Hamburg
Neue "Haspa Hamburg" feierlich getauft

Der von Judel/Vrolijk konstruierte und in Neuseeland gebaute Einzelbau löste ihre Vorgängerin vom Typ X-482 ab

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 28.04.2010

www.hsv-hamburg.de Die neue "Haspa Hamburg" bei der Taufe am Hamburger Sandtorkai

Bis über die Toppen geflaggt strahlte das neue Flaggschiff des
Hamburgischen Vereins Seefahrt e. V. (HVS) bei herrlicher Frühlingssonne
in feurigem Haspa-Rot, als Dr. Kristina Vogelsang den Champagner zum
Taufspruch hob.

So begann am Mittwoch (28. April) ein noch moderneres Kapitel in der 107-jährigen HVS-Geschichte — eines Vereins, der sich der charakterbildenden Schulung jugendlicher Segler auf hoher See verschrieben hat. „Unser Dank gilt den zahlreichen Förderern, allen
voran natürlich der Hamburger Sparkasse, ohne deren Unterstützung der
Neubau dieses außergewöhnlichen Boots nicht möglich gewesen wäre“,
sagte der erste Vorsitzende des Hamburgischen Vereins Seefahrt, Dr. Detlef
Thomsen, vor mehr als 300 Gästen, die am Vormittag in den Sandtorhafen
nach Hamburg gekommen waren. Die „wunderbaren Linien“ der Yacht
lösten ganz besondere Emotionen aus. „Jungen Menschen das
persönlichkeitsstärkende Hochseesegeln unabhängig von ihrem Geldbeutel
zu ermöglichen, passt ideal zu unserem gesellschaftlichen Engagement in
der Hansestadt“, erklärte Dr. Harald Vogelsang als Vorstandssprecher
der Hamburger Sparkasse, die ihre Partnerschaft mit dem HVS, die er als
Freundschaft bezeichnete, voriges Jahr bis 2015 verlängert hatte.

Unter der Segelnummer GER 6300 wird ab sofort das Logo der Hamburger> Sparkasse auf allen Ozeanen getragen. Gezeigt wurde es zum ersten Mal am anderen Ende der Welt: im neuseeländischen Wellington. Dort wurde die Yacht nach einem Design des renommierten Bremerhavener Konstruktionsbüros Judel/Vrolijk bei Hakes Marine gebaut. Werftchef Paul Hakes ließ es sich genauso wenig nehmen, wie Mike Castania aus den USA, der beratend und als Bauaufsicht zur Seite stand, zur Taufe an die Elbe zu kommen. Auch ihnen war der besondere Einzelbau über die vergangenen Monate ans Herz gewachsen. Bevor Henning Rocholl die „Haspa Hamburg“ an die Segelgruppe Störtebeker des Vereins übergab, lobte der 2. HVS-Vorsitzende und Leiter des Neubaukomitees die „hervorragende Zusammenarbeit, die sich in einem einzigartigen Ergebnis widerspiegelt“.

Nach der feierlichen Taufzeremonie standen sie alle mit der HVS-Mannschaft um Bootsinspektor Johan Wilckens und der Segelgruppenleiterin Caroline Hagenberg („eine Riesenchance für die HVS-Jugend“) neugierigen Gästen Rede und Antwort, die das Schiff hautnah unter die Lupe nahmen. Ihnen gefiel das sportliche, „aber menschenwürdige“ (Thomsen) Interieur ohne jeden Luxus. Die 14. „Hamburg“ in der ruhmreichen Historie ist nicht auf komfortable Törns ausgerichtet. Es ist eine Jugendausbildungsyacht für zehn bis zwölf Personen Besatzung, die aber auch mit einer kleineren Crew überführt werden kann. Darüber hinaus stehen jedes Jahr auch einige Regattateilnahmen auf dem Kalender.

Bei Probefahrten vor Neuseeland

Das enorme Potential durfte die Testcrew bereits auf der Überführung von
der Landeshauptstadt Wellington an der Südspitze der neuseeländischen
Nordinsel in die so genannte City of Sails Auckland erleben, von wo aus
die Yacht per Containerfrachter der Reederei „Hamburg Süd“ die
Heimreise antrat. „Spitzengeschwindigkeiten von weit mehr als 20 Knoten
und Etmals von mehr als 200 Seemeilen waren keine Seltenheit“,
berichtete Johan Wilckens. Bei einer Breite von 4,80 Meter und einem
Tiefgang von 3,50 Meter verdrängt „die Haspa“ rund zwölf Tonnen. 97
Quadratmeter Großsegel und 70 Quadratmeter Fock stehen am Wind zur
Verfügung. Aber auf den Wellen surft sie erst unter ihrem 250
Quadratmeter großen Gennaker.

Abgesehen von den exzellenten Segeleigenschaften wurde das Schiff nach den höchstmöglichen Sicherheitsvorschriften konzipiert, damit Mensch und
Material auch schwerste Stürme in abgelegenen Revieren meistern.
„Umsichtige, besonnene Seemannschaft gehört zu den wichtigsten
Tugenden, die bei uns gelehrt und gelernt werden“, meinte Detlef
Thomsen, „das haben uns schon die Vereinsgründer so aufgegeben, und das wollen und werden wir auch in Zukunft hochhalten.“ Die rote „Haspa Hamburg“, die nun auch farblich zu ihrem Namenssponsor passt, löst ihre blaue Vorgängerin ab, eine gebrauchte X-482, die nach mehreren zehntausend Seemeilen „in die Jahre gekommen“ und verkauft
worden war. Es ist erst der dritte Neubau des HVS. Eine weitere
Vereinsyacht zur Jugendausbildung bleibt die „Norddeutsche Vermögen
Hamburg“. Der Grundname „Hamburg“ geht auf einen Schoner zurück,
der unter der Flagge des HVS im Jahr 1905 an einer Transatlantikregatta
von New York nach Hamburg erfolgreich teilgenommen hatte und hinter der
„Atlantic“ des New York Yacht Clubs Zweiter geworden war. Zum 100.
Geburtstag des HVS hatte es 2003 eine Wiederauflage der Regatta als
DaimlerChrysler North Atlantic Challenge gegeben, bei der die erste
„Haspa Hamburg“ einen starken vierten Platz belegte.

Technische Daten der 56-Fuß-One-Off „Haspa Hamburg“

Rumpflänge: 15,95 Meter
Länge (ü. A. inkl. Bugspriet): 17,20 Meter
Breite: 4,80 Meter
Tiefgang: 3,50 Meter
Verdrängung: ca. 12 Tonnen
Ballast: ca. 5,4 Tonnen
Masthöhe: 25,23 Meter
Großsegel: 97 Quadratmeter
Vorsegel: 70 Quadratmeter
Gennaker: 250 Quadratmeter
Maschine: 55-kW-Yanmar


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Themen: HamburgHaspaJudelVrolijk

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