremsegler, die derzeit Großes vorhaben: der US-Amerikaner Randall Reeves und der Pole Szymon Kuczynski. Reeves war vor einigen Wochen von Kalifornien aus einhand gestartet, um sowohl beide Pole als auch die beiden amerikanischen Kontinente komplett zu umrunden. Er hat inzwischen im Pazifik den Äquator überquert und nimmt nun Kurs auf Kap Hoorn.

Kuczinski, der die Welt von West nach Ost gleichfalls einhand und auch nonstop mit einer kleinen Maxus 22 umrunden möchte, hat inzwischen den Atlantik und auch etwa zwei Drittel des Indischen Ozeans hinter sich gelassen. Rund 100 Tage nach seinem Start liegen damit bereits gut und gerne 10.000 Seemeilen achteraus.

Downloads


(für Print-Jahresabonnenten kostenlos)
Pascal Schürmann am 28.11.2017

Das könnte Sie auch interessieren