Gebrauchtbootkauf
Neue Betrugsmaschen im Umlauf

Nach dem Artikel über Betrugsversuche beim Bootshandel in YACHT 21/12 sind nun neue arglistige Betrugstricks bekannt geworden. Augen auf!

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 23.11.2012

YACHT / B. Andersch Eine Yachtannonce

Scheckbetrug funktioniert seit vielen Jahren beim Verkauf von Häusern und Autos. Zunehmend versuchen solche Übeltäter in jüngerer Vergangenheit, auch Yachteigner auszutricksen. Wie Sie sich vor dieser und anderen Methoden schützen können, haben wir in YACHT 21/12 beschrieben. Wir warnen darin nachdrücklich vor ungesehenen Käufen oder Verkäufen aus dem Ausland und per Scheck. Offenbar haben die Betrüger darauf reagiert, denn nun sandten uns Leser ausführliche Berichte über zwei neue Maschen, in denen die Betrüger selbst von der in Verruf geratenen Zahlung per Scheck abraten – offenbar, um Vertrauen zu schaffen. Stattdessen schlagen sie einen anderen Weg des Handels vor. Zur Warnung möchten wir Ihnen davon berichten:

Fall Nummer eins

Ein Leser stößt über eine Online-Gebrauchtbootbörse auf das Angebot einer Hanse 430E, die mit Baujahr 2007 in vermeintlich bestem Zustand und mit einem angebotenen Verkaufspreis von 55.000 Euro wie ein Schnäppchen wirkt. Der einzige Haken: Das Schiff liegt im Binnenland von Slowenien an einem Fluss. Doch die mitgesandten Bilder zeigen ein wirklich gut gepflegtes Schiff, und der Preis ist hervorragend. Der Verkäufer spricht gebrochen Deutsch und gebrochen Englisch, aber wirkt freundlich und hat auch für die Logistik eine Lösung parat:

Er bietet an, das Schiff für den angegebenen Kaufpreis sogar kostenlos zum neuen Eigner nach Deutschland liefern zu lassen. Doch dafür stellte er einige Bedingungen: Er will den Kaufvertrag zusenden, den der Käufer unterschrieben zurück nach Slowenien schicken soll, er möchte aber zeitgleich das Geld per Überweisung erhalten. Innerhalb von drei Tagen soll dann das Schiff per Tieflader den neuen Eigner erreichen.

privat Schlechte Fotomontage einer Seriennummer auf einer Maschine

Auf gestellte Bedingungen des Käufers, zunächst den Vertrag zu unterschreiben, zum Boot zu fliegen und erst danach zu bezahlen, reagiert der Verkäufer ärgerlich und schlägt vor, dass der Käufer entweder seine Bedingungen akzeptieren oder sich ein anderes Boot suchen soll. Oder einfach nach Slowenien kommen soll. Diese Einladung wird jedoch schnell wieder zurückgenommen: "Wenn alles gut klingt, warum willst du dann unbedingt herkommen?"

Man findet einen Kompromiss: Der Käufer soll zunächst die Hälfte (27.500 Euro) zahlen, die andere Hälfte nach Lieferung der Yacht. Als Sicherheit sendet der Verkäufer vorab fotografierte Seriennummern der Yacht und der eingebauten Maschine per E-Mail. Was jedoch per Mail kommt, ist eine schlechte Fotomontage eines Serienschildes und eines Motors. Das erkennt der potenzielle Käufer und zieht die Reißleine. Zu seinem Glück!

privat Schlechte Fotomontage einer Seriennummer

Der zweite Fall

Diesmal möchte ein Leser seine Segelyacht verkaufen und findet einen Interessenten aus Belgien. Man verhandelt den Preis per Mail, doch der Belgier kann nicht persönlich zur Besichtigung kommen. Weil er das Boot jedoch kennt, schließt man jegliche Risiken im Kaufvertrag aus, und der Käufer identifiziert sich mit einem eingescannten Ausweis. Der Kaufvertrag wird unterschrieben, und die Abholung soll kurzfristig erfolgen. Es vergehen ein paar Tage, bis sich der angebliche Käufer wieder meldet. Er berichtet, dass seine Bank eine Identifizierung des Verkäufers verlangt. Dieser soll 500 Euro auf ein Konto in Südafrika überweisen. Dies sei ein formaler Ablauf, sagt er, nur dann könne die Bank den Kaufpreis zuzüglich der bereits gezahlten 500 Euro überweisen.

Der Belgier erklärt den Ablauf und den Grund dieses Verfahrens in perfektem Englisch und überaus ausführlich, doch irgendwie scheint daran trotzdem etwas faul zu sein. Der Verkäufer beginnt seine Recherchen und stößt auf den echten Belgier, dessen Ausweis für diesen Betrug missbraucht wurde. Man hatte sich extra einen älteren Menschen ausgesucht, um die Geschichte glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Der Verkäufer erfährt, dass der Betrug offenbar im großen Rahmen durchgeführt wurde, darauf ausgelegt, möglichst oft die 500 Euro zu kassieren. Und bei dem bedauernswerten Besitzer des Ausweises steht seitdem das Telefon nicht mehr still.

Es lohnt sich also, beim Bootskauf und Verkauf Augen und Ohren offen zu halten, vor allem, wenn es um Geschäftspartner aus dem Ausland geht. Möglichst viele Fragen stellen, Detailfotos schicken lassen und auf mehreren Wegen die Identität des vermeintlichen Käufers/Verkäufers zu verifizieren sollte die Basis jedes Handels darstellen. Natürlich handelt es sich nicht bei jedem Schnäppchen aus dem Ausland gleich um einen Betrugsversuch – doch es lohnt gerade dort, etwas misstrauischer zu sein.

Weitere Tipps und Maschen der Betrüger können Sie im Artikel in YACHT 21/2012 nachlesen – hier für Sie kostenlos zum Download gestellt.


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Themen: BetrugBetrugsmaschenBootskaufGebrauchtbootScheckbetrug

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