Werft-Übernahme

Najad hat einen neuen Eigentümer

Die schwedische Nobelmarke ist gerettet. Zwei Monate nach der Insolvenz hat die Motorbootwerft Nord West aus Orust den Betrieb übernommen

Jochen Rieker am 17.10.2011
Najad-Übernahme

Weiter unter schwedischer Flagge: Najad – hier im Bild die 355

Es ist eine schwedische Heimatgeschichte. Ein Plot, der Bootsbauergeschick, Handwerkerehre, Nationalstolz, hemdsärmeliges Unternehmertum, gute Verbindungen und, ja, auch einiges an Barem zu einem Happy End verwebt. Jedenfalls sieht es ganz danach aus, als ob jetzt vielleicht doch noch alles gut wird bei Najad.

Najad-Übernahme

CEO Benny Martinsson

Seit Freitagabend steht fest: Die Marke mit dem charakteristischen roten Streifen gehört künftig zu Nord West. Die bauen zwar bisher nur Motorboote. Aber erstens besonders gute, was an sich schon mal zu Najad passt. Und dann hat Gründer und Chef Benny Martinsson, 53, durchaus erste Referenzen in der Fertigung von Segelyachten vorzuweisen. Als junger Mann hat er einst bei Christoph Rassy gelernt, der ein paar Kilometer weiter in Ellös Yachten mit blauem Streifen laminierte und tischlerte. Das war in den Siebzigern. Gut zehn Jahre blieb Martinsson bei Hallberg-Rassy, bevor er mit Nord West seinen eigenen Betrieb aufmachte. Nun kann er beides zusammenführen. Schon von heute an baut Nord West aus der Konkursmasse die erste noch unfertige Najad zu Ende – das Einsteigermodell, eine 355.

Auf der Hanseboot in Hamburg wird die Marke erstmals nach der Übernahme öffentlich präsent sein – zwar nicht, wie geplant, an einem Gemeinschaftsstand, aber immerhin. Gezeigt werden soll eine Najad 440.

Najad-Übernahme

Heimathafen auch für Najad: Vindön

Nord West hat außer Najad und deren Liegenschaften in Henan auch die Markenrechte an Maxi Yachts und Aphrodite übernommen, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Jessica Stenlund gegenüber YACHT online mitteilte. Einzig die fast neue GFK-Fertigung im schwedischen Hinterland war nicht Teil des Deals. "Wir werden die Kunststoffarbeiten in unserem eigenen Betrieb in Lysekil durchführen", so Stenlund. "Die Kapazitäten reichen für Segel wie Motorboote aus, die Wege sind kürzer und die Anlagen auf dem allerneuesten Stand."  Auch die Endfertigung erfolgt an einem Standort: in der Nord-West-Werft in Vindön. Dadurch verspricht sich Benny Martinsson Rationalisierungseffekte und eine gleichbleibend sehr hohe Qualität.

Die Rechte an Maxi Yachts sollen verkauft werden. Interessenten dafür gebe es, wie das Insolvenzverfahren gezeigt habe.

Der Hafen und die bisherigen Hallen von Najad gehen an zwei Geschäftsleute aus Orust, Claes Samuelsson, einen ehemaligen Najad-Mitarbeiter, und Bertil Karlsson, einen Bauunternehmer und Investor von der Halbinsel, der zum Banktermin schon mal in Gummistiefeln und Flanellhemd erscheint. Rustikal, aber seiner Heimat derart verbunden, dass niemand an der Ernsthaftigkeit seines Engagements zweifelt. Die beiden wollen ein Service-Zentrum für Najad aufbauen, inklusive 16.000 Quadratmeter beheiztes Winterlager. 

Najad-Übernahme

Abschiedsworte vom Najad-Chef

Geht alles nach Plan, will Nord West im nächsten Jahr 30 bis 40 Najad produzieren, nach Möglichkeit auch mehr. Ob die noch über Händler vertrieben werden wie bisher, ist unklar. Nord West verkauft überwiegend direkt an die Eigner und liefert alle Boote direkt in Vindön aus. Auch bleibt abzuwarten, ob die gesamte Modellpalette von 35 bis 57 Fuß weiter produziert werden soll. Zumindest die neueren Yachten bleiben wohl in jedem Fall im Programm.

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Jochen Rieker am 17.10.2011

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