Rekord
Nordostpassage: Trimaran am Ziel!

Die "Qingdao China" mit Navigator Boris Herrmann an Bord hat nonstop segelnd die Nordostpassage durchquert. Der Rekordversuch ist geglückt

  • Kristina Müller
 • Publiziert am 15.09.2015

Boris Herrmann Racing Die internationale Crew der "Qingdao China"

Das Guo Chuan Racing Team um den gleichnamigen chinesischen Skipper hat heute um 18.48 Uhr deutscher Zeit einen neuen Rekord im Segelsport aufgestellt: Nur unter Segeln, ohne Hilfe von Maschinenkraft, hat die sechsköpfige internationale Crew die 2760 Seemeilen lange Passage an Bord des Trimarans "Qingdao China" nonstop absolviert.

Für den Hamburger Segelprofi Boris Herrmann, als Navigator mit an Bord, bedeutet die erfolgreiche Durchquerung der Nordostpassage, einen weiteren Meilenstein seiner Karriere erreicht zu haben. Auf verschiedenen Kanälen berichtete der 34-Jährige täglich über die Herausforderungen des Rekordversuchs entlang des Seewegs nördlich von Russland. Mit fast exakt zwölf Tagen absolvierte das Team die Strecke im Rahmen der anvisierten Zeit von zwei Wochen. Die offizielle Zeit wurde durch eine Black Box vom World Sailing Speed Record Council an Bord genommen. "Zusätzlich hat ein Herr an Land auf dem Kap Deznev-Leuchtturm die Zeit genommen", schreibt Boris Herrmann.

Der noch zu ratifizierende Weltrekord auf der Strecke von Murmansk bis Providenjia soll auch auf die Chancen aufmerksam machen, die der kürzere Seeweg von Europa nach China der internationalen Berufsschifffahrt bieten könnte. "In Zeiten so billigen Rohöls interessiert sich da zwar meist kaum jemand für", attestierte Boris Herrmann, doch das Pendel dürfte über kurz oder lang wieder umschlagen. Dass die Nutzung aller Weltmeere effizient und umweltschonend erfolgen müsste, sei dabei selbstverständlich.

"Ich bin unheimlich stolz, bei dieser Premiere dabei gewesen zu sein, und sehr dankbar, dass das Eis so gnädig zu uns war", resümiert Herrmann. Gleichzeitig habe es ihn nachdenklich gemacht, wie wenig Eis letztlich tatsächlich entlang der Route zu sehen war. "Wir wollen keine vorschnellen und pauschalen Rückschlüsse ziehen, aber der Klimawandel wirkte für uns geradezu greifbar", so der Navigator. "Als mir Guo Chuan im Frühjahr seinen Plan präsentierte, hielt ich das noch für verrückt", blickt der mit 34 Jahren Jüngste an Bord zurück. "Aber sein Mut und sein Pioniergeist sind begeisternd und ansteckend."

Chuan war der erste Asiate überhaupt, der zunächst im Team, aber dann auch allein und ohne Stopp um die Welt gesegelt ist. Seitdem gilt der 50-Jährige in seiner Heimat Qingdao, die das Projekt maßgeblich finanziert hat, als Volksheld. Die Hafenstadt, die 2008 die olympischen Segelwettbewerbe ausgerichtet hatte, ist Ziel der gesamten Reise. Dorthin sind es weitere 2500 bis 3000 Seemeilen, bis die "Qingdao China" erstmals nach dem Rekord wieder anlegen wird. Boris Herrmann rechnet dafür nochmals zehn bis zwölf Tage ein und hofft, um den 26. September herum wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Die Kampagne stand im Zeichen russisch-chinesischer Freundschaft. Außerdem segelte die Crew als Botschafterin der Friedensstiftung "Peace and Sport" unter Schirmherrschaft von Prinz Albert von Monaco.

Berichte und Bilder des Abenteuers gibt es auf der Internetseite von Boris Herrmann .

Boris Herrmann Racing Rekordversuch geglückt

Boris Herrmann Racing Zwölf Tage und zwei Stunden brauchte der Trimaran von Murmansk bis zur Beringstraße

Boris Herrmann Racing Skipper Guo Chuan


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Themen: Boris HerrmannGuo ChuanNordostpassageQingdao ChinaRekordversuchTrimaran

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