Urteil

Neun Jahre Haft für Yachtpiraten

Nach dem Überfall auf eine Segelyacht vor Somalia müssen drei Täter ins Gefängnis – ihr Motiv: der Wunsch nach "einfach verdientem Geld"

Uwe Janßen am 21.10.2013
Tanit

Ein Pirat hält die Crew der „Tanit“ in Schach

Ein französisches Gericht hat drei Piraten, die im April 2009 die Segelyacht "Tanit" 900 Kilometer von der somalischen Küste entfernt gekapert hatten, zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen die drei Männer im Alter von 26 bis 31 Jahren Haftstrafen von zehn bis zwölf Jahren gefordert. Die Angeklagten, die sich im Laufe des Prozesses eher als "Befehlsempfänger" darstellen wollten, seien aus freien Stücken an der Aktion beteiligt gewesen und hätten vor allem ihrem Wunsch nach "einfach verdientem Geld" gehorcht. Zwei der Piraten, offenbar die Anführer, waren bei der Befreiungsaktion von französischen Soldaten erschossen worden.

Auch Florent Lemaçon, der Skipper der mit zwei befreundeten Ehepaaren und einem dreijährigen Jungen besetzten Yacht, war bei der Aktion ums Leben gekommen. Ein französischer Soldat hatte ihn erschossen, nach Aussagen der Witwe "aus nächster Nähe, ohne dass vorher Schüsse gefallen waren". Der damalige Verteidigungsminister Hervé Morin hat beim Prozess letzter Woche ausgesagt und erklärt, dass die Aktion tatsächlich ein Fehlschlag gewesen sei. Aus offenbar nur zögerlich freigegebenen militärischen Teil-Berichten wurde beim Prozess kurz zitiert, dass auf den Soldaten eine "bedrohliche Gestalt zugeschritten" sei und er daraufhin geschossen habe.

Der Ex-Minister führte weiterhin aus, es habe zwei Hauptsorgen gegeben: die Anwesenheit eines Kindes an Bord und die Befürchtung, dass die Geiseln an Land gebracht würden, wo sie "erst nach Monaten oder Jahren freigekommen wären". Zeitweilig wurde ein Austausch der Frau und ihres Kindes gegen einen französischen Soldaten verhandelt, die Frau des Skippers hatte nach eigenen Aussagen aber abgelehnt, von Bord zu gehen.

Mit dem Urteil bleibt Frankreich seiner Linie treu: Andere Männer, die vor Somalia zuvor die Yachten „Carré d'As“ und „Le Ponant“ entführten, waren bereits zu ebenfalls hohen Freiheitsstrafen verurteilt worden. 

Uwe Janßen am 21.10.2013

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