Insolvenz abgewendet

Neue Investoren sichern Fortbestand von Bavaria

Verkauf der einst größten deutschen Werft perfekt – Betriebe in Giebelstadt und Frankreich sollen in vollem Umfang erhalten bleiben

Jochen Rieker am 15.09.2018
Trotz Insolvenzantrag – Bavaria-Produktion läuft wieder
YACHT/J. Rieker

Soll schon bald wieder hochgefahren werden: Produktion bei Bavaria in Giebelstadt

Es war eine Zitterpartie. Doch heute früh fand sie zu dem von Mitarbeitern, Händlern und vielen Fans der Marke  erhofften guten Ende: Bavaria ist verkauft – und gerettet.

Künftig wird ein Investitionsfonds unter der Leitung der Berliner Restrukturierungsexperten Capital Management Partners (CMP) die angeschlagene Werft übernehmen, die Ende April Insolvenz anmelden musste. Auch der Tochterbetrieb Bavaria Catamarans ist Teil der Akquisition. Damit ist die Zukunft der Marke und der insgesamt 800 Mitarbeiter gesichert.

"Die Beurkundung hat die ganze Nacht gedauert", sagte Tobias Brinkmann, der das Unternehmen mit Umsicht durch schwere See gebracht und die Produktion auch während der Schieflage hatte aufrecht erhalten können. "Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat." Zuletzt, so räumte der erfahrene Werftsanierer ein, habe er selbst Zweifel gehabt, ob es gelingen werde, die Werft zu erhalten, nachdem mehrere Interessenten abgesprungen waren und zuletzt auch wenig seriöse Bieter auf den Plan getreten waren. 

Umso mehr begrüßt er den Einstieg der CMP. Obwohl sie sich erst spät in die Liste potenzieller Käufer einreihten, hätten sie rasch "ein gutes Verständnis für die Werft und ihre Zukunftsaussichten entwickelt". Auch Händler und Führungskräfte äußerten nach ersten Gesprächen positive Eindrücke von den künftigen Gesellschaftern.

Zwar fehlt diesen Branchenerfahrung im Wassersport, die manchem nach den bisher wenig überzeugenden Erfahrungen mit zwei fachfremden Investoren als wichtig, wenn nicht unverzichtbar erschien. Dafür verfügen die Berliner über fundiertes Industrie-Knowhow und sind auf mittelständische Produktionsbetriebe spezialisiert.

Sie können obendrein auf ein erfahrenes Management-Team bei Bavaria zurückgreifen, das nach ersten Informationen auch künftig die Geschicke der Werft lenken soll. Die Geschäftsführung wird lediglich ergänzt um Ralph Kudla von CMP, einem ehemaligen Unternehmer und Berater von Roland Berger Consulting. 

"Wir sind überzeugt von den weltweiten Marktpotenzialen Bavarias," sagte CMP-Chef Kai Brandes in einer ersten Stellungnahme. Der Betrieb solle "nachhaltig weiterentwickelt werden". Im Zentrum stehe die "Rückgewinnung von Marktanteilen sowie die Verbesserung der Produktionskosten".

Beides wird nötig sein, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

Der Verlust an Effizienz in der Fertigung – jenem Bereich, für den Bavaria vor zehn Jahren selbst von Wettbewerbern bewundert wurde – war einer der Hauptgründe für die Insolvenz. Aber auch das Vertrauen in die Marke muss schnell wieder hergestellt werden. Aufgrund der lange währenden Unsicherheit über die Zukunft der fränkischen Bootsbauer hatten in den vergangenen Tagen und Wochen Dutzende von Kunden bei anderen Yachtbauern geordert, sodass Bavaria nur noch über einen geringen Auftragsbestand verfügt.

Auf den folgenden Herbstmessen hat die Marke nun Gelegenheit, wieder Flagge zu zeigen. Die Übernahme bedarf zwar noch der Zustimmung des Kartellamts, was als Formsache gilt. Unterdessen kündigte Tobias Brinkmann an, alle Maßnahmen zu treffen, um die Produktion "rasch wieder hochzufahren". 

   

Jochen Rieker am 15.09.2018

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