Weltumsegelung

Nonstop rundum: Peter Conrad versucht es zum dritten Mal

2018 scheiterte eine Einhand-Weltumsegelung des Skippers aus Eckernförde zweimal schon nach wenigen Stunden. Jetzt ist er zum nächsten Versuch gestartet

Uwe Janßen am 24.08.2019
Peter Conrad
YACHT / K. Andrews

Einhandsegler Conrad auf seiner „Timshal“

Am heutigen Samstag ist Peter Conrad mit seiner DEB 33 „Timshal“ in IJmuiden zu seinem dritten Versuch ausgelaufen, die Welt einhand und nonstop zu umsegeln. Im vergangenen Jahr waren zwei Versuche bereits früh gescheitert. Nur wenige Stunden nach der Ausreise aus Eckernförde musste der heute 49-Jährige wegen eines Wassereinbruchs aufgeben. Auch nach dem Neustart von Cuxhaven aus folgte rasch das Aus: Schon nördlich von Borkum zwang ihn ein Bandscheibenvorfall zum Abbruch

Damit hatten sich die Pläne für 2018 erledigt, weil Conrad die wetterkritischen Passagen nicht mehr rechtzeitig erreichen konnte. Das bedeutete: Ein Jahr Zwangspause – für Peter Conrad, der sich acht Jahre lang komplett auf sein Projekt fokussiert hatte, eine furchtbare Situation, wie er der YACHT im Gespräch vor der erneuten Ausreise erzählte.  

YACHT: Herr Conrad, wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt?

Peter Conrad: Es war brutal. Das Schlimmste: Ich war zum Zuschauen verdammt, als andere das gemacht haben, was ich unbedingt machen wollte – worauf ich jahrelang hingefiebert hatte. Im letzten Jahr fanden ja mit dem Golden Globe Race und der Longue Route zwei Einhand-Regatten um die Welt statt; verdammt, ich hätte doch auch da draußen hingehört. Ich habe so mitgefiebert mit denen, die da rum sind. Ich war so ... gereizt trifft es wohl am besten. Es ist mir sehr schwergefallen, nur der Zuschauer zu sein. Ja, mich hat das traurig gemacht. Es war hart. Es gab keine Sekunde, in der ich gesagt habe: Es war vielleicht für etwas gut, dass ich nicht losgefahren bin. Nein, nein, es war für gar nichts gut. Aber natürlich war die Entscheidung richtig, in dem Zustand ging es einfach nicht. Trotzdem fühlte es sich falsch an. 

Peter Conrad

Der Skipper kontrolliert das Rigg

Sind Sie mittlerweile wieder fit genug für die Strapazen?

Ich denke schon. Ich habe ohne Ende Rückentraining gemacht. Und Physiotherapie mit minimalen Bewegungen, ganz fein, ganz wenig. Viele kleine Übungen sind Ritual geworden. Heute habe ich keine Probleme mehr.

Sie haben sich kurz nach der Ausreise auf See verletzt. Wie war es dazu gekommen?

Ich wollte das Vorsegel mit Kraft durchsetzen, dabei machte der Oberkörper eine Abwärtsbewegung. Im selben Moment kam das Schiff ruckartig ein einer Welle hoch. Ich bin also gestaucht worden.

Peter Conrad

Conrad bei der ersten Ausreise 2018 aus Eckernförde

Und haben die Verletzung den Winter über in Holland auskuriert.

Ja, die „Timshal“ hat beim Wassersportverein IJmond in Velsen überwintert. Unter anderem ist mir da klar geworden, dass es auch etwas Gutes hatte, dass ich voriges Jahr nicht losgekommen bin. Ich habe viel Zeit mit dem Schiff verbracht und festgestellt, dass ich doch noch einige Dinge verbessern kann. Ich habe da noch einmal viel Arbeit hineingesteckt. 

Was haben Sie verändert?

Das Wichtigste: Es ist jetzt ein Watermaker an Bord. Das ist ein echter Gewinn. Ich spare dadurch etwa 180 Kilogramm Gewicht. Das ist deutlich spürbar im Verhalten des Schiffs. Es ist leichter – aber auch ein wenig zickiger. Das liegt auch daran, dass ich die Ankerkette und den schweren Anker durch leichtere Versionen ersetzt habe, das macht nochmal 114 Kilo weniger im Vorschiff. Außerdem sind jetzt eine Rettungsinsel und ein Jordan-Drogue-Treibanker an Bord. Und wenn man derart viel Zeit hat, dann fängt man natürlich an, alles Mögliche zu optimieren.

Zum Beispiel? 

Das Deck und die Fenster noch mal eingedichtet, das Luk optimiert, die Windsteueranlage, das Unterwasserschiff und die Elektrik und drinnen alles Mögliche an Schapps und Ausrüstung noch viel besser gesichert, als es schon war. Ansonsten waren es viele Kleinigkeiten: Leisten hier, Verstärkungen da. Und ich habe überall Notfall-Depots mit Wasserflaschen angelegt, das ist eine Lehre aus dem, was den anderen Einhand-Weltumseglern da draußen passiert ist. Wenn ich an Bord irgendwo verletzt umfalle, muss Wasser in der Nähe sein.

Peter Conrad

Der Skipper inspiziert den Masttopp

Was haben Sie von den anderen noch gelernt? 

Ich habe sie extrem genau beobachtet, eben auch die Wasserproblematik. Bei dem einen hat alles sehr gut funktioniert, andere hatten schon bei Afrika Probleme mit der Wasserversorung. Ganz unterschiedlich. Und Wetter ist natürlich das große Thema, wirklich spannend. Wie funktioniert welche Sturmtaktik bei welchem Boot? Wer hat Leinen nachgeschleppt, wer hat den Treibanker benutzt, wer hat sein Schiff in Bewegung gehalten? – solche Sachen. Sehr interessant. Ich habe immer überlegt: Was würdest du jetzt tun? Aber ich muss nochmal sagen: Es ist mir sehr, sehr schwergefallen, das alles nur aus der Ferne zu erleben.

Das Problem hat sich nun bald erledigt. 

Zum Glück! Ich habe mich gefühlt wie eingesperrt. Es fiel mir extrem schwer, geduldig und vernünftig zu bleiben. Ich wäre auch am liebsten schon in diesem Frühjahr losgesegelt und hätte eher auf dem Atlantik monatelang Kreise segeln wollen, als noch länger an Land zu sitzen. Es waren sehr emotionale Monate.

Peter Conrad

Conrad unter seinem selbstgebauten Dodger

Den Verlauf dieses Abenteuers können Sie hier im Internet verfolgen

Uwe Janßen am 24.08.2019

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