ARC-Blog

Nasse Nacht, heilige Nacht

Während die ersten Crews schon mit Punsch ihre Ankunft in St. Lucia feiern, wird das Gros der Flotte ordentlich durchgeschüttelt. Der Blog von Bord der "Moana"

Pascal Schürmann am 09.12.2019
fliegende Fische
YACHT/P. Schürmann

Fliegende Fische, die an Deck landen 

ARC-Blog Nr. 8

"Rezept für eine typische Atlantik-Suppe: Man nehme eine gute Portion Wind, am besten Böen bis 33 Knoten. Bevorzugt die schnell anrauschenden. Dazu ein hässliche, kurze, kabbelige See (in Ermangelung der langen Atlantik-Dünung).

Des Weiteren ein gerefftes Großsegel und eine kleine Fock, eine großzügige Handvoll dunkler Wolken mit extrem nassen Schauern, ein bockendes, lautes, in die Wellen krachendes Schiff, rutschende Töpfe und Tassen, eine dunkle Nacht ohne Sterne und kaum Mond sowie einen Koffer voll Schlafmangel und eine Prise nasse, kalte Füße.

Das Ganze vermenge man ordentlich und lasse alles 24 Stunden gut durchziehen – fertig ist die schwer verdauliche Rodeo-Mahlzeit.

Alles ist salzig, nass und klamm. Sogar der Nikolaus musste schwimmen. Wolfgang hat sich zudem bei Tagesstart eine extra Salzdusche durchs Luk gegönnt, das volle Programm mitten ins Gesicht!  Der begossene Pudel brauchte dann fast zwei Stunden, um alles wieder trocken zu legen.

Immerhin, zum Bergfest vor drei Tagen haben wir eine kleine Flasche Cava geköpft und lauthals "Nasse Nacht, heilige Nacht" gesungen. Die Hälfte der direkten Strecke von 2700 Meilen war da geschafft.

Tatsächlich haben wir infolge unseres Südschlenkers schon einiges mehr an Meilen hinter uns – und das Ziel klar vor Augen. Die Hoffnung auf Ankunft liegt bei Freitag, dem 13.! Wenn das kein gutes Omen ist...

Fisch-Attacke

Während der letzten Tage gab es meist nur fliehende Fische: Die Angelsehne hing irgendwann schlapp ohne Köder und vor allem ohne Beute am Heck. Es gab aber auch proaktive Fische. Als ich am Steuerstand versuchte, Moana auf Kurs zu halten, während eine schwere Bö durchzog, kam einer der kleinen fliegenden Künstler angesaust, prallte genau vor meiner Nasenspitze am Plotter ab und klatschte zu Boden. Wäre sein Sprung fünf Zentimeter höher ausgefallen, würde ich jetzt mit einem blauen Auge rumlaufen. 

Blaue Flecken gibt's aber auch so schon genug. Das Leben an Bord verlangt uns den breitbeinigen Gang eines Betrunkenen ab.

Treibgut

Ein paar hundert Meilen voraus auf 50/52 Grad West driften zwei aufgegebene Mini-Transat-Yachten. Außer den ungefähren Positionen haben wir vom ARC-Office nicht viel mitgeteilt bekommen. Wer musste da sein Schiff aufgeben? Würden wir ein AIS-Signal oder sogar noch Positionslichter sehen? Oder rauschen wir blind in die Gefahr? Eine gruselige Vorstellung. Also ist Augen auf in den kommende Tagen angesagt!"

Die Skipperin

Moana auf ARC-Kurs

Mareike Guhr auf Kurs Karibik

Mareike Guhr, Segelsportjournalistin, Buchautorin und Weltumseglerin, ist zu ihrer nächsten großen Reise gestartet. In diesem Sommer hat sie mit ihrem Katamaran "Moana" das Mittelmeer durchquert und sich auf den Weg zu den Kanaren gemacht. Von Las Palmas di Gran Canaria aus segelt die Hamburgerin derzeit mit Gästen an Bord im Rahmen der Atlantic Rally for Cruisers (ARC) über ihren "Hausozean", wie sie den Atlantik nennt.

Und das nicht nur zum Vergnügen, sondern auch, um sich um ihr Hilfsprojekt zu kümmern. Mit ihrem Verein "Island Child Care" versorgt Guhr Kinder auf Inseln in Drittweltländern, die am besten mit dem Schiff erreichbar sind.

Mehr Infos zum Törn und zum Boot finden sich auf Guhrs Website.

Pascal Schürmann am 09.12.2019

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