Einhand-Weltumsegelung

Neues Nonstop-Projekt in Eckernförde gestartet

Peter Conrad möchte allein und ohne Zwischenstopp um die Welt. Das hat seit Wilfried Erdmann kein deutscher Segler geschafft. Wie stehen seine Chancen?

Uwe Janßen am 10.07.2018
Peter Conrad
YACHT / K. Andrews

Gleich nachdem die „Timshal“ den kleinen Steg des Wassersportvereins Eckernförde-Borby verlassen hat und langsam aus der Bucht nach See zustrebt, kommt ein Nachbarlieger aus dem Bojenfeld mit seinem Dingi vorbei. „Na, wo geht die Reise hin?“ fragt der Mann.

Peter Conrad

Conrad schlägt die Fock an – gleich kann es losgehen!

„Um die Welt“, sagen die zwei Zurückgebliebenen. 

Kurze Pause.

„Nonstop. Allein.“

„Krass“, sagt der verblüffte Nachbarlieger, „echt krass.“ Das kann man exakt so sagen.

Peter Conrad

Conrad unter seinem selbstgebauten Dodger

Selbst er, der ständig in der Nähe war, hat von dem Projekt keine Ahnung gehabt. Klar, die ewigen und auffälligen Bau- und Basteltätigkeiten an der „Timshal“, die waren unübersehbar. Aber deren Skipper Peter Conrad erklärte lapidar, er habe irgendwann eine „längere Reise“ vor, das musste als Erklärung genügen. Das Projekt gedieh in aller Heimlichkeit. So gab es am heutigen Vormittag auch keinen großen Bahnhof, irgendwelchen Rummel oder launige Reden in Eckernförde, als es nach Jahren der Vorbereitung endlich losging. Nur Conrads Partnerin Christina und sein Freund Wolfgang verabschiedeten den 48-Jährigen in sein großes Abenteuer. Es war zum Abschied ein sehr leises Servus.  

Conrad ist, soweit bekannt, die Nummer neun in der Reihe derjenigen, die sich nach Wilfried Erdmann 1984/85 an einer Einhand-Nonstop-Weltumsegelung unter deutscher Flagge versuchten. Keinem ist sie gelungen.

Peter Conrad

Der Skipper inspiziert in der Vorbereitung den Masttopp

Peter Conrad mag das Thema nicht besonders. Genauer gesagt: Es ist ihm egal. Am liebsten wäre ihm, man würde ihn darauf gar nicht ansprechen und ihn einfach in Ruhe sein Ding machen lassen. Ob er der Erste nach oder vor irgendjemandem ist oder der 15. oder sonstwas – völllig gleichgültig. Genau diese defensive Herangehensweise könnte dazu beitragen, dass ihm das große Vorhaben im Gegensatz zu manch lautsprecherischem Kandidaten zuvor gelingt.

Schon die klandestine Vorbereitung hat eines gezeigt: Der Mann hat Durchhaltevermögen. Seit acht Jahren bereitet Conrad sein vergleichsweise kleines, stäbiges Boot vor. Die "Timshal" ist eine in England gebaute DEB 33 aus dem Jahr 1971, gemäßigter Langkieler, gezeichnet von Olin Stephens. Acht Jahre, das ist mehr als das Doppelte der ursprünglich veranschlagten Zeit, und vermutlich hätten die meisten anderen bei derartigen Verzögerungen längst frustriert aufgegeben. Conrad nicht. Er sagt, er habe nicht einen Tag lang die Lust verloren. 

Peter Conrad

Conrad kontrolliert noch einmal das Rigg

Der lange Zeitraum erklärt sich auch aus einem Mangel an Möglichkeiten. Conrad ist nicht mit mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund geboren, und er ist auch keiner, der frech bei Sponsoren bettelt. Er nahm stattdessen verschiedene Jobs an, immer beharrlich das Ziel vor Augen, und steckte über all die Jahre wirklich jeden verfügbaren Cent in das Schiff. "Ich will zeigen", sagt er, "dass so ein Projekt jemand schaffen kann, der nichts an den Füßen hat." Unter den Voraussetzungen über einen solch langen Zeitraum durchzuhalten erfordert bereits ein hohes Maß an Willenskraft.   

Daneben verfügt er über weitere Fähigkeiten und Eigenschaften, die unterwegs im Zweifel entscheidend sein können: eine totale Fokussierung, enorme Ausdauer und Kämpfer-Mentalität. Und eine feste innere Überzeugung. Er strahlt die Gelassenheit eines Menschen aus, der voll und ganz in sich ruht, unerschütterlich. Das sind für eine Einhand-Weltumsegelung – in Kombination mit großem technischem und handwerklichem Geschick – schon mal sehr gute Voraussetzungen. Dennoch: Die Aufgabe, die er sich selbst gestellt hat, ist ungeheuerlich. 

„Im Moment fühle ich mich noch wie in einem Film“, sagte Conrad auch angesichts dieser langen Vorgeschichte direkt vor der Abreise. „Dass das alles nun Wirklichkeit ist, das wird mir wohl erst so richtig bewusst, wenn ich eine Zeitlang da draußen bin.“ Was er dort im Einzelnen erlebt, beschreibt er in seinem Törn-Blog unter www.sytimhsal.com.

Peter Conrad

Ein letzter Gruß – die Landleinen sind gelöst, das Abenteuer beginnt 

Um genau 10.18 Uhr am heutigen Dienstag war die letzte Landleine gelöst. Im Frühjahr 2019 will Peter Conrad sie zum ersten Mal wieder benutzen – wenn alles nach Plan läuft, hier in Eckernförde.

Uwe Janßen am 10.07.2018

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