Weltumsegelung
Nonstop ist passé

Bernt Lüchtenborg legt nach Begegnung mit ersten Südmeerstürmen einen technischen Stopp in Ushuaia ein

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 09.06.2010

www.sail2horizons.com Die chilenische Küste, bei Annäherung der "Horizons"

"Der Törn um Kap Hoorn war im Vergleich zu dem, was ich in den letzten drei Tagen erlebe, relativ einfach. Nun kommt es knüppeldick", meldet Lüchtenborg auf seiner Website. Das schwere Wetter fordert seinen Tribut.

Bereits am Montag wurde die "Horizons" nach Lüchtenborgs Angaben von zwei schweren Brechern erwischt, die sie enorm auf die Seite legten. Dabei soll die mechanische Selbststeueranlage des Schiffs beschädigt worden sein: "Der Zahnkranzring ist glatt weggebrochen, wodurch die Windfahne den Betrieb eingestellt hat und mit Bordmitteln nicht zu reparieren ist." Beim Fall gegen die Steuersäule hat sich Lüchtenborg außerdem offenbar die Hand verstaucht.

Das Ankermanöver hinter Noir Island gestaltete sich zur Schwerstarbeit: "Bei Schauerböen von 60 Knoten, die in die Ankerbucht fegen, stecke ich zu 50 m Kette, 30 m Leine. Dennoch bricht der Anker aus dem Grund. Nach neuem Ankermanöver wiederholt sich der Horror." Wieder kommt das Schiff nicht ohne Schäden davon: "Als ich Leine und Kette an Bord habe (mit gestauchtem Handgelenk!), fehlt die Ankerpiek. Vermutlich unter einem Fels vom gewaltigen Winddruck abgerissen."

J. Erdmann YACHT Solch ein Zahnkranzring der Aries soll beim Querschlagen weggebrochen sein

Nach einer Nacht zwischen Noir Island und der chilenischen Küste nimmt Lüchtenborg schließlich Kurs auf Ushuaia, um Schutz zu suchen, sein wahrscheinlich gestauchtes Handgelenk zu schonen und die nötigen Reparaturen an Bord auszuführen. "Bin unsagbar enttäuscht wegen der Unterbrechung. Andererseits lebt dieser unglaubliche Törn von den Geschichten des Abenteuers, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Damit umzugehen, fertig zu werden", äußert er sich dazu auf seiner Website. Doch offenbar hat er seinen Mut, das Südpolarmeer im Winter zu durchqueren, noch nicht verloren: "Aufgeben ist zu einfach. Morgen durch die Gletscherwelt Feuerlands, dann in Ushuaia reparieren, ein anständiges Asado, Mund abwischen und weiter Kurs West!"

Tracker www.sail2horizons.com Versuch der Ankerung vor Noir Island und Ablaufen nach Ushuaia

Einen neuen deutschen Einhand-Nonstop-Weltumsegler wird es also vorerst nicht geben. Wilfried Erdmann — der Einzige, dem solch eine Reise bislang gelungen ist — äußerte sich kürzlich zu diesem Thema auf seiner Website und ermutigt, sich solch einer Reise zu stellen:

"Zwölf Gründe, nonstop um die Erde zu segeln" .


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Themen: Bernt LüchtenborgHorizonsSail2horizonsUshuaiaWilfried Erdmann

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